Cutwork Brother

Cutwork mit BROTHER Stickmaschinen

Wir haben Ihnen ja bereits gezeigt, wie man mit PFAFF oder HUSQVARNA VIKING Cutwork stickt und wie man Dateien von BERNINA dafür verwendet. Auch bei unserer Stickmusterserie für Knopflöcher wird das Thema Cutwork angesprochen, das direkte Schneiden des Schlitzes ist ja überaus praktisch. Da tauchte die Frage auf, ob man auch mit anderen Marken Cutwork sticken kann.

Wie sieht es zum Beispiel bei BROTHER aus?

In der Sticksoftware PE Design 11 kann man Cutworkmuster erstellen, sticken kann man diese jedoch laut BROTHER nur mit einer Stickmaschine der PR-Serie.

Da es für uns keinen offensichtlichen Grund gab, warum nicht jede Stickmaschine Cutwork sticken können sollte, haben wir es einfach für Sie getestet. Mit unseren Hinweisen sollte es auch für Sie kein Problem sein, mit BROTHER (und eigentlich mit jeder anderen Stickmaschine) Cutwork zu verwenden.

Was ist Cutwork eigentlich?

Bei dieser Sticktechnik wird die Nadel gegen kleine Messer getauscht, die den Stoff mit dichten Stichen durchtrennen. Da ein Messer ja breiter ist als eine Nadel, muss es in verschiedenen Richtungen eingesetzt werden. Das Messer von BERNINA kann man drehen, bei allen anderen Herstellern gibt es vier verschiedene Messer. Die Messer von HUSQVARNA VIKING und PFAFF sind in der Farbzuordnung identisch und wir haben mit diesen gearbeitet.

Hier sehen Sie ein paar Beispiele für Cutwork:

Die Blumen stammen von PFAFF, hier wird erst gestickt und dann die Blume komplett ausgeschnitten. Die Vasenhüllen sind mit einer Datei von HUSQVARNA VIKING gestickt, mit den Messern werden die Cutouts gefertigt.

Zwei Dateien von Bernina. Beim Schlüsselanhänger wird auch erst gestickt, dann geschnitten. Die Blume links wird nur geschnitten.

Welches Messer wird wann verwendet?

Stickmuster für Cutwork sind eher selten. Man erhält kostenlose Stickmuster mit den Starter-Kits oder bei manchen Herstellern hier und da ein paar Freebies. Dazu gibt es größere Sets zu kaufen, aber eigentlich immer auf einen bestimmten Hersteller beschränkt. Um die Verwirrung komplett zu machen, gibt es auch noch Cutwork-Stickmuster zum Ausschneiden mit der Schere. Hier wird mit Stickgarn ein bestimmter Bereich markiert, der dann manuell ausgeschnitten werden muss.

Ob eine Stickdatei für das Schneiden direkt von der Maschine durch Messer geeignet ist, erkennen Sie in der Farbübersicht:

Hier sehen Sie die Druckvorschau des kostenlosen Programms BERNINA Artlink 9. Die Datei stammt von BERNINA und kann hier heruntergeladen werden: KLICK. Die Messer sind mit den für BERNINA typischen Farben gekennzeichnet und dem Zusatz „Cut“ mit einer Zahl. Diese Zahl gibt dort nämlich an, in welche Stellung die Messerhalterung gedreht werden muss. Bei dieser Datei wird ausschließlich geschnitten, nicht gestickt.

Zum Vergleich eine Datei von PFAFF. Hier wird Sticken und Schneiden kombiniert. Die Zuordnung von PFAFF wird sogar von der Software von BERNINA erkannt (das ist aber nicht immer der Fall), die Farben sind typisch für PFAFF und HUSQVARNA VIKING, zusätzlich gelten die Nummer, die in der Spalte „Code“ stehen, denn nach diesem System bezeichnet PFAFF seine Cutworknadeln.

Das wirkt alles etwas kompliziert, aber nach ein paar Motiven verstehen Sie sicher, wie Cutwork funktioniert und können die Messerzuordung auch ohne Farben erkennen. Zur Orientierung haben wir noch diese Tabelle:

Damit können Sie Dateien von BERNINA, PFAFF und HUSQVARNA VIKING ganz einfach zuordnen. Verlangt das Motiv also bei einer Datei von BERNINA die Nummer vier, setzen wir das grüne Messer von PFAFF ein. Wir haben die Tabelle gleich mal mit den Farben von BROTHER und JANOME ergänzt, falls Sie eigene Stickmuster mit deren Programmen erstellen, können Sie das auch auf die anderen Nadelsysteme übertragen. Diese haben wir allerdings noch nicht selbst getestet, daher keine Garantie für die korrekten Farben. Wir arbeiten daran. 

Kleines Hindernis PES

Das klappt alles soweit ganz gut mit EXP und VP3. Konvertiert man diese Formate allerdings in PES, gehen die Cutwork-Befehle oft verloren. Bei EXP ist es eigentlich immer der Fall, die von uns getesteten VP3-Dateien gingen problemlos.

So sieht die Blume von oben nämlich aus, wenn man sie einfach von EXP in PES konvertiert. Es gibt nur noch eine Farblage. So entsteht jedoch kein schöner Rand beim Schneiden, denn man kann nicht erkennen, wann ein anderes Messer eingesetzt werden soll.

Das kann man umgehen, indem man die .inf (Setup-Information) Datei zur EXP löscht. Dann werden den Cutworkmessern von der Software einfach vier Farben zugeordnet und im Anschluss kann man die Datei in PES konvertieren. Es gibt dann zwar keine richtigen Cutwork-Befehle mehr, aber der Ablauf ist immer gleich. Bei allen BERNINA-Dateien mit vier Messer ist die Reihenfolge mit einer Nadel von PFAFF immer:

Blau, rot, gelb, grün.

Bei Cutworkdateien von PFAFF oder HUSQVARNA VIKING lautet die Reihenfolge bei vier Messern immer: Rot, gelb, grün, blau.

Wenn Sie über eine entsprechende Software verfügen, können Sie die Farben auch passend zu den Messer ändern oder die Farben sogar mit den passenden Namen umbenennen, zum Beispiel „Pfaff Cut blau 4“.

Sollten es keine vier Schnittbefehle sein, müssen Sie sich die Datei genau anschauen. Es gibt Dateien von PFAFF oder HUSQVARNA VIKING mit nur zwei Messern, in der Regel rot und gelb. Diese schneiden den gleichen Bereich aus. Das dient bei Cutouts dazu, dass Schuss- und Kettfaden ordentlich durchtrennt werden. Es kann aber auch auf manuelles Erstellen der Schnittlinien hinweisen, wie bei unserem Freebie zu sehen (mehr dazu weiter unten).

Wenn die Datei mit Sticken kombiniert wird, kann das etwas unübersichtlich werden. Daher raten wir dann dazu, die Datei einmal mit der .inf (Setup-Information) zu öffnen und das Stickmusterblatt zu drucken.

Danach kopieren Sie die EXP in einen anderen Ordner, löschen die .inf und öffnen die EXP erneut. Dann sieht sie schon anders aus und Sie können sie in PES konvertieren und an die Stickmaschine senden.

Cutworkmotive mit BROTHER sticken

Jetzt aber mal genug der Theorie, es darf gestickt werden. Für den Einstieg haben wir Ihnen zwei Dateien erstellt. Beim Kreis benötigt man alle vier Messer und die Schnittkante wird mit einem Satinstich verdeckt. Also ein schön rundes Loch.

Das Rechteck benötigt nur zwei Messer und steht nach dem Sticken frei. Es kann als Label verwendet werden, Sie müssen es nur vorher mit einer Schrift kombinieren. Wir arbeiten hier an der BROTHER Innov-is 2700.

Tipp:

Die Cutwork-Messer sind kürzer als Sticknadeln und scharf, daher sollten Sie sie nicht mit der bloßen Hand einsetzen. Sie können dafür die Rückseite eines manuellen Einfädlers verwenden oder das Mehrzweckwerkzeug von HUSQVARNA VIKING oder PFAFF, dieses liegt praktischerweise sogar den Cutwork-Startersets bei.

Kreis sticken

Hier sehen Sie die Datei für den Kreis, der als Loch verwendet wird. In der Farbübersicht erkennt man bereits die Cutworkmesser blau, rot und gelb (grün folgt auf der nächsten Seite). Je nach Modell werden auch die hinterlegten Nummern angezeig. 4 für blau, 1 für rot und 2 für gelb (siehe Tabelle).

Der Vorteil von Cutwork gegenüber dem Schneiden mit dem Plotter ist nicht nur, dass man es mit Sticken kombinieren kann, sondern dass auch Teile mit Löchern versehen werden können, die größer sind als die Schneidematte eines Plotters. Wir haben den 13 x 18 Rahmen mit Abreißvlies versehen und etwas Sprühkleber aufgebracht. Darauf wird das Kunstleder gelegt. 

Natürlich können Sie auch einfach normal einspannen, es kommt dabei immer auf Ihren Stoff an. Sticken Sie die erste Farbe, sie heftet den Stoff fest.

Da beim Cutwork ohne Faden gearbeitet wird, müssen Sie nun noch den Oberfadenwächter austricksen, falls er sich nicht abstellen lässt (ab Modell V3). Fädeln Sie bis zum Fädelpunkt 3 (unten) ein, ziehen Sie den Faden nach oben und legen Sie ihn vor dem Einfädelpunkt 4 nach rechts. Dort wird er mit einem Stück Tape befestigt. Dort, wo der Faden am Einfädelpunkt 1 eingezogen wird, kleben Sie ihn ebenfalls fest. 

So hebt er den Draht für den Sensor an, läuft aber nicht Gefahr, vom Fadengeber mitgezogen zu werden. Meldet der Sensor trotzdem, spannen Sie den Faden etwas mehr. 

Dann setzen Sie die Messer passend zu den Farben ein und lassen die Maschine schneiden. Je nach Stoff kann es vorkommen, dass mal ein Fädchen hängen bleibt, das durchtrennen Sie dann mit einer kleinen Schere.

Es gibt Dateien (vor allem bei PFAFF), bei denen kleine Stege übrig bleiben, die dann nach dem Sticken durchtrennt werden müssen. Diese dienen dazu, dass keine gelösten Teile unkontrolliert auf der Stickfläche herumwandern. Diese Stege sind in der Regel symmetrisch angeordnet, das ist dann kein Fehler Ihrer Stickmaschine oder des Messers.

Damit der Satinrand schön gestickt wird, legt man am besten ein Stück Vlies auf. Hier kann wasserlösliches Vlies oder Folie verwendet werden, wir nehmen dafür gerne die Reste von SULKY Thermofilm. Das hitzelösliche Vlies lässt sich an einer Satinkante sehr schön abreißen und ist auch ohne Abbügeln kaum noch zu sehen. Bei Projekten, die gewaschen werden, stabilisiert es die Kante dauerhaft, dann leiert sie nicht aus.

Nach dem Sticken kann man das Projekt, wenn es nicht eingespannt wurde, einfach abheben und das Vlies für weitere Löcher verwenden.

Entfernen Sie das Vlies, übrig bleibt das Loch.

Rechteck sticken

Das Rechteck steht nach dem Schneiden frei. Wir haben einen Schriftzug hinzugefügt, der zwar hier am Ende erscheint, aber wir haben ihn zuerst gestickt.

Auch hier ist Abreißvlies eingespannt und das Kunstleder mit etwas Sprühkleber befestigt. Diese Datei wurde im Gegensatz zum Kreis manuell erstellt. Es wäre also auch möglich, die Reihenfolge zu ändern, allerdings sorgt das nur für Verwirrung. Wir halten die übliche Reihenfolge daher ein und wählen die Farben und Nadelbezeichnungen passend.

Hier wird zuerst mit blau geschnitten, dann mit gelb. Gerade bei freistehenden Motiven kann es zum Ablösen bereits während des Stickens kommen. Bleiben Sie bei Cutwork immer an der Maschine. Wir haben beim Messerwechsel ein Stück Tape über die bereits geschnittene Stelle geklebt, damit sich das Kunstleder beim letzten Schnitt nicht eventuell verschiebt.

Am Ende lässt sich das Label sofort herausnehmen, jetzt nur noch die Sprungstiche entfernen.

Beim richtigen Einsetzen des Messers ergibt sich eine sehr saubere Kante und somit dürfte auch klar sein, warum Cutworkmotive nicht gedreht werden dürfen.

Wenn Sie sich jetzt an die Arbeit mit den Messern gewöhnt haben, können Sie sich daran machen, fremde Formate auf Ihre BROTHER Stickmaschine zu übertragen. Hier noch zwei Beispiele zu den oben gezeigten Druckvorschauen:

PFAFF

Das Motiv in der Druckvorschau und an der Maschine.

Wir haben beim Sticken lediglich die Farbe 7, den Heftrahmen, weggelassen. Er würde zum Befestigen eines Vlieses dienen, damit der Satinrand besser gestickt wird. Da wir auf Kunstleder sticken, haben wir die Folie nur aufgelegt.

BERNINA

Das Motiv als EXP und PES in der Druckvorschau, wie oben erklärt ohne .inf geladen.

An der Maschine:

Bei freistehenden Motiven können Sie auch mehrere Lagen gleichzeitig schneiden. Je mehr Lagen, desto höher muss dann aber der Stickfuß gestellt werden.

Wir haben vier Lagen Kunstleder aufgelegt. Bei komplexen Mustern ohne jegliches Sticken mit Garn kann es vorkommen, dass sich Teile ablösen und durch die Bewegung des Stickfußes verschoben werden. Sollten Sie etwas in der Art beobachten (meist gegen Ende des Schneidens), legen Sie eine Lage Vlies darüber und kleben es fest. Auch Reste von selbstklebendem Stickvlies sind hier hilfreich. Nach dem Schneiden wird das Vlies einfach wieder abgezogen.

Am Ende können Sie Schicht für Schicht abnehmen.

Unser Fazit zu Cutwork mit BROTHER:

Es ist Anfangs etwas mühsam, weil es keine Motive gibt, die man direkt in die Maschine laden kann, um sie abzuarbeiten. Aber das Anpassen von fremden Motiven ist nicht so schwer und wenn man das Prinzip verstanden hat, kann man auch anfangen, sich selbst passende Stickdateien zu erstellen.

Die Schnittkanten bei Cutwork sind, sobald sie von den vier Winkeln abweichen, nicht so sauber wie bei einem Plotter, dafür lassen sich filigrane Formen (wie das Blüteninnere) leichter schneiden. Bei Materialien über Mattengröße des Plotters ist Cutwork die einzige Alternative zu Schneiden von Hand und eine perfekte Kombination von Stickmuster und Schnitt ist nur mit Cutwork möglich. 

Wir finden, mit Cutwork kann man die kreativen Möglichkeiten seiner Stickmaschine erweitern und da mit etwas Übung und Planung dafür nur eine Packung passender Messer nötig ist, auch keine hohe Investition.

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