Defekten Reißverschluss in Jeans ersetzen

Wer kennt es nicht, bei der Lieblingsjeans ist der Reißverschluss kaputt, es fehlen 2, 3 Zähne. Oder noch schlimmer, der Schieber bleibt nicht mehr da, wo er sein sollte, er rutscht fast ganz von selbst runter und ohne es zu merken, ist der Hosenstall offen. Klar, für diesen Fall gibt es zahlreiche Tricks und Tipps, Fakt ist jedoch, der Reißverschluss ist defekt und sollte zeitnah erneuert werden. Ja genau, das geht! Und das zeige wir Ihnen jetzt in einer detaillierten Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Eins vorweg: Das anschließende Einnähen des Reißverschlusses geht schneller als das Raustrennen.

Arbeitswerkzeuge

Eine große Hilfe bei dieser Fummelarbeit ist das richtige Werkzeug. Das kann eine spitze Fadenschere sein, aber auch ein Nahttrenner. Wir benutzen in diesem Beispiel ein Ziehmesser mit einer neuen Klinge.

Verriegelungen auftrennen

Als erstes schneiden Sie sämtliche Verriegelungen auf.

Wir nehmen dazu das Ziehmesser und führen die Klinge behutsam über die Verriegelung. Wichtig ist, nur die Fäden aufzuschneiden und nicht den Stoff. Mit dem Nahttrenner greifen Sie unter die Fäden und schneiden sie sorgfältig auf.

Jetzt können Sie die Verriegelung problemlos lösen. Alle losen Fäden entfernen.

Die Jeans auf die Innenseite wenden. Hier sehen Sie, dass der Reißverschluss von einem doppelt gelegten Stoffstück verdeckt ist. Das ist der Untertritt.

Erste Hälfte vom Reißverschluss – Untertritt

Zuerst lösen Sie beim Untertritt die doppelte Schrittnaht. Oft ist diese Naht mit einem Kettenstich genäht, also vorsichtig lösen, damit nicht die ganze Schrittnaht offen ist.

Die Enden der verbleibenden Naht können Sie mit PRYM Fransenstopp sichern. 

Anschließend kommen Sie an die zweite Verriegelung ran, welche Sie vorher von der rechten Seite her aufgeschnitten haben. Diese lösen Sie vorsichtig, restliche Stiche aufschneiden und Fadenreste entfernen.

Der Untertritt ist jetzt bei der Schrittnaht komplett frei, keine Verriegelungen sind mehr vorhanden.

Den Untertritt komplett bis zum Bund vom Reißverschluss abtrennen, alle Fadenreste entfernen.

TIPP: Auf der Abdeckkappe des MADEIRA Seam-Fix befindet sich eine Art Radiergummi, mit dem Sie lose Fäden ganz einfach abstreifen können.

Mit dem Auftrennen dieser Naht ist zugleich der Reißverschluss frei geworden. Festgenäht ist alles nur noch oben beim Bund.

Beim Bund (da, wo der Knopf sitzt) die Absteppung auftrennen. Nur so weit, dass der Reißverschluss frei liegt. Den Untertritt nicht vollständig vom Bund lösen.

Die erste Hälfte des Reißverschlusses liegt nun lose und frei.

Zweite Hälfte vom Reißverschluss – Übertritt

Nun kommt die zweite Seite dran. Beim Übertritt trennen Sie die andere Hälfte vom Reißverschluss raus. Das geht wie folgt:

Zuerst ein Stück der Doppelnaht (von der Absteppung des Übertrittes) auftrennen, bis ca. zur ursprünglichen Verriegelung.

Jetzt die Doppelnaht vom Reißverschluss auftrennen. Die Absteppung vom Übertritt lassen Sie noch so stehen. Sie erkennen bereits, wie der Reißverschluss hier eingenäht wurde.

Die Reißverschluss-Naht bis zum Bund öffnen.

Beim Bund (da, wo das Knopfloch sitzt) die Absteppung auftrennen. Der Reißverschluss kann nun herausgenommen werden.

Auf der Vorderseite lösen Sie nun vorsichtig den Rest der doppelten Steppnaht beim Übertritt.

Auf der Innenseite deiner Hose sieht das dann so aus. Der Untertritt ist lose und nur noch oben teilweise am Bund befestigt. Der Übertritt liegt offen, der Beleg kann zur Seite gelegt werden. Die Bundnaht ist hier ebenfalls offen.

Neuer Reißverschluss

Den Reißverschluss können Sie nun in der Länge ausmessen. Sie werden feststellen, dass das Maß nicht dem Standard entspricht, denn oft sind halbe Zentimeter mit dabei, wie hier mit 12.5 cm. Das hat folgenden Grund, die Reißverschlüsse für genau diese Kollektion werden mit spezieller Spezifikation geordert. Für uns Endverbraucher sind die Längenabstände in 2 cm-Schritten erhältlich.

Bei der Wahl des passenden Ersatz-Reißverschlusses haben Sie eine große Auswahl. Ein wichtiges Kriterium ist fürs Erste: Ein Reißverschluss muss für Hosen sein. Das heißt, der Schieber hat eine Vorrichtung, um das Herunterrutschen zu vermeiden. Ein Endlos-Reißverschluss ist keine Alternative. Als zweites Kriterium ist die Länge wichtig. Wie bereits erwähnt, für uns Endkunden sind nur Längen in 2 cm-Schritten erhältlich. Ich wähle die Länge, die näher bei meinem defekten Reißverschluss liegt. In diesem Fall nun 12 cm. Die fehlenden 5 mm verteile ich oben und unten beim Einnähen, das sind dann je nur noch 2.5 mm, wo er nicht ganz passt. Und als drittes Kriterium ist natürlich die passende Farbe.

Wir entscheiden uns für den 12 cm -Reißverschluss.

Kontrollieren Sie anhand der Hose Ihre Wahl. Wie Sie sehen, die 0.5 cm fehlende Länge sind irrelevant, kaum erkennbar.

Ein wichtiger Schritt für das spätere exakte Einnähen ist, die Bandbreite des alten Reißverschlusses zu messen. Sie werden feststellen, das Band von der alten Hose ist um 2 – 3 mm schmäler als das Band des neuen Reißverschlusses. Der Grund für diese Differenz sind Einsparungen bei den Materialkosten.

Einnähen erste Hälfte des Reißverschlusses – Untertritt

Als erstes stecken Sie den Reißverschluss am Untertritt fest.

Dabei schaut das Band auf der Rückseite vom Untertritt um die gemessenen 2 – 3 mm hinaus. Das ist die Mehrbreite beim neuen Reißverschluss.

Oben beim Bund berücksichtigen Sie die Hälfte der fehlenden Länge, in meinem Beispiel die 2,5 mm.

Jetzt geht es ans Nähen! Nehmen Sie farblich passendes Nähgarn Stärke 100 und passendes Garn zum Absteppen, z. B. GÜTERMANN M782. Für das Einnähen des Reißverschlusses können Sie mit einer Universalnadel arbeiten, oder auch mit einer Jeansnadel. Für das Absteppen mit stärkerem Garn empfehlen wir eine Topstitch-Nadel.

Das Reißverschlussband mittig auf den Untertritt nähen. Nehmen Sie dazu den Reißverschluss-Fuß Ihrer Nähmaschine Nahtanfang und Ende verriegeln.

Das Hosenteil knapp an den Reißverschluss legen und feststecken. Die erste Naht muss dabei vollständig überdeckt sein.

Das Hosenteil knappkantig in der ursprünglichen Naht auf den Reißverschluss und den Untertritt festnähen. Nahtanfang und Ende verriegeln.

Einnähen zweite Hälfte des Reißverschlusses – Übertritt

Den Reißverschluss schließen. Danach den Übertritt deckend auf den Untertritt legen. So wie der Reißverschluss schon drin wäre. Zur Kontrolle kannst du zusätzlich noch den Knopf schließen. Den Übertritt an der Kante mit Stecknadeln auf dem Untertritt feststecken.

Die Jeans auf die Innenseite wenden. Der Reißverschluss sollte nun an der richtigen Position provisorisch festgesteckt sein.

Das zweite Reißverschlussband auf dem Beleg vom Übertritt feststecken. Die rechte Seite nicht mitfassen. Von vorne sind keine Stecknadeln zu sehen, Sie können unter den Beleg greifen.

Dabei oben beim Bund den Reißverschluss schräg auf die Seite zur Kante ziehen und feststecken. Die bewirkt, dass der Schieber bei geschlossenem Reißverschluss nicht sichtbar ist.

Den Reißverschluss öffnen und mit zwei Nähten auf dem Beleg festnähen. Nahtanfang und Ende verriegeln.

So sieht es aus, wenn der Beleg zurückgeklappt ist und der Reißverschluss festgenäht ist.

Die Hose wieder auf die rechte Seite wenden. Alle Stecknadeln entfernen. Prüfen Sie, ob der Reißverschluss richtig sitzt.

Den Übertritt auf dem Beleg mit Reißverschluss feststecken. Den Untertritt dabei nicht mitfassen.

Auf der Innenseite den Untertritt auf die Seite legen und feststecken. So wird er nicht mitgenäht.

Auf der Vorderseite entlang der alten Stepplinie die neue Absteppung nähen. Jetzt kommt das stärke Garn zum Einsatz. Die Stichlänge beträgt dabei ca. 4.

Den Untertritt wieder lösen und in die ursprüngliche Position legen. Die Schrittnaht feststecken und neu nähen. Auch hier mit Stichlänge  4 nähen.

Verriegelungen und zu Ende nähen

Zuerst Verriegelung 1 ausführen und dabei den Untertritt mitfassen. Danach die zweite Verriegelung nähen.

Einstellung Nähmaschine:

Zickzack, Stichbreite 2, Stichlänge 0.5. 

Hierfür am besten eine Nähprobe auf einem Reststück nähen.

So sieht es auf der Innenseite der Hose aus.

Den Untertritt mit Reißverschluss in den Bund legen, feststecken und absteppen (Stichlänge wie bei den anderen Absteppungen).

Den Übertritt ebenfalls in den Bund legen, feststecken und absteppen. 

Fertig! Schon kann man den Reißverschluss wieder wie gewohnt sicher verschließen. 

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