Der BERNINA Ruffler Nr. 86

Mit dem BERNINA Ruffler Nr. 86 kann man ganz einfach gleichmäßige Falten erzeugen. Hierbei kann die Wiederholungsfrequenz und auch die Faltentiefe dem gewünschten Projekt angepasst werden.

In diesem Tutorial zeigen wir Ihnen das Faltenlegen bei einer Stofflage, Falten und Zusammennähen in einem Arbeitsgang, das Anpassen der Faltentiefe und wie Sie die Länge des gekräuselten Teils berechnen und wenn nötig, anpassen.

Auch wenn oft von Kräuseln die Rede ist, arbeitet der Ruffler doch anders als ein normaler Kräuselfuß. Daher ist die Bezeichnung Faltenleger besser geeignet. Den Unterschied zum Kräuselfuß zeigen wir Ihnen hier ebenfalls, zudem wird es für den Kräuselfuß einen weiteren Beitrag geben.

Praktisch am Ruffler: Die Nähfußverlängerung Nr. 75 ist inklusive. Mit dieser können andere Nähfüße an Ihrer Bernina montiert werden, wie wir in diesem Beitrag zeigen: Adapter für alternative Nähfüße.

Bitte beachten: Es gibt zwei verschiedene Ruffler von BERNINA. 

BERNINA Ruffler Nr. 86

BERNINA Ruffler Nr. 86 für 7/8er Serie

Welcher an Ihre BERNINA passt, können Sie über das Sonderzubehör oder die Zubehörsuche überprüfen. In DIESEM BEITRAG erklären wir Ihnen, wie Sie diese Funkion nutzen.

Sollten Sie keine BERNINA Nähmaschine besitzen und doch gerne Falten legen lassen: Am Ende des Beitrags zeigen wir Ihnen die Alternativen anderer Hersteller.

Tipp vom Nähratgeber:

Dünne Webware oder dehnbare Stoffe sind mit dem Ruffler manchmal schwierig zu verarbeiten. Aber gerade dort wirken die Falten so schön. Damit das Faltenlegen auch bei diesen Stoffen gelingt, versteifen Sie Ihre Stoffe vor dem Nähen einfach mit Fabric booster.

Die Montage

Die Montage des Rufflers ist relativ einfach. Er wird wie alle anderen Bernina Nähfüße angebracht. Achten Sie dabei lediglich darauf, die Gabel um die Nadelschraube zu positionieren. Der automatische Einfädler darf mit dem Ruffler nicht benutzt werden.

Aktivieren Sie den Fuß im Nähfußmenü (wenn möglich), wählen Sie den Geradstich Nr. 1 und 3 mm Stichlänge.

Faltenlegen bei einer Stofflage

Der zu faltenden Stoff muss unter der Metallzunge durchgezogen werden. Bei schwierigen Stoffen hilft es hier, von rechts mit der Pinzette den Stoff zu führen. Er kann nicht wieder nach vorne gezogen werden! Ist Ihr Stoff nicht optimal platziert, ziehen Sie ihn nach hinten links heraus und führen ihn dann wieder neu ein.

Senken Sie den Nähfuß ab und überprüfen Sie, ob die Faltenwiederholung nach Wunsch eingestellt ist (0-1-6-12). Der Ruffler kann auf vier Arten arbeiten.

  • 12: bei jedem 12. Stich wird gefaltet
  • 6: bei jedem 6. Stich wird gefaltetet
  • 1: bei jedem Stich wird gefaltet
  • 0: es wird nicht gefaltet (Diese Funktion dient zum Unterbrechen des Faltens, wenn an einer Stelle keine Falte erwünscht ist und Sie können weiternähen, bis wieder gefaltet werden soll.)

Unser Beispiel ist bei jedem 6. Stich gefaltet.

Faltenlegen und Zusammennähen

Es ist mit dem Ruffler möglich, gleichzeitig zu Falten und Zusammenzunähen. Allerdings ist das Einhalten einer exakten Nahtzugabe hierbei etwas schwierig. Wir haben dafür mit einem Masking Tape auf dem Anschiebetisch eine 1-cm-Markierung gesetzt, aber schon allein durch die Größe des Fußes bemerkt man zu spät, wenn man von der Nahtlinie abweicht.

Legen Sie zuerst den Stoff ,der glatt bleiben soll, mit der rechten Stoffseite nach oben unter den Ruffler. Sie können ihn mit einem kleinen Magneten befestigen, dann rutscht er nicht mehr weg.

Dann führen Sie den zu falteten Stoff mit der rechten Stoffseite nach unten in die Zunge ein. Hier hilft ebenso eine Pinzette.

Senken Sie den Nähfuß, entfernen Sie den Magneten. Jetzt können Sie losnähen.

Faltentiefe anpassen

Die Faltentiefe kann mittels dieser Schraube verändert werden. Wird sie ganz rein gedreht, entstehen die tiefsten Falten.

Drehen Sie sie heraus, nimmt die Faltentiefe ab. Drehen Sie die Schraube jedoch nur soweit, dass hinter der schwarzen Halterung noch zwei Gewindegänge herausschauen.

Gerade für ein optimales Anpassen bei vorgegebenen Schnittteilen hilft die Anpassung der Faltentiefe, ohne dass an der Anzahl der Falten etwas verändert werden muss.

Hier im Beispiel sehen Sie jeden 6. Stich gefaltet.

Oben mit der maximalen Faltentiefe von 5 mm, unten die geringste mit 3,5 mm.

Der Faktor ändert sich hier bei von 1,5 auf 1,3 (Siehe nächster Abschnitt).

Länge berechnen

Besonders bei vorgegebenen Schnittteilen ist es unerlässlich, die Länge des benötigten Stoffes oder die Zahl der Faltenwiederholung/Faltentiefe vorher zu ermitteln. Hier hilft wie so oft der Dreisatz.

Wichtig beim Ermitteln der Länge: Arbeiten Sie immer mit den gleichen Voraussetzungen. Möchten Sie Fabric booster verwenden, tun Sie das auch am Probestück. Es sollte natürlich auf dem gleichen Stoff sein. Wenn Sie nur Falten legen wollen oder Falten legen und Zusammennähen, tun Sie genau das auch mit Ihrem Probestück.

Schneiden Sie sich ein ca. 60 cm langes Stück zu (Es geht auch mit einem längeren oder kürzeren Stück. Aber die Erfahrung hat gezeigt, dass weniger ungenau wird und mehr einfach zu viel Stoff verbraucht).

Auf dieses Stück zeichnen Sie sich zwei Linien im Abstand von 50 Zentimetern.

Schieben Sie das Stück in den Ruffler, wie oben gezeigt und beginnen Sie genau auf der markierten Linie zu nähen.

Jetzt nähen Sie bis zum zweiten Strich und beenden dort Ihre Naht. Messen Sie jetzt die Länge zwischen den zwei Strichen. Dann wird gerechnet:

Ausgangslänge : gefaltete Länge = Faktor

In unserem Fall 50 : 34 = 1,47

Diesen Faktor kann man nun in beide Richtungen benutzen. Hat man ein fertiges Stück Stoff und faltet es, reduziert es sich um den Faktor 1,47.

Beispiel: 100 cm Stoff ergeben 68 cm gefalteten Stoff (100 : 1,47 = 68)

Benötigen wir dagegen 100 cm gefalteten Stoff, multipliziert man mit dem Faktor (100 x 1,47 = 147) und wir brauchen 147 cm Stoff.

Unterschied zum Kräuselfuß

Im Gegensatz zum Ruffler faltet der Kräuselfuß nicht, sondern er rafft den Stoff durch den Transporteur zusammen. Die Stärke der Raffung lässt sich durch Ändern der Stichlänge anpassen. Hier im Beispiel sehen Sie den gleichen Stoff mit dem Kräuselfuß gekräuselt.

Hierbei ist die Verteilung der Kräuselung manchmal etwas unterschiedlich, da sie auch von der Führung des Stoffes beeinflusst wird. Links wurde mit Stichlänge 3 genäht, rechts mit 5. 

Ein weiterer Unterschied: Beim gleichzeitigen Kräuseln und Zusammennähen liegt beim Kräuselfuß der zu kräuselnde Stoff unten, beim Ruffler oben. Je nach Projekt kann das einen Unterschied ausmachen. Das Einhalten der Nahtzugaben fanden wir beim Kräuselfuß gleichermaßen schwierig und für präzise Nähte empfiehlt es sich auch hier, nicht in einem Arbeitsgang zu nähen.

Anwendungen

Was haben wir mit dem Ruffler gemacht?

Tüllröcke

Die Nichte eines Teammitglieds verkleidet sich gerne und wünscht sich auch lange Röcke. Tüll war noch genug da, also wurden zwei Rechtecke aus Softtüll mit dem Ruffler gefaltet und anschließend oben mit einem Band zum binden versehen.

So kann der Rock lange Zeit benutzt werden und auch für verschiedene Arten von Kostümen.

Saumabschlüsse und Armkugeln


Die Ärmel sollten an der oberen Armkugel gekräuselt werden, dies hat für uns der Ruffler übernommen. Mit der oben gezeigten Formel war es ganz einfach, mit zwei Probenähten die passende Faltenzahl und -tiefe herauszufinden.

Und statt eines normalen Saums wurde ein Jerseystreifen mit dem Ruffler gefaltet und anschließend mit der JUKI MCS 1800 und Bulky Lock Multicolor auf die Kante der Ärmel genäht. Zum Faltenlegen haben wir MADEIRA Wash Away verwendet, so ist der Ärmel nach dem Waschen wieder gut dehnbar. Auch beim Faltenlegen von Jersey hat ODIF Fabric booster gute Dienste getan.

Stufenrock ganz einfach

Wir haben mit dem Ruffler ganz einfach einen Stufenrock genäht. Aus einem langem Streifen wurde eine Bahn an der nächsten angesetzt (auch hier wurde erst ein bisschen gerechnet). Die Anleitung zum Nähen finden Sie demnächst hier auf dem Nähratgeber.

Special: Der Ruffler in Kombination mit dem Kreisnäher

Wenn Sie beide Zubehörteile kombinieren, können Sie tolle Effekte erzeugen. Es muss dabei nur ein Punkt beachtet werden: Der Kreisstickapparat muss auf der rechten Seite montiert werden. Wird er links montiert, transportiert der Ruffler nicht ordnungsgemäß.

Dieses Kissen wurde mit Spiralen verziert. Hierfür haben wir Jerseystreifen zugeschnitten und von außen her in Kreisen aufgenäht.
Nach einer Runde wurde der Kreisnäher erst um eine Position versetzt, dann nach ein paar Stichen um eine weitere, dann nochmal. Anschließend wurde wieder eine Runde genäht usw.

Dazu kamen noch ein paar einzelne Kreise. Fertiggenäht wurde die Hülle nach dieser Anleitung: Einfache Kissenhülle nähen.

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