Bernette Testbericht

Die BERNETTE b64 im Test – Teil 1 von Manuela

Mit dem Modell b64 Airlock hat die Firma Bernette Ihr viertes Overlockmodell auf den Markt gebracht, eine durchdachte Maschine mit vielen Gimmicks und einer qualitativ hochwertigen Verarbeitung. Aber wie schneidet sie im Praxistest ab?

Als ich vor etwa 10 Jahren (wieder) mit dem Nähen anfing, war relativ schnell klar, dass ich meinen Fokus auf Bekleidung lege und von daher eine Overlock her muss. Mit der Erfahrung wächst auch der Anspruch und so habe ich mittlerweile nach mehreren Stationen eine Bernina 1300 MDC. Diese ist eigentlich im Dauereinsatz, denn ich nähe hauptsächlich Baby- und Kinderkleidung, sowohl privat als auch gewerblich und ehrenamtlich. Im Klartext heißt das von leichten bis schweren Stoffen habe ich alle Arten von dehnbaren Materialien unter der Nadel und arbeite viel mit Bündchenstoff. Und je nachdem wie viele Lagen Stoff und von welcher Qualität der Stoff ist, hat selbst meine Bernina da oft zu Schnaufen, also sehen wir mal, wie es mit der Bernette läuft.

Doch bevor es ans Eingemachte geht, schauen wir uns das Maschinchen erst mal genauer an.

Der erste Eindruck ist durchaus positiv, ein klares, modernes Design, die Materialien vermitteln einen hochwertigen Eindruck, die Verarbeitung scheint solide, die Haptik der mattierten Oberfläche ist angenehm. Die Maschine ist allerdings etwas größer und wuchtiger, als die Overlock-Geräte an denen ich bisher gearbeitet habe.

Ein ganz großes Plus an der Bernette b64 ist der Freiarm. Gerade wenn man, wie ich, viele Bündchen annäht, ist so ein Freiarm eine echte Erleichterung. Und der Freiarm ist von seinen Ausmaßen so gestaltet, dass man z.B. bei Pumphosen schon ab etwa Größe 80 das Bein ohne den Stoff zu dehnen über den Freiarm ziehen kann. Sollte man den Freiarm nicht benötigen, so verschwindet er ganz geschickt in der Freiarmabdeckung. Und mit einem Klick hat man so eine wirklich großzügige Arbeitsfläche, die etwa rechts von der Nadel ganze 11 cm breit ist. Auch mit viel Stoff kann man so wirklich gut arbeiten.

Und dann gibt es ja noch den großen Anschiebetisch, der im Lieferumfang enthalten ist. Der ist ebenso schnell angebracht und bietet wirklich viel Platz. Anfänglich dachte ich mir, dieser große Anschiebetisch sei überdimensioniert, aber schon sehr bald habe ich mich daran gewöhnt und selbst bei kleinen Nähprojekten ist es sehr angenehm mit dieser großen Arbeitsfläche zu nähen.

Mein innerer Monk hat gejubelt, als ich den Greiferdeckel geöffnet habe. Hier hat das Zubehör, das man regelmäßig braucht, wie Pinzette, Schraubendreher und Pinsel, sein eigenes feines Plätzchen. Auch wenn man es bei einem Blick in mein Nähreich nicht gleich erkennen mag, so bin ich ein durch und durch ordnungsliebender Mensch. Und so habe ich im Rollcontainer neben meinem Nähtisch für jedes meiner Maschinchen ein Kästchen mit allem Zubehör. Aber wie viel praktischer ist es, das Zubehör einfach an einem festen Platz in der Maschine aufzubewahren? Das gefällt mir wirklich sehr gut.

Und wenn wir den Greiferdeckel schon offen haben, dann schauen wir uns doch gleich mal die große Stärke der Bernette b64 Airlock an, die Lufteinfädelung. Zugegebenermaßen, ich hatte bisher noch nicht das Vergnügen und war etwas unsicher. Auch wenn ich meine Overlock schon hunderte Male neu eigefädelt habe, mach ich hin und wieder Fehler und es kommt zu Fadensalat. Als ich mir das Nähpark-Video zum Lufteinfädelsystem angeschaut hatte, konnte ich gar nicht fassen, wie ungemein einfach das geht. Die Nadeln werden wie gewöhnt per Hand eingefädelt, wobei der Fädelweg farbig dargestellt ist und auch auf der Innenseite der Greiferabdeckung eine grafische Darstellung Hilfestellung leistet. Die Greifer kann man mit jeweils einem Knopfdruck über die Lufteinfädler bestücken. Meine Sorge, dass ich ständig vergessen würde, die Luftkanäle wieder zu öffnen vor dem Nähen ist unberechtigt, denn mit geschlossenen Luftkanälen lässt sich die Greiferabdeckung nicht schließen. Dieses System ist wirklich kinderleicht und idiotensicher.

Im Lieferumfang der Bernette b64 Airlock ist auch ein Kniehebel enthalten. Auch mit einem Kniehebel habe ich bisher noch nie gearbeitet. Ich weiß, dass viele Näherinnen in meinem Umfeld auf den Kniehebel schwören, aber ich bin ein Gewohnheitstier und konnte mir nicht vorstellen, dass dieser Kniehebel einen wirklichen Mehrwert für mich darstellen könnte. Und da kommt auch schon einer der Minuspunkte dieser Maschine ins Spiel: Die Position des Nähfußhebers. Während alle Geräte, mit denen ich bisher gearbeitet habe, den Nähfußheber irgendwo über/hinter dem Nadelbereich hatten, ist der Nähfußheber hier rechts am Außengehäuse. Jedes einzelne Mal, wenn ich den Nähfuß heben oder senken wollte, habe ich den Hebel dafür vergeblich gesucht. So habe ich irgendwann tatsächlich den Kniehebel montiert. Und es ist wirklich äußerst angenehm, wenn man den Stoff mit beiden Händen in Position bringt und den Nähfuß über den Kniehebel hebt und senkt. Entgegen meiner Erwartungen und sonstiger Gewohnheiten habe ich den Kniehebel sehr schnell angenommen und eigentlich ausschließlich damit gearbeitet.

Dies lag zum einen an der Bequemlichkeit, zum anderen aber auch an einem weiteren Manko der Maschine: Die Höhe des Nähfußes. Für meine Zwecke liegt der Nähfuß auch im eingerasteten, angehobenen Zustand zu niedrig. Ich mag es gern, wenn der Nähfuß höher ist, so kann man ohne großen Schieben und Quetschen den Stoff akkurat unter der Nadel platzieren. Will man einer Sweat-Hose ein Bündchen annähen, wird es schon schwierig: Eine Lage Sweat und zwei Lagen Bündchen, ggf. noch zusätzlich die Nahtzugaben, das gibt schon ein ganz schönes Gefummel unter dem Nähfuß, und man braucht beide Hände, bis der Stoff in der richtigen Position unter dem Nähfuß liegt.

Und so nähern wir uns langsam dem Herzstück des Maschinentests, der Funktionalität des Gerätes. Die Bernette b64 Airlock verfügt über 16 Stiche.

Die im Lieferumfang enthaltene Stichübersicht gibt einen guten Überblick über die verschiedenen Stiche und die damit verbundenen Einstellungen. Was ich sehr anwenderfreundlich finde, ist der leichte Zugriff auf alle nötigen Regler für die verschiedenen Stiche. Wie üblich sind die Regler für Differentialtransport und Stichlänge rechts am Außengehäuse.

Aber auch der Nähfußdruck lässt sich einfach über einen Regler links am Gehäuse anpassen, ebenso die Schnittbreite über einen Drehregler gleich unterhalb der Stichplatte, wo auch der Rollsaum-Wahlhebel und der mtc Regler angebracht sind. Die mtc Fadenkontrolle ist eine Technik, die von der großen Schwester Bernina kommt und mit der viele Bernina Overlockmaschinen ausgestattet sind. Dieses Faden-Kontrollsystem ermöglicht eine sehr einfache Anpassung der Greiferschlaufen, ohne die Spannung zu verändern. An alle diese Regler kommt man, ohne dass man den Greiferdeckel öffnen muss. Dies ermöglicht ein schnelles und unkompliziertes Wechseln zwischen den einzelnen Stichen.

Zum Einstieg habe ich den ‚Standard-Stich‘, den 4-Faden Overlockstich gewählt mit einem Stück festerer Baumwollwebware. Das Stichbild war schon mit der Voreinstellung nahezu perfekt. Einzig die leichten Wellen im Stoff haben mich gestört, aber durch eine kleine Anpassung des Nähfußdruckes ließ sich das ganz schnell beheben. Was mir beim ersten Nähen sofort aufgefallen ist, ist die tolle Beleuchtung. Das helle LED-Licht des Geräts ist wirklich sehr angenehm und beleuchtet den ganzen Arbeitsbereich. Allerdings ist mir auch gleich die Lautstärke aufgefallen. Im direkten Vergleich mit meiner Bernina Overlock ist die Bernette doch etwas lauter. Da ich aber keine entsprechenden Messgeräte habe, ist das ein rein subjektiver Eindruck, der möglicherweise auch nur beim direkten Vergleich auffällt. Die Geschwindigkeit kam mir anfänglich auch etwas niedrig vor, gerade bei langen, geraden Strecken wäre ein bisschen mehr Speed wünschenswert, aber das ist Klagen auf hohem Niveau, denn die Geschwindigkeit befindet sich rein objektiv mit 1.300 Stichen pro Minute im oberen Bereich.

In weiteren Tests werde ich noch verschiedene Stoffe und Garne sowie verschiedene Stiche kombinieren, aber mein Fazit nach einem Monat Nutzung ist durchaus positiv. Auch bei kleineren Mankos, wie der Position des Nähfußhebers oder der Höhe des Nähfußes ist die Bernette b64 Airlock eine durchdachte, anwenderfreundliche Maschine die dem Nutzer viele Annehmlichkeiten bietet. Die Lufteinfädler für die Greifer sind ungemein praktisch und der Freiarm eine enorme Erleichterung bei vielen Näharbeiten. Auch der große Anschiebetisch macht das Nähen sehr komfortabel.

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