Testbericht b64 Carmelo Barba

Die BERNETTE b64 im Test – Teil 1 vom Carmelo

Vom K(l)einwagen zum Sportflitzer

Ok, ich habe keinen Führerschein. Noch nie besessen, noch nie gemacht. Aber nach den ersten Nähversuchen mit der Bernette b64 Airlock bin ich mir ganz sicher, dass sich so auch Autofahren mit einer Power-Limousine oder einem Sportschlitten anfühlen muss.

Warum empfinde ich so? Angefangen habe ich meine Overlock-Karriere mit einer günstigen Overlock, auf der nicht wirklich ein Kleidungsstück entstanden ist, da ich schlichtweg damit nicht klarkam. Vielleicht hatte die Maschine einen Defekt ab Werk oder ich war einfach nicht in der Lage, Herr dieser Maschine zu werden. Ein Ersatz musste also her und so habe ich mich für eine günstige Overlock „Made in Germany“ entschieden. Aber auch diese sollte meiner Overlock-Karriere keinen Schub nach vorne geben: Getreu dem Motto „wie der Herr, so’s Gescherr“, hat sie – wie der Mensch auch – manchmal gute Laune, glänzt vor Schönheit, spuckt gute Nähte aus und liefert ausschließlich vorzeigbare Ergebnisse. Tja, und mal zickt sie sowas von rum und es gibt rein gar keine bzw. so richtig schlechte Ergebnisse … Aber zurück zur Bernette b64 Airlock – meinem Overlock-Sportwagen …

Auspacken, Anschauen, Aufbauen

Kaum zog das Schmuckstück in ihr vorübergehend-Zuhause ein, wurde der Karton auch schon von Patsy und Bumble Bee belagert. Die Verpackung an sich ist sehr stabil. Die Styroporpolsterung sorgt dafür, dass die Maschine beim Transport unversehrt bleibt und blieb (mein kleiner Monk: Geräte sind nicht ordentlich verpackt). Den Karton zu öffnen war schon ein kleines Event für mich. Meine Aufregung war groß und die Freude, die Maschine samt Zubehörteilen dann ausgebreitet auf meinem Wohzimmer- bzw. Nähtisch aufzubauen umso größer.

Anschauen

Das Design der Airlock finde ich sehr sexy. Diese Bernette überzeugt mit ihren abgerundeten Ecken und Kanten. Die leicht stämmige und gleichzeitig elegante Statur in der Breite betont das Robuste und das Belastbare an diesem Gerät. Diese Overlock ist die neue Schulter, an die man sich anlehnen möchte. Allein die Vorstellung, dass verschiedene, gerade noch alleinliegende Stoffe ihren Weg zwischen Nähfuß und Stichplatte in ein neues, gemeinsames Projekt finden, bestärkt meinen Wunsch, die Airlock so schnell es geht ans Laufen zu bekommen und mich rasch an den Aufbau zu wagen.

Aufbauen

Was den Aufbau angeht, kann ich für die Bernette sicher behaupten, dass dieser relativ intuitiv und flott geht: Maschine aufstellen, Garnrollenständer mit Konenhaltern dran und mit das mitgelieferte Fußschalterpedal mit Netzkabel anschließen.

Anschiebetisch und Stoffauffangbehälter sind ebenfalls schnell montiert: Beides wird einfach eingeschoben und eingerastet. Für eine richtig gute Stabilität sind bei dem Tisch sogar keine extra Standfüße nötig. Ich bin sehr dankbar, dass ein Anschiebetisch ab Werk mitgeliefert ist, da ich mit kleinen Nähflächen immer so meine (Platz-)Probleme habe.

Der mitgelieferte Kniehebel ist ebenfalls schnell angesteckt: einfach den Einrastnocken in den dafür vorgesehenen Anschluss schieben.

Geschickt eingefädelt

Um eine Overlock korrekt einzufädeln, muss man mindestens eine Ausbildung gemacht oder studiert haben – und ich habe leider nur studiert. Grundsätzlich verbrachte ich teilweise einen halben Tag mit einzufädeln. Irgendetwas war dabei immer falsch: Faden vom Obergreifer zu weit nach links gezogen, Untergreiferfaden nicht drunter, sondern mit Rolle rückwärts drübergezogen und die linke und rechte Nadel aufgrund meiner Rechts-Links-Schwäche miteinander vertauscht. Nicht sonderlich förderlich war dabei die Tatsache, dass ich grundsätzlich kein geduldiger Mensch bin. Am Ende holte ich mir dann doch wieder Hilfe bei meinen Näh-Mädels und vermied es möglichst, Situationen und Nähprojekte herbeizuschwören, für die ich das Garn wegen seiner Farbe wechseln musste.

Ein völlig anderes, einzigartiges und fantastisches Einfädel-Erlebnis (und das ist nicht gelogen) hatte ich bei meinem ersten Mal mit der Bernette b64 Airlock. Völlig intuitiv und nur mit Hilfe der beiliegenden Kurzanleitung (die ausführliche Anleitung gibt es umweltfreundlicherweise nur im Netz) war das Einfädeln ein leichtes Spiel, das ich diesmal gewann. Dank des Lufteinfädlersystems für die Greiferfäden, war das gute Stück in Nullkommanichts eingefädelt, so dass ich schon bald mit dem Nähen anfangen konnte.

Einnähen

Für die erste Probenaht habe ich im Schrank noch ein altes Stück Stoff gefunden, auf das ich mit meiner alten Overlock schon einmal Probe genäht habe. Und getreu dem Motto: ein Bild sagt mehr als tausend Worte, hat mich das aktuelle Ergebnis im Vergleich zur alten Probenaht echt sprachlos gemacht.

Die ersten Projekte für die Bernette b64 Airlock mussten also schnell her, damit ich das gute Stück auch so richtig einnähen konnte. Und da sich in meinem Freundeskreis gerade das Kinder-kriegen breit gemacht hat, lag es auf der Hand einige Pumphosen, Baby-Shirts und einen Strampelsack zu nähen. Genäht habe ich alle Teile mit einer 4-Faden-Overlocknaht. Das dabei vernähte Garn war ein Universal Qualitätsgarn mit der Stärke 120 der Firma Ackermann. Als Stoffe habe ich für die Babykleidung sowohl leichten als auch etwas dickeren Baumwolljersey genutzt. Den Strampelsack habe ich mit angerautem Sweat (Außenstoff) und leichtem Baumwolljersey (Innenstoff) genäht. Selbstverständlich habe ich am Ende alle Stücke mit den passenden Bündchen versehen, so dass ich generell drei bzw. für den Strampelsack vier Schichten Stoff zusammennähen musste. Für mich selbst habe ich einen Wendebeanie mit leichtem Baumwolljersey genäht.

Das Nähen an sich war relativ „entspannt“: die Maschine stand fest auf dem Tisch und ruckelte nicht. Die Lautstärke war für eine Overlock in einem Rahmen, in dem man sich daheim noch über das Abendessen unterhalten konnte. Wenn mal eine Naht nicht so gesessen hat, wie ich mir das gewünscht habe – was mit dieser Maschine sehr selten der Fall war – habe ich die Maschine einfach neu eingefädelt.

Das Gesamtergebnis meines kleinen Nähmarathons konnte sich am Ende mit durchweg sauberen und festen Nähten in allen Projekten zeigen lassen.

Zwischenfazit und nächste Projekte

Alles in allem bin ich von der Bernette b64 Airlock durchweg begeistert. Auch wenn ich mich selbst nur als fortgeschrittenen Nähanfänger sehe, hat mich sowohl das Rüsten, das Einfädeln als auch der Nähprozess an sich von den Socken gehauen.

Die Lufteinfädelung sind gerade für ungeduldige Menschen wie ich es bin, eine der größten und notwendigsten Erfindungen in der Nähwelt.

Zwei bzw. anderthalb kleine Schwächen möchte ich bei dieser Airlock feststellen bzw. in zwei Dingen möchte ich es mir erlauben, auf hohem Niveau zu jammern. Erste Schwäche: Der Stoffauffangbehälter soll ja Stoff- und Garnreste auffangen, die während des Nähens direkt abgeschnitten werden. Im Grunde genommen erfüllt dieser Behälter seine Aufgabe, sitzt allerdings meiner Meinung nach etwas (aber auch wirklich nur minimal) locker an der Maschine dran, so dass sich die eine oder andere Flause…. ähm… Fluse daneben auf den Tisch verirrt.

Und die andere halbe Schwäche: der Kniehebel. Ich komme einfach nicht klar damit. Mag es für andere Näher:innen komfortabel sein, war für mich als Kerl die Nutzung des Kniehebels immer konfus, weil ich aus Reflex gleichzeitig das Fußpedal getreten habe und so dann etwas in Hektik geriet, weil die Maschine plötzlich loslegte zu nähen …

Abschließend kann ich sicher behaupten, dass ich ganz schnell Fan dieser Airlock geworden bin. Ich freue mich schon absolut auf die nächsten Projekte, die ich mit dieser wunderbaren Maschine bzw. mit dem Sport-Flitzer unter den Overlocks zaubern darf: Hoodies, Schlafhosen, Röcke, Shorts, (Männer-)Unterhosen und noch mehr Kinderklamotten … Fahren ohne Führerschein kann so einfach und so wundervoll sein ….

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SDX oder DX? 1350 oder 1550? Wenn ihr nicht wisst, welcher Plotter von Brother der richtige für euch ist, schaut mal rüber auf den nähRatgeber (Link in Bio).
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Der Obertransportfuss ist eine praktische Sache, aber ab und an hören wir, dass er nicht richtig transportiert. Meist ist dann die Gabel nicht eingehängt. Warum das aber wichitg ist, sehr ihr hier.
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