Die BERNINA Kapperfüße Nr. 70 und 71

Die Kappnaht ist den meisten Hobbyschneidern bekannt, auch wenn sie eher selten benutzt wird. Die falsche Kappnaht ist dagegen weiter verbreitet und wird auch teilweise in der Industrie angewandt. Dazu reicht ein Blick in den eigenen Kleiderschrank und mal alle Jeans auf links zu ziehen. Das haben auch wir getan und unterschiedliche Lösungen gefunden, wenn auf der Vorderseite eine Doppelnaht zu sehen war. Neben den Fake-Kappnähten gibt es zusätzlich noch unterschiedliche Nähtechniken für die echte Kappnaht. 

Eine echte Kappnaht. Diese wird in der Industrie allerdings meist mit einer Doppelkettenstichmaschine genäht und zeigt daher sowohl auf der Vorderseite als auch auf der Rückseite eine Doppelreihe.

Auch bei Kaufkleidung findet sich eine Fake-Kappnaht. Meist ist dies der Fall, wenn die Jeans viel Elasthan enthält und dort macht diese Verarbeitung auch Sinn, da die Naht dadurch dehnbar bleibt.

Aber auch bei Herrenhemden finden sich Kappnähte, an den Seitennähten oder in der Armkugel. Wie auch bei der Jeans handelt es sich hier um eine Doppelkettenstichnaht. 

Doch was ist eigentlich eine Kappnaht?

Als Kappnaht bezeichnet man eine Naht, bei der sich beide Stoffkanten gegenseitig einschließen, wie hier im Schema zu sehen. So entstehen sehr strapazierfähige Nähte. Die bekannteste Anwendung ist daher wohl die Innenbeinnaht einer Jeans.

Da die Doppelkettenstichnaht in Hobbygebrauch mit keiner Maschine in einem Arbeitsgang zu erzeugen ist, wird die Kappnaht hier etwas anders genäht. Es sind zwei Durchgänge nötig und auf der Rückseite ist nur eine Naht zu sehen.

Rückseite

Vorderseite

So können Kappnähte mit dem Kapperfuß Nr. 71 auf Jeans aussehen. Wichtig ist hierbei aber, dass für eine gleiche Optik der Naht auf der Vorderseite das Ziergarn auch als Unterfaden aufgespult werden muss.

Was ist der Unterschied zwischen dem Fuß Nr. 70 und Nr. 71?

Beides sind Kapperfüße, jedoch in unterschiedlichen Breiten. Mit dem Fuß Nr. 70 wird die Kappnaht drei Millimeter breit, mit dem Fuß Nr. 71 dagegen sechs Millimeter. Verwenden Sie den schmalen Fuß am besten für feine Stoffe an Blusen und Hemden, den breiten Fuß für Hosenstoffe (wie z.B. Jeans).

Das Nähen einer Kappnaht mit einem Kapperfuß von BERNINA

Wir zeigen hier die Kappnaht mit dem Fuß Nr. 71. Die Angaben für den Fuß Nr. 70 stehen in Klammern, falls abweichend.
Die Nahtzugabe beträgt an beiden Stoffteilen 10 mm (5 mm).

Montieren Sie den Kapperfuß und aktivieren Sie ihn (wenn möglich) im Nähfußmenü. Stellen Sie die Nadelposition auf -3 (mittig) und die Stichlänge auf 3 (2). 

Aktivieren Sie die Nadel-unten-Stellung. 

Legen Sie die Stoffe links auf links aufeinander. Dabei steht der unten liegende Stoff ca. 10 mm (5 mm) über, lieber etwas weniger als zu viel.

Schlagen Sie den unteren Stoff über den oben liegenden und legen Sie den Stoff so unter den Nähfuß.

Vernähen Sie den Nahtanfang, auf der Stelle oder mit ein paar Vor- und Rückstichen. 

Halten Sie dann an und legen Sie die obere Stofflage über die Führung des Kapperfußes.

Nun nähen Sie die erste Naht. Schlagen Sie Ihren Stoff immer etwas vor dem Nähfuß um.

Dann bügeln Sie die Stoffkante so, dass die offene Kante verdeckt wird. 

Nun kommt der zweite Durchgang. Auch hier nähen Sie erst wieder ein paar Stiche auf der flachgebügelten Naht und legen dann erst die Kante in die Führung des Kapperfußes

Meist reicht es, den Stoff rechts und links der Naht zu führen. 

Bei besonders dicken oder dehnbaren Stoffen können Sie mit dem Finger oder dem Stilett den Stoff auf Höhe der Führungzunge etwas in Form halten.

Schon ist die Kappnaht fertig. 

Hier noch ein paar Anwendungstipps:

Möchten Sie eine Innenbeinnaht an einer Jeans nähen, achten Sie darauf, die Nahtkreuzung gut zu bügeln und gegebenenfalls zurück zu schneiden. Sollten Sie Bedenken haben, dass die Kreuzung nicht durch die Führung passt, können Sie genauso wie am Nahtanfang auch die Kante aus der Führung nehmen und ein Stück obenauf weiter nähen.
Alternativ kann man auch die Beinnähte einzeln nähen und erst im Anschluss die Schrittnaht. 

Für den perfekten Look der Kappnaht sollte im ersten Arbeitsschritt das vordere Bein der Jeans unten liegen.

Für gleiche Nähte muss bei der Kappnaht Ober- und Unterfaden zusammenpassen. Allerdings kann nicht jedes Ziergarn problemlos als Unterfaden verwendet werden. Machen Sie daher unbedingt immer eine Probenaht, ehe Sie ihr Projekt planen. Wir haben die besten Ergebnisse mit GÜTERMANN Denim No. 50 erzielt.

Der schmale Kapperfuß Nr. 70

Im Gegensatz zum Fuß Nr. 71 wird beim schmalen Kapper nur mit dem Geradstich in der Mitte gearbeitet. Alle anderen Abläufe sind gleich. Es entsteht jedoch eine sehr dezente Kappnaht und das mit einer Nahtzugabe von nur 5 mm. Ideal also auch, wenn es mal knapp wird. 

Die Kappnaht innen. So sind selbst fransende Stoffe ganz leicht sauber zu verarbeiten. Im Gegensatz zur französischen Naht ganz ohne Zurückschneiden.

Die Seitennaht von außen mit der Doppelreihe.

Auch die Schulter wurde mit dem Kapper genäht. 

So ist sie flach, aber trotzdem stabil und es konnte auf weitere Verstärkung verzichtet werden. 

Gerade an schlichter Kleidung machen schmale Kappnähte etwas her, auch wenn man sie kaum sieht. Dieses Top ist nach einem Schnittmuster aus dem Buch "Make fashion work" von Merchant and Mills genäht. 

Der Zusatznutzen

Ein Nähfuß für nur eine Naht? Das wär doch schade. Wie gut, dass man mit dem Fuß Nr. 71 noch etwas anderes nähen kann. Er kann nicht fransende, dickere Materialien umschlagen und festnähen. Wozu?

Hier zum Beispiel haben mit unsere Turbo-Tasche aus Kunstleder genäht. Die Träger und die obere Kante wurden dabei mit dem Fuß Nr. 71 gearbeitet.

Gerade bei empfindlichen Materialien möchte man ja Wenden durch eine Öffnung eher vermeiden. Hier wurde der Taschenkörper links auf links gearbeitet, der Außenstoff fasst dabei das Futter ein. Und auch die Träger mussten nicht gewendet oder gefaltet werden. 

Sehen Sie hier, wie wir den Fuß Nr. 71 dafür genutzt haben.

Taschenoberkante mit dem Kapper nähen

Bei klebrigem Kunstleder senken Sie den Nähfußdruck. Mit dem Kapperfuß lässt sich jedoch selbst so ein Kunstleder leichter verarbeiten als mit einem Standardfuß und das auch ohne Dualtransport, da der Fuß unten eine Vertiefung für die Stoffkante besitzt. 

Schneiden Sie am Futter oben knapp einen Zentimeter ab und stecken Sie es links auf links in das Außenteil.

Schlagen Sie das Außenteil rundum einen Zentimeter weit nach innen und stecken Sie es mit Klammern fest. Dann wird die erste Naht genäht wie oben erklärt, beginnen Sie dabei wieder erst auf der umgeklappten Kante, vernähen den Faden und führen Sie dann die Bruchkante in den Kapperfuß ein. 

Kurz vor dem Rundenende ziehen Sie die Bruchkante wieder heraus, dann können Sie normal vernähen. Auch über die Seitennähte können Sie mit ausgefädelter Bruchkante besser nähen. Das war es schon, Außen- und Innenteil sind nun miteinander verbunden.

Träger aus Kunstleder mit dem Kapperfuß nähen

Für jeden Träger benötigen Sie ein Vorder- und ein Rückteil. Sie können auch unterschiedliche Farben dafür verwenden, das gibt einen tollen Effekt. 

Das Vorderteil muss dabei einfach nur zwei Zentimeter breiter sein als das Rückteil. Die endgültige Breite beträgt etwas mehr als die Breite der Rückseite. In unserem Beispiel ist die Rückseite vier Zentimeter breit, die Vorderseite sechs.

Legen Sie die Rückseite auf die Vorderseite. Wenn Sie möchten, können Sie beide Teile mit Stylefix verbinden.

Nun nähen Sie mit der Vorderseite nach unten den ersten Teil der Kappnaht wie oben beschrieben. Anschließend wiederholen Sie es auf der anderen Seite. 

So entstehen im Nu symmetrische Träger ohne Wenden oder umständliches Falten. 

Wir hoffen, wir konnten Ihnen die Funktion der Kapperfüße von BERNINA näher bringen und wünschen Ihnen viel Spaß beim Nähen!

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