Bernina L890 Testbericht

Die BERNINA L890 im Test bei der Redaktion – Erster Eindruck

Nach der reinen Overlock L850 hat es ja einige Zeit gedauert, bis BERNINA wieder mit einer Kombimaschine auf dem Markt vertreten ist.

Theoretisch wussten wir schon so viel über die BERNINA L890. Vor allem, da sie schon vorher in der Schweiz und in Amerika verfügbar war.

Aber auch, weil BERNINA auch für die L890 einen Simulator anbietet, den man sich auf der Homepage herunterladen kann. So kann man sich schon mal mit dem Menü vertraut machen.

Wie Sie zu einem Simulator kommen, ihn installieren und benutzen, erklären wir Ihnen hier: Der BERNINA Simulator.

Endlich steht sie auch bei uns in der Redaktion!

Wen man vorher schon auf einer L850 genäht und den Simulator benutzt hat, fühlt man sich gleich heimisch. Und ausnahmsweise haben wir hier mal ohne Anleitung gestartet. Diese liegt aber natürlich griffbereit (ja, immer noch als Ringbindung enthalten) und wurde nach den ersten Nähten auch noch studiert.

Erste Nähte

Das Einfädeln der BERNINA L890 gelingt wie erwartet kinderleicht mit der One-Step-Lufteinfädelung. Kleiner Wermutstropfen: Kein integrierter Nadeleinfädler. Von der L460 waren wir es gewohnt, ohne Einfädler zu arbeiten, aber da die L850 einen so gut funktionierenden Nadeleinfädler besitzt, ist das für uns ein Rückschritt.

Die erste Naht mit den Standardeinstellungen und MADEIRA Aerofil (Nähgarn). Perfekt, dann kann es ja gleich mit einem richtigen Projekt losgehen.

Die Projekte

Pullover

Für den Einstieg haben wir uns für eine Betula von Fabelwald entschieden. Die Raglannähte sind mit der Nähmaschine mit METTLER Seraflex geschlossen und dann von links gecovert.

Ärmel- und Seitennähte wurden mit der 4-Faden-Overlocknaht geschlossen, damit sind auch die Bündchen angenäht. Zum Schluss wurde noch der Halsausschnitt mit dem Kettstich abgesteppt.

Die Umbaureihenfolge war in diesem Fall Covern-Overlocken-Covern und gelang immer aufs erste Mal. Noch wurde der geführte Modus benutzt. Bei der Overlocknaht war die Spannung in der Grundeinstellung von links schön, nach dem Aufklappen haben wir uns dafür entschieden, die Spannung noch etwas zu erhöhen.

Hier haben wir mit schwarz an hellem Viskosejersey genäht, um die Unterschiede zu zeigen. Im Standardwert schon sehr gut, es konnte noch gestrafft werden. Trotzdem ist die Naht noch gut dehnbar. Mit weißem Garn wäre nichts mehr zu sehen.

Cardigan

Da Covern auf Nähten mit der Nähmaschine ja eher einfach ist, wurde beim zweiten Projekt auf der Overlocknaht gecovert. Hier wurde es eine Picea, ebenfalls von Fabelwald. Die Raglannähte und der Saum sind von links gecovert, die Blende mit dem Kettstich abgesteppt. 

Unten am rechten Vorderteil befindet sich eine Stickerei mit Stickschaum, erstellt mit unseren Foamy Letters.

Für uns etwas ungewohnt, die linke Nadel steht bei der BERNINA L890 am höchsten, aber das ist kein Problem beim Covern auf der Overlocknaht. Hier haben wir mit MADEIRA Aerolock genäht.

Die Ärmelbündchen haben wir auf links angenäht. Die L890 hat zwar einen Freiarm, aber wir nutzen wohl schon aus Gewohnheit beim Nähen fast nie diese Funktion. Die Erwartung war eigentlich, dass die Breite des Overlockfußes hier zu Problemen führen würde, dem war aber nicht so.

Für einen Erwachsenenpullover ist die Länge des Nähfußes noch okay, bei Ärmeln an Kinderpullovern könnte es eng werden. Dann sollte besser der Freiarm benutzt werden.

Der Saum wurde mit drei Nadel von links gecovert, die Kante vorher mit dem 3-Faden-Overlockstich versäubert.

Für gewöhnlich verwenden wir beim Covern auf links farblich passendes Garn in den Nadeln. Hier hatten wir aber keines und zum Stoffdesign kann man schwarz auch durchgehen lassen. 

Über Nahtkreuzungen covert die BERNINA L890 immer fehlerfrei. Um Stauungen oder Kurven zu vermeiden, ist keine Hebamme nötig. Sobald die Nähfußspitze an der Seitennaht ankommt, kann man sie etwas mit dem Daumen anheben, die Coverlock näht so einfach weiter und kommt problemlos über die Stufe.

Nicht ganz so problemlos war das Absteppen der Blende.

Bei zwei Lagen normalem Stoff kann die L890 mit dem Kettstich genau an der Kante beginnen, aber bei der Stufe der Blende mit vier und zwei Lagen klappte das nicht. Und der schmale Coverfuß hat dann besonders bei den Kreuzungen Probleme, in der Spur zu bleiben.

Für die erste Naht aber ganz gut, mit etwas Übung könnte das besser werden. Jedoch kam der Wunsch nach einem transparentem Nähfuß oder einem Ausgleichsfuß auf (wie wir ihn von der L220 kennen). Beide wird es als optionales Zubehör geben, aktuell ist es aber noch nicht lieferbar.

Damit waren die Einstiegsprojekte abgeschlossen. Was gibt es sonst noch zu berichten?

Tolle Speichermöglichkeit

Wie bei anderen Coverlockmaschinen mit Display auch, kann man die veränderten Stiche abspeichern. Dafür bietet die BERNINA L890 100 Speicherplätze, das reicht wirklich. Besonders praktisch finden wir aber, dass auch die manuellen Einstellungen abgespeichert werden können.

Hat man also das mtc (oder Schnittbreite, Druck) verändert, kann man dies auch sichern.

Beim erneuten Laden des Stiches wird das in der Übersicht mit dargestellt. Notizzettel ade!

Verschiedene Garne

Eigentlich wollten wir auch mit der L890 ein Projekt nach dem anderen abarbeiten, aber wir bekamen immer wieder Anfragen zu bestimmten Garnen und ob sie verwendet werden können. Daher haben wir mal ein paar Garne in verschiedenen Stichen getestet, damit Sie sich schon mal einen ersten Eindruck machen können.

Zweifaden-Flatlocknaht mit GÜTERMANN Bulky Lock Multicolor in Nadel und Greifer, Standarbreite.

Zweifaden-Flatlocknaht mit 9 mm Schnittbreite mit MADEIRA Decora 12 in Nadel und Greifer. Sie sehen hier ein und dieselbe Naht von rechts und von links. 

Und auch mit MADEIRA Decora No. 6 gelingt die Flatlocknaht mit 9 mm Schnittbreite. Allerdings sollte hier die Dreifaden-Flatlocknaht benutzt werden.

Das gilt auch für MADEIRA Glamour No. 8. Mit drei Fäden legt sich das Ziergarn schöner. Wir haben das Glamour No. 8 dann sogar als Nadelfaden verwendet, um den Leiterstich zu erzeugen. 

Hierfür haben wir eine Topstitchnadel benutzt. Wir möchten den Test noch mit der Dekofadenführung wiederholen, vielleicht bekommt man damit noch längere Leiterstriche hin. Aber beeindruckend ist es so auch schon.

Gilt auch für den Coverbereich:

Verschiedene Metallicgarne von MADEIRA als Greiferfaden bei der schmalen Covernaht. Es mussten nur geringfügige Änderungen vorgenommen werden (Greiferspannung runter, Nadelspannung hoch).

Oben: Metallic Smooth
Mitte: Metallic Soft
Unten: Metallic Sparkling

Die Unterschiede erklären wir auch hier: Metallic-Stickgarne von MADEIRA.

Für das MADEIRA Decora 6 beim Covern muss man schon etwas mehr einstellen, aber wenn man mal die passende Einstellung gefunden hat, gleich abspeichern. Hier mit erhöhtem Differenzial und Stichlänge, Greiferspannung gesenkt, Nadelspannung erhöht.

Aber es muss ja nicht immer ein Extremfall sein, es geht auch einfach nur mit Bauschgarn. Bei GÜTERMANN Bulky Lock Multicolor haben wir mit normalen Overlockgarn in den Nadeln das bessere Ergebnis erzielt. Aber die BERNINA L890 näht auch mit Bulky Lock in den Nadeln zuverlässig.

Fazit erster Eindruck:

Eine lange Einarbeitungszeit braucht es bei der BERNINA L890 nicht. Die Bedienung ist intuitiv und man kann sich sofort auf das Nähen konzentrieren. Wer schon immer mit einer Coverlock geliebäugelt hat, kann sich sicher sein: Einfacher geht Umbauen nicht.

Die Wahlmöglichkeit zwischen geführtem und Expertenmodus erleichtert den Einstieg und bietet Rückhalt, wenn man sich nicht sicher ist.

Das Nähgeräusch und die Bedienung über Pedal und Kniehebel machen Overlocken und Covern extrem komfortabel und damit reiht sich die L890 im gewohnten High-End-Level von Bernina ein. Lediglich der fehlende Nadeleinfädler könnte manchen Nähfan etwas enttäuschen.

Wir werden die L890 jedenfalls weiter für Sie austesten und berichten.

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Eine Antwort auf „Die BERNINA L890 im Test bei der Redaktion – Erster Eindruck“

Danke für diesen tollen Bericht,das weckt eindeutig ein Habenwollen.

LG Christel

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