Nadelkunde – Die Wingnadel / Die Hohlsaumnadel – mit Freebie!

Die Nadel mit den Flügeln - die Hohlsaumnadel. Doch was macht man damit? 

Die Flügel dieser Nadel, die ähnlich wie ein Schwert aussieht, verdrängen beim Nähen die Gewebefäden und verursachen dadurch Löcher im Stoff. Sonst ein unerwünschter Effekt, möchte man mit dieser Nadel die Löcher als Zierelement nutzen. 

Leider ist dieser Effekt mit Bildern nur schwer darstellbar. Zumal man die Hohlsaumnadel sehr oft bei der Weißstickerei einsetzt, also mit weißem Garn auf weißen Stoffen näht. Wir haben daher den Stoff mit einem blauen Papier hinterlegt. So sind die Stiche besser zu erkennen. Alle diese Zierstiche stammen aus dem Heirloom-Menü der BERNINA B790 plus. Viele Nähmaschinen besitzen ein Zierstichmenü für Heirloom- oder Weißstickerei. 

Hier sehen Sie, für was wir die oben gezeigten Stiche verwendet haben. Die Glaszylinder können so als Vase oder auch als Windlicht benutzt werden. 

Der geschwungene Zierstich ist mit dem Richtungsnähen erstellt und genäht, denn mit der Wingnadel kann nahezu jeder Stich genäht werden. Sie müssen nur beachten, dass die Nadel nicht seitlich an den Nähfuß stösst. 
Bei manchen Modellen können Sie eine Wingnadel im Auswahlmenü markieren, dann sperrt die Maschine automatisch die äußeren Einstichpunkte. Alternativ können Sie auch den Zwillingsnadelmodus aktivieren. 

Bei den ersten Versuchen sollten Sie immer erst einen Rapport Stich für Stich über die Taste oder sogar das Handrad ausführen. 

Grundsätzlich empfehlen wir (wie bei allen anderen Zierstichen) die Verwendung von Vlies, am besten wasserlösliches.

Bei diesem Überzug wurde die Hohlsaumnadel mit der Spanischen Hohlsaumvorrichtung Nr. 47 von BERNINA kombiniert. 
Selbst für den Rundenschluss konnte die Wingnadel benutzt werden. 

Hier sehen Sie unten die normale Naht mit der Wingnadel. Oben wurde die Runde rechts auf rechts geschlossen, die Nahtzugabe zur Seite gebügelt und mit dem Richtungsnähen in 180 Grad mit dem selben Stich abgesteppt. Er wurde dafür nur etwas breiter eingestellt, damit auch die komplette Nahtzugabe erfasst wird.

Wie Sie mit dem Richtungsnähen seitlich geschlossene Projekte bearbeiten, sehen Sie in DIESEM BEITRAG.

Welche Stiche sind gut geeignet?

Man muss es einfach mal probieren. Nicht zu jedem Projekt/Stoff/Garn passt der gleiche Stich. Grundsätzlich sollte man daran denken: Je öfter in das gleiche Loch gestochen wird, desto schöner wird der Effekt. 

Schon im Nutzstichmenü finden sich geeignete Stiche, die eigentlich fast alle Nähmaschinen besitzen. Hier unter anderem die Nr. 7, 8, 10, 19 und 20. 

Bei Bernina ist das Menü Nr. 7 für Weißstickerei ausgewiesen. Uns gefallen hier besonders die Stiche Nr. 701, 702, 709 bis 713, 722 bis 726.

Und auf der zweite Seite dieses Menüs finden sich noch die Stiche Nr. 742 und 753, mit denen sich ebenfalls schöne Effekte erzielen lassen (übrigens auch mit der Hohlsaumvorrichtung, welche wir Ihnen HIER vorstellen).

Kann ich Stiche anpassen?

Wenn Ihnen ein Stich gut gefällt, nur das Loch wird nicht genug betont, dann nutzen Sie doch mal den Stichdesigner. Verdreifachen Sie einzelne Stichsequenzen oder den ganzen Rapport. Unseren Beitrag zum Thema Stichdesigner finden Sie HIER.

Oder nutzen Sie, wie oben gezeigt, den Kombinationsmodus und die Richtungsstiche. 

Die Wingnadel mit ausgezogenen Fäden

Für von Hand genähte Hohlsäume werden Fäden aus dem Gewebe gezogen und diese dann umstickt. Die Art der Vorbereitung kann man auch für das Nähen mit der Wingnadel nutzen. Durch ihre Form verdrängt sie die restlichen Fäden besser als eine normale Nadel und erzeugt bei den Stichen außerhalb dieses Bereichs zusätzliche Löcher. 

Hier sehen Sie einen Stich auf drei Arten:

Stoff auf dunklem Untergrund. Links mit der Wingnadel mit ausgezogenen Fäden. Mitte Wingnadel ohne ausgezogene Fäden und rechts normale Nadel mit ausgezogenen Fäden.

Hier sehen Sie den gleichen Stoff auf beleuchtetem Untergrund. Die Wingnadelnaht ist hier oben.

Stoff auf dunklem Untergrund, anderer Stich. Links ausgezogenen Fäden mit normaler Nadel, Mitte Wingnadel ohne ausgezogenen Fäden, rechts Wingnadel mit ausgezogenen Fäden.

Auch hier der gleiche Stich auf beleuchtetem Untergrund. Hier ist die Wingnadelnaht unten. 

Welche Stoffe und Garn kann man verwenden?

Grundsätzlich erreichen Sie einen schönen Locheffekt nur bei Webware, nicht bei Wirkware. Das Gewebe sollte nicht zu dicht sein, sonst zerstört die Wingnadel einzelne Fäden. Aber auch nicht zu grob, sonst wird der Locheffekt nicht sichtbar. Wir haben die schönsten Ergebnisse mit mittelschwerem Leinen und feinem Aidagewebe (der Stoff zum Handsticken, z.B. für Hardanger) erzielt.

Zum Nähen wird im Allgemeinen normales Nähgarn verwendet, zum Sticken Stickgarn. 

Welche Nadelstärke für welchen Stoff?

Die Hohlsaumnadel von SCHMETZ gibt es in zwei Stärken, 100 und 120. Verwenden Sie die Stärke 100 für feine Stoffe (wie Organza, Batist) und die Stärke 120 für dichtere Stoffe wie Leinenwebware oder Aida.

Sticken mit der Hohlsaumnadel

Mit der Wingnadel kann man nicht nur nähen, sondern auch sticken. Hier sollten Sie jedoch Folgendes beachten:

Überprüfen Sie, ob die Wingnadel durch das Stichloch Ihrer Stichplatte passt. Gerade bei der Geradstichplatte kann das etwas knapp werden. Alternativ nutzen Sie einfach die Zickzack-Stichplatte zum Sticken. 

Bei BERNINA sollten Sie beim Sticken nicht die Wingnadel im Nadelmenü anwählen, da die Maschine sonst aus Sicherheitsgründen nicht stickt. Die Geradstichplatte ist für die Wingnadel hier definitiv nicht geeignet.

Nicht jedes Stickmotiv ist zum Sticken mit der Wingnadel geeignet. Am besten sind hier Dateien, die extra für diese Nadelart erstellt wurden oder nicht zu dichte Musterstiche. Bei manchen Stickmaschinen können Sie auch Nähstiche vom Nähmodus in den Stickmodus übertragen, hier eignen sich ebenfalls die Stiche aus dem entsprechenden Zierstichmenü. 
Wir haben uns zum Sticken mit der Wingnadel mit der Sticksoftware von BERNINA eigene Musterstiche entworfen. 

Zum Sticken sollten Sie wasserlösliches Vlies unterlegen, am besten zwei Lagen. 

Probleme beim Sticken mit der Wingnadel?

Auf festeren Stoffen oder kleinen Motiven kann die 120er Wingnadel ungeeignet sein. Wechseln Sie dann auf die 100er Nadel. Kommen die Löcher nicht richtig zur Geltung, ist eventuell die Fadenspannung zu gering. Auch gerissene Oberfäden weisen auf zu geringe Spannung hin (das Garn läuft in der Wingnadel etwas anders als in einer normalen Sticknadel). Erhöhen Sie die Oberfadenspannung, bei BERNINA sollten Sie die Stickspulenkapsel verwenden.

Hier geht´s zu unserem Freebie:

nähPark Kugelblume

Es sind Motive in den gängigen Stickmusterformaten und in verschiedenen Größen enthalten.

11 x 18 cm

10 x 10 cm

13 x 18 cm

10 x 10 cm

14 x 24 cm

Die Kugel gibt es noch in anderen Füllstichen. Die Blätter sind so konstruiert, dass sie aus vier Elementen zu einem Bild zusammengesetzt werden können.

Natürlich können Sie die Motive auch ohne Wingnadel sticken. Mit einer möglichst dicken Sticknadel erreichen Sie einen ähnlichen Effekt. 

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Nähen und Sticken mit der Wingnadel! Sollten Sie unsere Motive verwenden und Ihr Werk auf Instagram oder Facebook posten, markieren Sie uns mit @naehratgeber oder verwenden Sie den Hashtag #naehratgeber, damit wir Ihre Werke auch sehen können.

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Weitere Designbeispiele

Fast zu schade, um ein Glas drauf zu stellen ... Unicata hat aus einem Kreis einen schicken Untersetzer gefertigt.