Freestanding Lace Urbant Threads Thermogaze

Sulky Thermogaze – hitzelösliches Stickgewebe

Neben Standardvliesen, die in keinem Stickzimmer fehlen sollten, gibt es auch ganz spezielle Stickvliese mit besonderen Eigenschaften. Eines davon ist Sulky Thermogaze, ein Gewebe, das sich durch die Einwirkung von Hitze auflöst.

Aus was besteht Thermogaze?

Im Gegensatz zu den beiden anderen hitzelöslichen Vliesen in unserem Sortiment ist Thermogaze frei von Kunststoffen (Thermofilm und Superfilm bestehen aus Polyethylen). Es besteht aus reiner Viskose. Der Nachteil der Hitzeempfindlichkeit wird hier zum Vorteil gemacht. Die Viskose wird so verarbeitet, das ein festes Gewebe entsteht, das bei einer Temperatur von 180 Grad einfach zerfällt.

Wie wird Thermogaze angewendet?

Das Vlies kann ein- oder zweilagig in den Stickrahmen eingespannt werden, reagiert aber empfindlich auf straffes Einspannen in eckigen Rahmen.

Dort kann es schnell zu Einrissen kommen. Hier selbst bei der abgerundeten Ecke des kleinen Stickrahmens von Bernina.

Zudem kann es lose oder mit einem Heftrahmen von oben aufgelegt werden. Sprühkleber darf nicht verwendet werden.

Nach dem Sticken wird das Vlies grob zurückgeschnitten und der Rest mit Hitze aufgelöst.

Hier kann ein Bügeleisen verwendet werden oder auch eine Transferpresse. Benötigt werden 180 Grad für mindestens 15 Sekunden. Wir raten dazu, Backpapier unterzulegen, da das Vlies nach dem Auflösen staubt. Auf keinen Fall Dampf verwenden!

Dann streicht man mit der Hand über das Vlies und wischt es weg. Löst es sich nicht, kann man mit mehr Hitze oder Zeit nacharbeiten. Wird zu heiß gebügelt, kann es sich braun verfärben, aber hier verbrennt nur die Viskose, Flecken auf dem Projekt entstehen dadurch nicht.

Trotzdem sollten Sie das Verbrennen vermeiden, vor allem bei hellen Projekten. Die verbrannten Reste können im Stickgarn hängen bleiben und trotzdem Schatten verursachen, die sich dann meist nur noch durch Waschen in der Waschmaschine entfernen lassen.

Die Reste kann man mit einer weichen Bürste entfernen. Allerdings muss man sich dann im Klaren sein, dass das auch schlecht für die Stickerei sein kann. Besonders bei sehr filigranen Motiven kann es passieren, dass man das Motiv zu stark beansprucht:

Und nicht immer kann das Vlies vollständig entfernt werden. Wie man hier auf dem grünen Garn (Madeira Sensa green) gut erkennen kann, sind noch feinste Reste der Thermogaze zu sehen. Die würden bei weißem Garn allerdings gar nicht auffallen.

Der Vorteil der Thermogaze ist eindeutig, dass das Projekt am Ende sehr weich wird.

Für welche Stickereien ist Thermogaze geeignet?

Wir haben das Vlies für verschiedenen Techniken getestet.

Vollstick auf Dekostoff mit Flor

Der (sehr empfindliche) Dekostoff wurde eingespannt und die Thermogaze mit einem Heftrahmen befestigt.

Wir haben das gleiche Motiv auf so einem Stoff schon mal mit wasserlöslichem Vlies gestickt, dort bildete sich mehr Verzug. Thermogaze ist an sich wirklich stabil, was sich beim Sticken bemerkbar macht.

(Motiv: Urban Threads)

Die Reste um die Tassen konnten wir gut mit einer Nagelbürste entfernen. Leider haben wir dann etwas gedankenlos mit Dampf gebügelt (die Thermogaze war ja schon entfernt), das hat der Stoff nicht wirklich vertragen.

Vollstick auf Balsaholz

Wie man auf Balsaholz sticken kann, haben wir Ihnen HIER ja bereits gezeigt. Mit Thermogaze geht das auch, auch wenn das Entfernen etwas mühsam ist. Aber eigentlich auch nicht mehr Arbeit als mit Thermofilm und mit Wasser möchten wir bei dem empfindlichen Material ja wirklich nicht arbeiten.

Begonnen haben wir mit einer Lage, haben dann aber nach einem Teil des Motivs eine zweite Lage oben drauf gepackt. Zum Entfernen haben wir die Plottix Mini genutzt, am Anfang aber gleich mal zu lange aufgesetzt. Aber die dunkle Verfärbung ist mit dem Vlies verschwunden.

Beim Balsaholz war die Verwendung der Nagelbürste wirklich kein Problem und wir finden, mit Metallicgarn auf Holz zeugt das doch wirklich von einer guten Unterstützung vom passenden Vlies.

(Stickmuster: Urban Threads)

 

Freistehende Federn

Diese Federn hatten wir schon mit wasserlöslichen Vliesen gestickt und wissen, dass es ein wirklich schwieriges Projekt ist. Die Verbindungen zwischen den einzelnen Linien sind sehr schwach und beim Auswaschen kann es schnell zu Verformungen kommen.

Das Sticken hat gut geklappt, aber wie man sehen kann, ist das Motiv am Ende viel zu weich. Um die Thermogaze zu entfernen, muss man die Feder knüllen, bürsten geht ja nicht.

Nur die Stabilisierung am Rand hat dafür gesorgt, dass die Feder nicht komplett zerfällt. Diese sollte aber eigentlich noch abgeschnitten werden. Ein weiteres Problem ist der Staub, der dem Stickgarn den Glanz genommen hat. Also müssten wir die Federn jetzt trotzdem waschen. Für so etwas ist Thermogaze nicht geeignet, aber fairerweise muss man sagen: Die beiden Alternativen Superfilm und Thermofilm auch nicht.

(Stickdatei: OESD)

Frottee

Bleiben wir bei ungeeigneten Projekten. Das Sticken ging mit Thermogaze perfekt, sie verhindert das Versinken wirklich enorm gut. Allerdings fallen die Brösel in die Frotteeschlingen. Und dort sitzen sie dann auch erst mal fest. Wir haben das Handtuch dann bei 60 Grad gewaschen und im entsprechenden Programm getrocknet, dabei verschwinden viele Teile der Thermogaze, aber hier ist eindeutig wasserlösliches Vlies die bessere Wahl. Wie auch bei den Federn: Superfilm und Thermofilm sind keine Alternative, sie verkleben die Schlingen.

(Stickmuster: Urban Threads)

Stickereien auf Jersey

Durch die sehr feste Struktur ist Thermogaze perfekt für Stickereien auf dehnbaren Stoffen wie Jersey oder Sweat.

Wir verwenden dann gerne die Transferpresse, so kommen wir nicht in Versuchung, auf die Dampftaste am Bügeleisen zu drücken. Denn feuchte Thermogaze lässt sich nicht gut entfernen.

Allerdings bleibt einfach das Thema Staub. Wer nach einem Vlies sucht, mit dem er vor dem Verkauf das Auswaschen spart, ist auch bei Thermogaze falsch.

Und empfindlich darf der Stoff wirklich nicht sein.

Dieses Motiv ist eigentlich für Stickfolie gedacht, daher ist es keine geschlossene Fläche. Zwischen den Reihen sieht man allerdings nicht nur Stoff durchschimmern, sondern auch die Reste der Thermogaze.

Das wurde nach dem Waschen besser und fällt wegen der Farbe ja auch kaum auf, aber daher raten wir dazu, auch die Eigenschaften des Stickmusters mit einzuplanen.

Hier haben wir nach einem Teil des Motivs bemerkt, dass sich der Stoff wellt und dann einfach ein Stück Sulky Thermogaze aufgelegt.

Das hat uns das Projekt gerettet und wir dachten, die Lücken sind ja groß genug zum Bürsten.

Nicht ganz, wir haben schon ziemlich lange gebügelt und gebürstet.

Wenn man genau hinschaut, kann man noch kleinste Teile erkennen, aber besser als ein gewellter Jersey.

(Stickmuster: Urban Threads)

Quiltstickmuster

Hier haben wir unsere Quilty Fillers gestickt, um darauf ein Brillenetui zu nähen. Da nochmal Futter angenäht wird, sollte kein Vlies auf der Rückseite verbleiben. Auswaschen kommt beim Verlourlederimitat aber nicht in Frage.

Plastischer werden solche Muster aber mit Vlies, je stabiler desto besser. Da ist Thermogaze perfekt, weil sie sehr stabil ist. Das Style-Vil hat auch keine Probleme mit der Hitze. 

Man bekommt die Thermogaze aber nicht komplett entfernt. Die Lücken reichen allerdings, dass sich das Teil schön weich anfühlt und die Reste stabilisieren die Nähte.

(Stickdatei: nähPark)

Unser Fazit:

Sulky Thermogaze ist ein Spezialist. Der Einsatzbereich ist eher klein: weiße Freestanding Lace Motive, die am Ende weich sein sollen oder Vollstickmuster auf robusten, dehnbaren Stoffen. Zusätzlich ein wirklich gutes Vlies für Sticken auf Balsaholz.

Im Gegensatz zu Superfilm und Thermofilm wird die Stickerei hinterher wunderbar weich und sie hat ein natürliches Ausgangsmaterial. Wer auf Kunststoffe verzichten will, wird sicher Verwendung dafür finden. Ob die Ökobilanz insgesamt besser ist, haben wir nicht in Erfahrung gebracht, denn auch Viskose verbraucht viele Ressourcen bei der Herstellung.

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Wo geschnitten wir, fallen Fusseln. Also gehört bei der Overlock das gründliche Reinigen noch öfter auf den Plan als bei der Nähmaschine. Im neuesten Beitrag zeigen wir euch, die ihr die Juki MO-3500 Sumato gründlich reinig und wo im Anschluss das Öl hinkommt.
www.naehratgeber.de/juki-mo-3500-reinigen-und-oelen-82620/
#overlock #Juki #nähratgeber #nähpark
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Wo geschnitten wir, fallen Fusseln. Also gehört bei der Overlock das gründliche Reinigen noch öfter auf den Plan als bei der Nähmaschine. Im neuesten Beitrag zeigen wir euch, die ihr die Juki MO-3500 Sumato gründlich reinig und wo im Anschluss das Öl hinkommt.
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So eine Simulation ist fast so entspannend, wie der Stickmaschine beim Sticken zuzusehen 😊
Wir können es jedenfalls kaum erwarten, die Muster zu sticken. Hier seht ihr einen Entwurf unserer nächsten Quilty Fillers, die ihr euch ja gewünscht habt. Rahmenfüllende Quiltmuster, perfekt für kleine Quiltprojekte wie zum Beispiel Täschchen. Damit jeder die volle Fläche nutzen kann, wird es sie für fast alle Stickrahmengrößen unserer Hersteller geben (ab 15x15).
Bis Samstag habt ihr noch Zeit, euch als Probesticker zu bewerben! Vielleicht könnt ihr dann auch noch euer Wunschdesign hinzufügen?
Dafür müsst ihr nur zeigen, was ihr mit den Quilty Fillers 1 gemacht habt und @naehpark und @naehratgeber markieren, damit wir das auch sehen.
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