Stickmuster Nähmaschine verändern

Darf man Stickmuster verändern?

„Stickmuster darf man aber nicht verändern!“

„Ich passe alle Muster an und reduziere die Stichdichte meistens.“

„Meine Plottmotive kann ich doch auch vergrößern, warum nicht das Stickmuster?“

„Weil es verboten ist!“

Kennen Sie diese Diskussionen? Jeder hat so seine Meinung dazu und wie so oft gibt es da kein Richtig oder Falsch, sondern viele Einzelfallentscheidungen. Wir möchten Ihnen hier aufzeigen, auf was man beim Verändern von Stickmustern achten muss.

Hinweis:

Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung und gilt nicht für Gewerbetreibende, sondern ausschließlich für den Privatgebrauch.

Zudem geht es hier um die Veränderung von Linien und Flächen und nicht um das Umgestalten eines geschützten Designs. Lizensierte Stickmuster, wie z.B. von Disney, unterliegen strengen Vorschriften und dort sollte man sich immer an die gesetzlichen Vorgaben halten, die auch meist im jeweiligen Shop zu finden sind.

Sachlich bleiben

Zuerst mal wünschen wir uns eine sachliche Diskussion über dieses Thema. Leider beobachten wir immer wieder, dass besonders Anfänger oft von harschen Aussagen verschreckt werden und teilweise sogar den Spaß am Sticken verlieren. Denn manche Projekte lassen sich ohne Anpassungen einfach nicht realisieren. Und nicht jeder kann oder will sich mit dem Erstellen von Stickmustern beschäftigen.

Wenn Sie also eine Meinung dazu vertreten möchten, begründen Sie diese. Werfen Sie nicht nur in den Raum, es sei verboten. Ist es nämlich nicht immer.

Warum soll man Stickmuster nicht verändern?

Besonders seit das Thema Plotten sich verbreitet, fragen sich noch mehr Nutzer, warum man ein Stickmuster nicht verändern soll. Ein Plottmotiv kann man ja auch quasi beliebig skalieren (vergrößern oder verkleinern). Aber auch das hat Grenzen, wenn man so darüber nachdenkt. Vor allem beim Verkleinern kann sich jeder vorstellen, was passiert, wenn man versucht, 3 mm starken Filz in 5 mm kleine Buchstaben zu schneiden.

Und beim Sticken passiert das einfach nur viel schneller.

In Sachen Linienmuster, also Stickmuster mit Strichen und Konturen, geht auch beim Stickmuster noch ziemlich viel. Bei Füllflächen können schon Änderungen im Bereich von 10 Prozent zu Problemen führen.

Können oder dürfen?

Wie sie im weiteren Text feststellen werden, gehören diese beiden Punkte zusammen: „Darf man das Stickmuster verändern?“ und „Kann man das Stickmuster mit einem guten Endergebnis verändern?“.

Beide Punkte spielen immer zusammen und Sie müssen beide beachten. Verändern ist nicht immer sinnvoll und wird auch nicht immer funktionieren. Aber man wird mit jedem Versuch dazulernen.

Verändern in der Stickmaschine oder in einer Sticksoftware?

Viele Stickmaschinen können Motive spiegeln und drehen, hierbei entstehen nur in Ausnahmefällen Probleme (z.B. bei Cutwork). Auch die Anpassung der Größe ist oft möglich, meist bis zu 20 Prozent. Dann gibt es aber auch Stickmaschinen, die die Stichdichte anpassen, sobald man die Größe verändert oder auch wenige, die eine Änderung der Stichdichte bei gleichbleibender Größe ermöglichen.

Mehr geht in der Regel mit Stickprogrammen, je nach Version. Kostenlose Basisprogramme bieten nur eine Größenändernung, bei Vollversionen kann man direkt in das Muster eingreifen.

Die Auswirkungen auf das, was passieren kann, sind vielfältig. Jede Änderung basiert auf einer Rechenleistung von Maschine oder Software und birgt Fehlerpotential.

Vergrößern oder Verkleinern

In den meisten Fällen taucht die Frage nach dem Anpassen von Stickmustern bei der Größe auf, daher starten wir auch damit.

Beispiel:

Hier sehen Sie die Peace-Stickdatei von Cherry Picking. Diese haben wir auf ein Viertel verkleinert. In der 1:1 Vorschau der Software sieht das noch ganz niedlich aus, aber wenn man hineinzoomt und weiß, dass links bei der Hand in der Originalgröße  die Stichlänge zwischen 1.5 und 3 mm beträgt, kann man erahnen, wie klein die Stiche bei der rechten Version werden. Da ist Fadensalat vorprogrammiert. Oder perforierter Stoff.

Weniger problematisch erscheint die vierfache Vergrößerung, zumindest was den Laufstich angeht. Allerdings ist schon zu erahnen, dass die Fingernägel wohl keine geschlossene Fläche ergeben werden.

Maschinendatei oder Softwaredatei verändern

Was das Verändern, vor allem in der Größe angeht, ist es auch immer die Frage, ob man nur im Besitz der Maschinendatei oder auch der Softwaredatei ist. Den Unterschied haben wir bereits erklärt:

Die Kurzfassung: Die Softwaredatei ist das Format, das Sie beim Erstellen erzeugen und die Maschinendatei ist das Format, das an die Stickmaschine übertragen wird. Es enthält weniger Informationen.

Beispiel:

Wenn man unser Freebie Tulpe um 50 Prozent verkleinert, entstehen unten am Kelch und an den Spitzen Fehler, da die Information für die Kurve und die Dichte des losen Füllstichen fehlen.

Die Softwaredatei lässt sich dagegen fehlerfrei verkleinern.

Ein Motiv, das sie selbst erstellt haben, können Sie also leicht verändern.

Jede Software hat allerdings ihr eigenes Format (z.B. Bernina – ART90, Hatch EMB). In seltenen Fällen erhalten Sie mit dem Kauf auch die Softwaredatei. Wenn Sie dann über die gleiche Software verfügen, haben Sie mehr Möglichkeiten bei Änderungen.

Dichte verändern

Eine Anpassung der Stickdichte ergibt sich oft mit der Größenanpassung, kann aber auch bei bestimmten Materialien, die bestickt werden sollen, nötig sein. Jede Stickdatei ist für ein bestimmtes Material erstellt worden.

Besonders beim Besticken von Jersey oder Kunstleder erzeugt eine dichte Oberfläche schnell Wellen. Das lässt sich relativ einfach verbessern durch eine Reduzierung der Stichdichte. Hier links im Bild auf 82 Prozent. Direkt in der Stickmaschine, da die das kann.

Es geht aber auch in einer Software, hier an unserem Freebie Nähmaschine:

Allerdings ist es lustig anzusehen, dass die Veränderung einer Fläche mit einer Bernina Stickmaschine mit dieser Funktion besser funktioniert, als mit der Bernina Sticksoftware. Denn uns würde die ungleichmäßige Verteilung nicht gefallen. Der Vorteil der Software ist allerdings die bessere Vorschau. Auch kann man dort, wie beim Titelbild zu sehen, die Art des Füllstiches ändern, so etwas geht in der Stickmaschine nicht. Beherrscht man die Designer Plus-Version, lässt sich auch das Problem mit der ungleichmäßigen Dichte mit etwas Arbeit noch beheben.

Wenn man so das Stickmuster verbessern kann, warum sollte man das dann nicht dürfen?

Das Verändern von Stickmustern braucht Erfahrung. Im Sticken und im Digitalisieren. Denn man kann sein Motiv mit Korrekturen auch verschlechtern.

Ein Horrorszenario für jeden Stickmusterdesigner:

Der Kunde verändert das Muster, das Ergebnis wird schlecht und dann am besten noch im Netz gepostet. Oft nicht mal mit schlechter Absicht, sondern mit der Suche um Hilfe, was man verbessern könnte. Aber es wirft ein schlechtes Licht auf den Designer, obwohl der in diesem Fall gar nichts dafür kann.

Deshalb findet man in den Beschreibungen der Stickmuster vor allem in Deutschland oft den Hinweis: Ein Verändern der Datei ist verboten/nicht erlaubt/nicht gestattet.

Aber was ist Verändern?

Denn wenn man es genau nimmt, müsste man bei dem Hinweis sogar die Garnsorten einhalten, die in der Stickmustervorschau angegeben sind. Jetzt steht da Amann Isacord, aber Sie haben das Garn nicht? Dann verwenden Sie doch auch eine Alternative. Aber was ist denn, wenn ihr alternatives Stickgarn dicker oder dünner ist als das, was der Designer verwendet? Das kann auch zu Problemen führen.

Schauen wir uns mal ein paar Vorgaben zum Verändern an:

Beispiele deutscher Designer:

Beispiel 1:

„Sie dürfen diese Stickdateien NICHT verändern, Teile hinzufügen oder entfernen und dann als Ihre eigene Datei ausgeben.“

Wichtig: Den Satz immer bis zum Ende lesen. Denn das heißt nicht, dass man die Stickmuster nicht verändern darf. Sondern, dass man sie nach einer Veränderung nicht als eigene Datei ausgeben darf.

Beispiel 2:

„Weder im privaten noch im gewerblichen Bereich überträgt (der Designer) das Recht, die Stickmusterdateien zu vervielfältigen, Dateikopien für Dritte zu erstellen, die Dateien zu verschenken, zu veräußern, zu tauschen und/oder die Dateien in jedweder Form zu verändern.“

Auch hier liegt die Hauptinformation am Ende: Verändern nicht erlaubt.

Beispiele amerikanischer Designer:

„You are allowed to edit the Design in any manner that you choose, but (Name) will own the copyright in the edited design file.“

Übersetzung:

„Sie dürfen das Design auf jede von Ihnen gewünschte Weise bearbeiten, (Name) besitzt jedoch das Urheberrecht an der bearbeiteten Designdatei.“

Sehr clever. Man darf die Datei verändern, wie man mag. Aber der Verkäufer bleibt Rechteinhaber der Datei. Es folgt dann noch der Zusatz:

„Any use you make of our Designs is at your own risk, and we do not assume any liability to any party for any loss, damage, or disruption caused by the use of our Designs.“

Übersetzung:

„Jede Nutzung unserer Designs erfolgt auf Ihr eigenes Risiko und wir übernehmen keinerlei Haftung gegenüber Dritten für Verluste, Schäden oder Störungen, die durch die Verwendung unserer Designs verursacht werden.“

Und mit diesem Abschluss der Informationsseite sichert sich der Verkäufer gegen die verursachten Schäden ab. Egal, ob und wie die Datei verändert wurde.

OESD

Hier gibt es verschiedene Einschränkungen, die man hier nachlesen kann:

https://embroideryonline.com/current-promotion-details/

Insgesamt unterscheidet dieser Anbieter zwischen unlizensiert, lizensiert und Tula Pink-Designs, man sollte daher wirklich nachlesen, was erlaubt ist und was nicht.

Eine Besonderheit von OESD:

Bei unlizensierten Motiven erhalten Sie die Softwaredatei EMB. Was bringt das? Wenn man Hatch hat, viel. Das sieht man rechts oben in den Objekteigenschaften.

Das ist ein Teil eines FSA-Motivs, geladen in PES, also einer Maschinendatei. Wir hätten die Satinstiche gerne weniger dicht für einen empfindlichen Stoff, aber wir können hier nichts verändern.

Tipp: Den Unterschied zwischen Maschinen- und Softwaredatei erklären wir HIER.

Lädt man das Motiv dagegen im Format EMB, kann jede Farblage getrennt bearbeitet werden und zwar mit allen Funktionen der Software. Als hätte man das Muster selbst erstellt.

Unser Tipp:

Ehe Sie ein Stickmuster kaufen, werfen Sie einen Blick auf die Homepage und suchen Sie nach Infos, was erlaubt ist. Manchmal steht es in den AGBs, manchmal gibt es auch eine extra Seite dafür. Oder er steht direkt beim Stickmuster. Das kann auch bei Shops der Fall sein, die Verändern eigentlich tolerieren. Geht es allerdings um ein ITH-Stickmuster, kann eine Größenanpassung schnell Probleme bereiten und kann daher im Einzelfall ausgeschlossen sein.

Soweit möglich, sollte immer die passende Größe gekauft werden und wirklich nur im Notfall und so wenig wie möglich verändert werden.

Verändern kategorisch ausgeschlossen?

Dann fragen Sie doch mal höflich. Oft erlauben es Designer nach Rücksprache. Somit haben diese ja auch die Möglichkeit, Sie nochmal auf eventuelle Probleme hinzuweisen. Kommt auch dann nur „Das ist verboten!“, kaufen Sie lieber woanders. Vielleicht erhalten Sie aber auch eine fundierte Begründung, zum Beispiel weil Cutwork-Elemente enthalten sind, hier ist aus technischen Gründen keine Änderung möglich. Tut man es über Umwege doch, kann es die ganze Stickerei ruinieren. Aber bei so einer Aussagen haben Sie direkt wieder etwas dazugelernt!

So steht zum Beispiel bei vielen unserer Stickmuster im Shop:

Geringfügiges Verändern zum Zwecke eines besseren Endergebnisses ist erlaubt (z.B. Vergößern oder Verkleinern bis zu 10 Prozent, Teilen oder Reduzierung der Dichte), allerdings weisen wir ausdrücklich darauf hin, dass das auch zu Problemen führen kann. Bei Fragen kontaktieren Sie uns gerne. Der nähPark bleibt weiterhin im Besitz der Rechte auch der veränderten Datei.

Für eventuelle Fehler kann keine Haftung übernommen werden.

Was muss man dann beim Verändern beachten?

1. Checken Sie, ob es erlaubt ist. Wenn nicht, fragen Sie nach (am besten noch mit einer Begründung, warum Sie eine Änderung vornehmen möchten).

2. Machen Sie eine Probestickerei.

3. Verändern Sie so wenig wie möglich.

Unser Tipp:

Am flexibelsten ist man immer noch mit dem selbst Erstellen. Wäre das nicht die Gelegenheit, um mal in das Thema Software einzusteigen?

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20 hours ago

Unsere Infos bekommt ihr nicht nur auf www.naehratgeber.de, sondern auch auf dem Youtubekanal des nähParks. Jeden Freitag um 20 Uhr gibt es ein neues Video zu den Themen Nähen, Sticken, Overlocken, Covern oder Plotten.
Heute Abend geht das Video zur Stickschrift Headliner online, große Buchstaben mit Stickschaum, die so richtig auffallen. Da Sticken mit Stickschaum nicht so ganz ohne ist, haben wir im Video direkt noch einen Tipp für die Janome MC 550E. Und wer die Technik mit Stickschaum und Applizieren erst mal ausprobieren will, kann sich immer noch das Herz als Freebie bei uns holen.
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Damit ihr nichts mehr verpasst, solltet ihr auf jeden Fall unseren Youtubekanal abonnieren: www.youtube.com/user/naehpark
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Fringe und Sublimation? Was kommt dabei raus? Das erklären wir euch in diesem Video.
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Wie kommt das Stickmuster eigentlich in die Stickmaschine?
Da gibt es aktuelle ja verschiedenen Möglichkeiten, die gängigste ist der USB-Stick. Auch wenn das für erfahrene Sticker einfach klingt, wenn man sich noch nie damit beschäftigt hat, gibt es da viele Fragen und auch einige Stolpersteine. Was ist FAT32? Warum zeigt meine Stickmaschine keine Muster an? Mein Computer kann diese Stickmuster ja gar nicht öffnen!
Wir zeigen jetzt auf dem nähRatgeber Schritt für Schritt, wie das Stickmuster vom PC auf die Stickmaschine kommt. Ihr findet diesen Beitrag, wie viele andere interessante Themen rund um das Sticken und die Technik dazu, auf www.naehratgeber.de in der Kategorie "Ratgeber - Sticken". Ihr habt noch Fragen? Immer her damit!
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