Nähmaschine frisst Stoff! – Nein, tut sie nicht.

Ja, bei manchen Lesern stellen sich jetzt die Nackenhaare auf. Natürlich fressen Nähmaschinen keinen Stoff. Trotzdem ist dies eine weit verbreitete Umschreibung für den Umstand, dass der zu vernähende Stoff in das Stichloch geschoben wird. Folglich wird er nicht mehr weitertransportiert, die Nähmaschine frisst sich fest.

Um dieses Phänomen zu vermeiden, muss man verstehen, was die Ursache dafür ist. Dazu sehen wir uns zuerst mal verschiedene Stichplatten an.

Die Stichplatte

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Je nach Hersteller ist das Loch in der Stichplatte, durch das die Nadel sticht, unterschiedlich geformt und verschieden groß.
Die Breite des Stichlochs wird definiert durch die mögliche Stichbreite. Diese variiert zwischen fünf und neun Millimetern. Logisch erscheint dann der Umstand, je höher die Stichbreite, desto größer das Stichloch und folglich die Wahrscheinlichkeit, einen Stoff dort hinein zu schieben.

Deshalb kann es durchaus vorkommen, dass Sie jahrelang ohne dieses Problem genäht haben, wenn Ihre Nähmaschine nur 5 mm Stichbreite hatte und beim Wechsel auf eine 9 mm-Nähmaschine plötzlich der Stoff feststeckt.

Hier sehen Sie drei Varianten von BERNINA-Stichplatten. Die Geradstichplatte, die 5,5, mm Stichplatte für den 9 mm Transport und die normale 9 mm Stichplatte. Oben im Bild die HUSQVARNA VIKING Opal 690Q mit 7 mm Stichbreite.

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Was kann man dagegen tun?

Verkleinern Sie die Einstichstelle

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Sie können die Stichplatte wechseln. Für viele Modelle mit hoher Stichbreite gibt es zumindest eine Geradstichplatte. Bei Bernina gibt es zu den 9mm-Modellen auch eine 5,5 mm Stichplatte, bei Juki können Sie von Zickzack auf Geradstich umschalten. Je kleiner das Loch, desto schwieriger wird es für den Stoff, im Loch stecken zu bleiben.

Hier sehen Sie, wie viel Stichplatte bei den unterschiedlichen Stichbreiten noch bleibt, um den Stoff zu stützen.

Verlagern Sie die Einstichstelle

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Der Stoff rutscht leichter in das Loch, wenn rechts und links der Nadel Freiraum ist. Dies können Sie vermeiden, wenn Sie den Geradstich nach ganz rechts oder links verlagern. Hier ist ganz links zu bevorzugen, da die Stichbildung an dieser Position ohnehin besser gelingt. Auch schmale Zickzack- oder Zierstiche können Sie (wenn Ihr Modell die Möglichkeit bietet), nach links verlegen.

Die Stichplatte passt, der Stoff wird trotzdem nach unten geschoben?

Die Nadel

Je schwieriger sich die Nadel beim Durchstechen des Stoffes tut, desto schneller schiebt sie ihn nach unten. Überlegen Sie daher, ob die Nadel vielleicht stumpf sein könnte, oder Sie eine Nadel mit verrundeter Spitze gewählt haben (Jerseynadel, Stretchnadel) . Lässt Ihr Stoff es zu, wählen Sie eine schlankere Spitze. Auch die Nadelstärke sollte überprüft werden. Wenn Sie mit Sprühkleber oder Klebevliesen arbeiten, könnte Ihre Nadel auch einfach verklebt sein.

Der Stoff

Gerade dehnbare Stoffe rutschen schnell ins Stichloch. Soll direkt von der Kante genäht werden, können Sie diese Stellen vorab mit Fabric Booster verstärken. Wenn es schnell gehen soll, legen Sie ein Stück Stickvlies unter, das hinterher abgerissen wird. Oder verwenden Sie auswaschbares Vlies, das verschwindet bei der ersten Wäsche von selbst.

Die Führung

Schlussendlich kommt es auf darauf an, wie man näht. Mit ein paar kleinen Tricks lässt sich das „Festfressen“ vermeiden.

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Beginnen Sie nicht zu nah am Rand.

Geben Sie Ihrer Nähmaschine die Möglichkeit, den Stoff mit den hinteren Transporteuren zu greifen. Auf keinen Fall sollten Sie das Stichloch noch sehen können, wenn Sie losnähen.

 

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Beobachten Sie Ihre Naht. Normal sollte man beim Nähen auf den Bereich vor dem Nähfuß schauen. Aber am Nahtanfang blicken Sie auf die Einstichstelle.

Es lässt sich oft schnell erkennen, wenn die Nadel den Stoff nach unten drückt. Wussten Sie, dass es für viele Nähmaschinen Lupen gibt, die direkt vor dem Nähfuß montiert werden können?
Halten Sie an, sobald der Stoff nach unten geschoben wird. Sie müssen jedoch nicht gleich den Stoff hervorzerren.

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Halten Sie den Stoff mit beiden Händen gespannt und nähen Sie Stich für Stich weiter. Oft packt die Nähmaschine es dann doch noch.

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In vielen Fällen reicht es schon, wenn Sie den Stoff mit einem Finger vor dem Nähfuß festklemmen. Der Transporteur zieht dann am Stoff, so wird er gespannt und kann leichter durchstochen werden. Schieben Sie nicht! Damit gelangt der Stoff nur noch weiter in das Loch.

Verwenden Sie bei dünnen und dehnbaren Stoffen nicht die punktuelle Vernähfunktion. Mehrere Stiche auf einer Stelle sind hier kontraproduktiv. Vernähen Sie mit Vor- und Zurückstichen.
Reicht das nicht, beginnen Sie ihre Naht 2 cm weiter innen und nähen erst nach außen. Dort wenden Sie und nähen dann die richtige Naht. Die Anfangsnaht stabilisiert Ihren Stoff.

Mit diesen wenigen Tricks und ein bisschen Übung wird es Ihnen nicht mehr passieren, dass der Stoff in das Stichloch geschoben wird. Um es der Umschreibung “Meine Nähmaschine frisst den Stoff!” anzupassen, ist sie somit quasi nun auf Diät.

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