Anti-Haft-Füße

BERNINA: Nähfüße für klebrige Materialien

Besonders Taschennäher verarbeiten viel Leder oder Kunstleder, aber auch in anderen Bereichen haben spezielle Materialien Einzug beim Nähen gehalten, die einen normalen Nähfuß oft vor eine schwere Aufgabe stellen. Jeder Hersteller hat daher Spezialnähfüße im Sortiment, die das Nähen auf klebrigen Materialien erleichtern sollen. In diesem Beitrag betrachten wir ein paar Nähfüße von BERNINA und wo ihre Stärken und Schwächen liegen.

Was passiert ohne Antihaft-Wirkung?

Die Stiche werden kleiner, da das Material durch den Kontakt Nähfuß-Stoff gebremst wird. Besonders gut ist das am Dreifachgeradstich zu erkennen:

Sie sehen rechts den Dreifachgeradstich in 4 mm Stichlänge, genäht mit dem Fuß 52D. Links genäht mit dem Fuß 1D. Die Stiche werden zwar nur geringfügig kürzer (was beim normalem Geradstich noch nicht mal so auffallen würde), aber sie sind auch sehr unsauber. Denn beim ständigen Wechsel zwischen Vorwärts- und Rückwärtstransport zeigt sich die Haftung noch mehr und die Nadel sticht nicht im vorherigen Loch ein, sondern knapp daneben durch das vorher vernähte Garn.

Die Gleitsohlenfüße

Teflonfuß, Antihaftfuß, Gleitsohle, es gibt verschiedene Bezeichnungen für Nähfuße aus einem Material, das nicht haftet. Hier gibt es bei BERNINA die „Grünen“ und einen weißen Nähfuß.

Wir werden nicht auf jeden Nähfuß im Speziellen sofort eingehen können, aber wenn es Beiträge dazu gibt, werden wir Sie am Ende dieses Beitrags für Sie verlinken.

Hier muss man unterscheiden zwischen den Nähfüßen, die mit 5,5 mm Stichbreite genutzt werden können und mit 9 mm.

5,5 mm Stichbreite: Nr. 52, Nr. 53, Nr. 54, Nr. 56

9 mm Stichbreite: Nr. 52 C und D

Und, nicht ganz unwichtig, die Sache mit weiß und grün.

Der Nähfuß Nr. 52 aus weißem Material ist unbeschichtet, die grünen sind beschichtet.

Ganz schnell zu erkennen, wenn man die Füße ein paar Mal in Gebrauch hatte. Die grüne Beschichtung ist leider sehr dünn und weich, wodurch sie durch den Transporteur sehr schnell abgekratzt wird. Grundsätzlich sollte man daher so nähen, dass der Transporteur eben nicht an die Sohle kommt. Das ist aber nicht immer so einfach, wie wir weiter unten noch zeigen.

Der Nähfuß Nr. 52 hat bei uns zwar auch schon einige Schrammen, aber wie man von der Seite erkennen kann, ist die Anti-Haft-Fläche viel dicker.

Der Nähfuß Nr. 52 D

Dieser Nähfuß ist für 9 mm Stichbreite ausgelegt und hat einen Schlitz für den Dualtransport. Wir haben ihn an verschiedenen Projekten getestet und wie auch bei den anderen D-Füßen sind sie halt einfach sehr breit. Bei Kunstleder oder Leder näht man jedoch vermehrt Ecken, Rundungen und knapp an der Kante. Um dieses Herz aus Leder zu verschließen, müsste der Fuß komplett aufgesetzt werden. Und trotzdem würde der Transporteur rechts wieder am Nähfuß kratzen.

Hier das gleiche Problem, die Klappe sollte knapp abgesteppt werden. Setzt man den Nähfuß komplett auf und stellt die Nadel ganz nach rechts, ist der Stich (für uns) zu weit weg von der Kante.

Hier dazu ein Tipp: Legen Sie ein zusätzliches Stück vom gleichen Material rechts unter den Nähfuß (und auch hinten unter den Nähfuß beim Start), so schonen Sie die Beschichtung.

Und noch ein Hinweis:

Ärgern Sie sich nicht, wenn doch mal die Beschichtung abgeht. Das fast durchsichtige Material unter der Beschichtung hat ebenfalls eine Antihaft-Wirkung, Sie können den Fuß also weiterhin benutzen. Er sieht halt nicht mehr so schön aus.

Der Nähfuß Nr. 53

Richtig schön schlank ist dagegen die Nr. 53. Hier kann man allerdings auch erkennen, dass die Kombination von 9 mm Stichbreite und 5,5 mm Nähfuß nicht optimal ist. Eigentlich hat nur der kleine Transporteurteil hinten in der Mitte und die Hälfte der linken Seite Kontakt zum Nähfuß.

Trotzdem ist der Geradstichfuß gut geeignet zum knappkantigen Absteppen.

Planen Sie beim Nähen aber so, dass der linke Transporteur genutzt wird. Auf dem ersten Bild wollten wir die Naht in beide Richtungen absteppen, was zur folge hatte, dass auf dem Rückweg nicht mehr richtig transportiert wurde.

Aus diesem Grund ist der Fuß Nr. 53 auch unterschiedlich breit nach rechts und links. Solange Material unter dem Fuß ist, das mindestens die eine oder anderen Seite erreicht, klappt es auch bei 9 mm Stichbreite.

Der Nähfuß Nr. 52

Wie schon oben erwähnt, muss man mit dem Fuß Nr. 52 weniger vorsichtig sein. Denn auch eine Klammer kann Kratzer hinterlassen.

Durch die mittlere Markierung und den Schlitz finden wir den Fuß Nr. 52 besser geeignet für knappkantiges Absteppen, wenn man die Nr. 53 nicht besitzt. Das Kontaktproblem 9 mm Stichbreite / 5,5 mm Nähfuß entsteht jedoch auch hier. (Diese Kombinationen sind sicher ein Grund dafür, dass es in der 7er Serie von BERNINA seit 2021 ein Modell mit 5,5 mm Stichbreite gibt.)

Sollten Sie also mit den Nähfüßen Nr. 52C und 52D immer mal an Stellen kommen, an denen Ihnen der Nähfuß einfach zu breit erscheint, erwägen Sie doch mal, den Nähfuß Nr. 52 zu verwenden.

Der Rollenfuß Nr. 51

Der Rollenfuß Nr. 51 ist der einzige Nähfuß in unserer Auswahl komplett aus Metall. An seiner Unterseite befinden sich drei leicht bewegliche Rollen, die ein Weiterschieben unter dem Nähfuß erleichtern.

Allerdings hat er zur Orientierung nur eine Kerbe in der Mitte und das Loch ist relativ klein, was knappkantiges Absteppen bei Kurven und Ecken sehr erschwert.

Lange, gerade Strecken lassen sich jedoch sehr angenehm nähen und der Nähfuß nimmt keinen Schaden durch den Transporteur.

Der Rollfuß Nr. 55

Dieser Nähfuß fällt schon durch seine ungewöhnliche Optik auf. Er ist aber auch in der Verwendung ungewöhnlich, denn besonders das Nähen von geraden Strecken muss man erst etwas üben.

Das geneigte Rad sorgt nämlich dafür, dass der Stoff, wenn man ihn nicht oder nur sehr locker führt, schräg transportiert wird.

Auch dieser Fuß ist für 5,5 mm Stichbreite ausgelegt. Er ist wirklich gut geeignet, um enge Kurven zu nähen, zum Beispiel für Handschuhe oder um Lederblumen zu applizieren. Wir dachten daher, dass wir auch die Einfüllöffnung beim Herz gut damit schließen können, allerdings kommt da schon die erste Umstellung:

Man müsste sein Nähgut nach rechts legen. Das ist bei so einem keinen Teil kein Problem, aber um einen Taschenboden anzunähen, eher nicht so gut.

Auf dieser Seite war der Rand ohnehin zu knapp, der Nähfuß ist schnell vom Leder abgekommen, weshalb wir auf einen anderen gewechselt haben.

Mit einem breiteren Rand kann man allerdings mit dem Rollfuß Nr. 55 schön nah an einer Stufe nähen, er ist ja auch ausgewiesen für Riesenpaspeln. Auch dicke Kedern lassen sich mit dem Rollfuß leicht nähen.

Das Nähen von Kurven ist wirklich gut möglich, leider hat sich hier ein weiterer Nachteil dieses Fußes gezeigt.

Die Rolle liegt fast nur auf der linken Reihe der Transporteurzähnchen auf und empfindliche Materialien bekommen davon Abdrücke. Zum Vergleich haben wir mit den gleichen Einstellungen mit dem Nähfuß Nr. 52D die gerade Naht gemacht, bei der keine Spuren zu sehen sind.

Auch hier auf der transparenten Folie gab es Abdrücke, allerdings nicht vom Transporteur, sondern von den Noppen der schwarzen Rolle.

Wir raten daher immer zu einer Probenaht mit dem Rollfuß Nr. 55.

Wenn Sie mit diesem Fuß knappkantig absteppen möchten, ist eine Führung hilfreich. Die Stichführung von CLOVER kann ja an jeder beliebigen Stelle platziert werden und wir haben sie in diesem Fall ganz nach an den Transporteur gesetzt.

Unser Fazit:

Zum Nähen von schwierigen Materialien gibt es keinen universellen Nähfuß.

Es kommt immer darauf an, welche Projekte Sie häufiger nähen. Ein Antihaft-Fuß sollte auf jedem Fall in Ihrem Sortiment sein, mit unseren Hinweisen finden Sie bestimmt leichter den passenden. Unser Favorit, da am flexibelsten einsetzbar, ist (trotz 9 mm Stichbreite) der Gleitfuß Nr. 52.

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