Leder Sticken Stickmaschine

Sticken auf Leder

Die Verarbeitung von echtem Leder nimmt auch im Hobbybereich immer mehr zu. Da ist es kein Wunder, dass auch die Stickmaschine zum Einsatz kommt, um Leder zu verzieren. Allerdings tauchen hier immer wieder mal Probleme auf, die wir in diesem Beitrag ansprechen möchten. Wir bieten Tipps, wie die Stickmotive gelingen, aber auch, wie Sie länger etwas von Ihrer Stickmaschine haben.

Kann ich mit dieser Stickmaschine Leder besticken?

Eine der Fragen, die uns oft erreichen. Und wie so oft ist die Antwort:

Kommt darauf an. Leder ist nicht gleich Leder. Es ist eine Tierhaut und daher so verschieden wie unsere Haut. Dazu gibt es verschiedene Bearbeitungsmethoden von Leder, die es mal fester, mal weicher machen. Selbst die Angabe der Dicke garantiert noch nicht dafür, dass sich jedes Stück gleich gut verarbeiten lässt. Wer öfter ganze Tierhäute verwendet, weiß sicher, dass selbst bei einem Stück Stellen dabei sind, die dünner und dicker sind. Oder fester und weicher.

Es gibt also kein bestimmtes Modell, das für das Besticken von Leder zu bevorzugen ist. Egal, was Sie besticken: Je fester das Material, desto schneller verschleißt Ihre Maschine. Es kann daher durchaus vorkommen, dass Sie ein Jahr lang Puschen besticken und von einem Tag auf den anderen produziert die Maschine Fehlstiche oder Schlaufen, weil die Nadelstange ausgeschlagen ist.

Wenn Sie vorher wissen, dass Sie viel oder gar gewerblich Leder besticken möchten, lassen Sie sich dazu bitte von unserer Maschinenberatung informieren.

In diesem Beitrag wollen wir aber einfach von dem gelegentlichen Besticken von Leder ausgehen. Leder in der Stärke, wie es auch von einer Haushaltsnähmaschine später zusammengenäht wird. Dabei gibt es verschiedene Punkte, die für ein schönes Stickmotiv auf Leder zusammenspielen:

Das Leder

Wenn Sie Leder online bestellen, achten Sie auf die Produktbeschreibung. Teilweise finden Sie dort schon Hinweise, für welche Verarbeitung das Leder gedacht ist. Leder, das zum Vernähen mit der Haushaltsmaschine geeignet ist, kann dann höchstwahrscheinlich auch erfolgreich bestickt werden. Am besten fassen Sie das Leder jedoch an, um seine Steifigkeit zu testen. Es sollte möglichst gleichmäßig dick sein und nicht dicker als 1,5 mm. Geprägte oder beschichtete Leder können schwerer zu verarbeiten sein als unbehandelte. 

Das Stickmotiv

Hier gilt, ähnlich wie beim Kunstleder und Jersey, weniger Stiche sind mehr. Allerdings aus anderen Gründen. Während Kunstleder auf der Rückseite oft noch ein Trägermaterial hat, das anders reagiert als die Oberfläche und Jersey aus Maschen besteht, ist Leder ein Material ohne feste Struktur. Kein Gewebe, kein Gewirke. Das macht die Stichbildung zwar grundsätzlich einfach, weil keine Fäden verschoben oder durchstochen werden, aber bei hoher Stichdichte gibt das Material nach. Es wird verdrängt (schlägt Wellen) oder perforiert (reißt).

Verwenden Sie also bei Kaufmotiven Stickdateien für Jersey oder Kunstleder (wenn es keine spezielle Datei für Leder gibt) mit geringerer Stichdichte. Auch die Verteilung der Füllflächen machen einen Unterschied, die Maschine sollte nicht von außen nach innen arbeiten. Dies können Sie am besten beeinflussen, wenn Sie selbst digitalisieren.

Stichdichte reduzieren (in der Maschine)

Hat Ihre Stickmaschine die Fähigkeit, die Stichdichte zu reduzieren, nutzen Sie das. Das geht zum Beispiel bei einigen Modellen von BERNINA (bei allen Stickmotiven, ob intern oder extern). Bei BERNETTE können die integrierten Schriften in der Dichte verändert werden. Das ist vor allem dann von Vorteil, wenn die Schriften verkleinert werden.

Beispiel:

Über den i-Dialog kann man bei BERNETTE die Dichte reduzieren.

100 Prozent

80 Prozent

In der Draufsicht sind hier eigentlich keine Probleme zu erkenn.

100 Prozent

80 Prozent

Von vorne sieht man die Wölbung, die das Motiv erzeugt hat. Das eher feste Leder wurde im Magnetrahmen ohne Vlies bestickt, mit verschiedenen Garnsorten.

Die Wölbung könnte man mit Klebevlies reduzieren. Die Stichdichte weiter zu reduzieren halten wir für wenig sinnvoll, da die Buchstaben dann sehr fransig wirken. Wird das Leder weiter vernäht, wird die Wölbung nicht weiter stören.

100 Prozent

80 Prozent

Allerdings ist beim Knicken zu beobachten, dass die Buchstaben mit 100% Stichdichte schon zum Ausreißen neigen.

Stichdichte reduzieren (in der Software)

Auch mit einer Vollversion kann die Stichdichte reduziert werden. Achten Sie hierbei auf die Hinweise des Erstellers. Egal, ob das Verändern erlaubt wird, oder nicht, bedenken Sie immer: Eine Veränderung der Stiche kann zu einem schlechten Ergebnis führen und darf dann nicht dem Ersteller zugewiesen werden.

Das Vlies

Da Leder auf kein Trägermaterial aufgebracht ist, wie zum Beispiel Kunstleder, brauchen dünne Leder ein stabiles Vlies. Am besten verwenden Sie Schneidevliese. Möchten Sie Klebevlies verwenden, gibt es nur Reißvliese, aber diese gibt es in unterschiedlichen Qualitäten. Wir raten zu SULKY Filmoplast strong. Es lässt sich zwar noch abreißen, aber verfügt über einen stärkeren Kleber und ist dicker.

Hier haben wir ein Leder bestickt, bei dem normale Nähmaschinen bei zwei Lagen schon Schwierigkeiten bekommen. Dafür liess es sich einlagig ohne Vlies mit einem Magnetrahmen sehr gut besticken.

Die Nadel

Ein oft diskutiertes Thema. Da Leder ein sehr vielfältiges Material ist, gibt es keine Pauschalempfehlung. Eine Ledernadel ist jedoch nicht nötig. Sie zerschneidet das Material und die Löcher sind für ein schönes Stickmotiv dann zu groß. Durchdringt nur die Ledernadel Ihr Leder, ist es zum Besticken zu dick.

Sie können Leder mit einer normalen Sticknadel besticken, sie sollte allerdings nicht zu dünn sein.

Verwenden Sie Kleber oder Klebevlies, nutzen Sie bitte eine beschichtete Sticknadel wie die ORGAN Antiglue oder die SCHMETZ Superuniversal.

Hier haben wir auf Leder gestickt, befestigt mit Sprühkleber auf Abreißvlies. Mit einer normalen Sticknadel gab es Probleme mit dem Faden. Ein Wechsel auf Superuniversal hat sofort Abhilfe gebracht.

Auch die SCHMETZ Titan Gold verschmiert nicht so schnell wie eine Standardnadel und hat aufgrund ihrer Beschichtung eine längere Standzeit.

Selbst, wenn Sie ohne Kleber arbeiten, kann eine beschichtete Nadel nötig sein. Bilden sich mit der normalen Nadel Schlaufen, testen Sie eine der oben genannten Nadeln. Vor allem weiche Ledersorten bremsen die Nadel und auch das Garn beim Durchstechen oder verschmieren die Nadel. Treten Fehlstiche auf, fahren Sie mit dem Finger über die Nadel. Fühlt sie sich klebrig an, reinigen Sie sie mit Kleberentferner oder tauschen Sie sie gegen eine beschichtete Sticknadel aus.

Unser Tipp: 

Streichen Sie bei Ihrem Leder über die Rückseite. Ist sie weich und bremst die Bewegung der Finger, verschmiert die Nadel meist sehr schnell und Sie sollten von vornherein eine beschichtete Nadel verwenden. 

Das Garn

Viele Ledersorten sind relativ schwer zu durchstechen und auch teilweise zäh, was das Garn bei der Nadelbewegung zusätzlich belastet. Es kann also vorkommen, dass Viskosegarne eher zu Fadenrissen neigen.

Husqvarna Viking Designer Epic 2 auf 2 mm dickem Leder

Auf der sicheren Seite ist man hier mit Polyesterstickgarn. Vor allem bei so filigranen Motiven im einfachen Geradstich würde jede Schlaufe sofort auffallen. Spezialgarne auf Leder (Metallic, Reflect, Holo u.ä.) sollten Sie nur verwenden, wenn Sie alle anderen Fehlerquellen minimiert haben.

Die Kombination

Damit wären wir auch schon bei der Kombination. Nicht immer kann man alle Problemstellen beseitigen. Mal gibt es das gewünschte Motiv nicht mit weniger Stichdichte, mal hat man die Farbe nur als Viskosegarn. Oder es kann nur Reißvleis verwendet werden. Das heißt nicht, dass die Stickerei gleich misslingt. Unsere Hinweise sollen nur bei der Fehlersuche helfen, wenn es mit dem Sticken auf Leder mal nicht klappt. Und bedenken Sie immer, dass es sich um ein Naturmaterial handelt. Wenn sich also eine Stickerei auf einer Ledersorte nichts wird, heißt das nicht, dass Sie mit Ihrer Stickmaschine kein Leder besticken können. Testen Sie immer ein anderes Leder-Stück zum Vergleich. Wenn Sie häufig starkes Leder besticken, verringern Sie die Abstände zwischen den Kundendiensten.

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Was ist Thermogaze und wo kann man es beim Sticken verwenden?
Das zeigen wir jetzt auf www.naehratgeber.de.
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Welchen Schnellnäher soll ich kaufen? Welche Geradstichmaschine ist die Beste?
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