Kunstleder besticken – unsere Tipps

Es gibt viele Materialien, die man besticken kann. Eines, das immer wieder zu Problemen führt, ist Kunstleder. Doch wo liegen die Probleme und wie kann man sie vermeiden?

Wir haben hier zwei Beispiele für Sie auf wirklich schwierigem Kunstleder (sehr steif, porös, bricht schon beim Wenden nach dem Nähen). Trotzdem bekommt man mit ein paar Kniffen auch hier ein passables Stickergebnis hin. Diese möchten wir Ihnen hier zeigen. 

Kunstleder ist nicht gleich Kunstleder

Es gibt dieses Material in verschiedenen Stärken und Qualitäten. Die einen sind steif, ähnlich wie dickes Leder, andere weich und dehnbar wie Sweat. Daher gibt es auch keine Universallösungen für das Sticken auf Kunstleder. 
Ehe Sie mit dem Sticken beginnen, betrachten Sie Ihr Kunstleder genau. Ist es dehnbar? Dann muss es besonders stabilisiert werden. Ist es hart? Dann darf die Stichdichte nicht zu hoch sein. Die Herstellung von Kunstleder ist vielfältig. Es werden verschiedene Oberschichtmaterialien verwendet. Teils sind die Kunststoffe geschäumt, manchmal kompakt aufgetragen.

Schauen Sie sich auch die Rückseite an. Manche Kunstleder haben hinten eine Abseite wie Filz, diese lassen sich daher auch gut besticken. Kunstleder mit Wirkseite, also die aussehen wie Jersey, entwickeln manchmal den Effekt, dass die Stiche verschoben werden. Dies macht sich besonders bei Geradstichlinien bemerkbar.

Jeder Einstich hinterlässt ein Loch

Im Gegensatz zu Filz, Webstoffen oder Gewirken bleibt ein Loch ein Loch. Sie haben also nur eine Chance beim Besticken, Fehlstellen können nur überstickt werden, nicht aufgetrennt. Auch ein Heftrahmen kann nicht verwendet werden. Daher ist es wichtig, schon vor dem Sticken einen guten Plan zu haben. Wenn Sie noch unerfahren im Sticken sind, machen Sie am besten eine Probestickerei.

Das größte Problem: Die Stickerei wellt sich

So ein Bild kennt wohl fast jeder, der schon mal Kunstleder bestickt hat:

Das Kunstleder wellt sich. Was tun?

Manche Kunstleder legen sich wieder flach hin, wenn sie erwärmt werden. Viel Hitze vertragen sie allerdings nicht. Versuchen Sie es mal mit der Transferpresse, diese können Sie genau einstellen. Testen Sie an einem Probestückchen, wie viel Hitze das Kunstleder verträgt. Es wird nicht gleich schmelzen, aber oft leidet die Prägung unter der Erwärmung.

Besser ist es jedoch, von vornherein dafür zu sorgen, dass keine Wellen entstehen. Denn durch diese Verschiebung passiert es dann auch, dass Konturen nicht da landen, wo sie hingehören. Doch wie vermeidet man das Wellen?

Ein weiteres Problem ist ausgerissenes Kunstleder. Auch das passiert, wenn die Stichdichte zu hoch ist, meist bei Satinstichen am Rand. Für dieses Problem gelten die gleichen Tipps wie für das Wellen.

Worin liegen die Probleme beim Sticken auf Kunstleder?

Je mehr Stiche pro cm², desto schneller wird sich das Motiv wellen. Während bei Stoffen oder Filz von vornherein ja Lücken im Gewebe oder zwischen den Fasern sind, die vom Garn aufgefüllt werden, ist Kunstleder kompakt. Sie erhöhen also beim Sticken die Dichte.

Wenn wir uns diese Materialien mal theoretisch vorstellen, wird es vielleicht besser erkennbar. Bei den drei Vergleichsstoffen kann man die „Luft“ deutlich erkennen.

Legt man darüber nun eine Stickerei, kann man sich denken, wie das Garn des Stickmusters die Lücken von Stoffen oder Filzen füllt, bei Kunstleder ist jedoch kein Platz dafür. Ist Ihr Kunstleder geschäumt, haben Sie noch Platz, ist die Rückseite gewirkt, auch noch ein bisschen. Diese Kunstleder sind dann aber wieder dehnbar, was (wie wir vom Jersey wissen), ja auch wieder zu Problemen führt. Ziel sollte es also sein, die Garnmenge gerechnet auf das Volumen des Kunstleders so gering wie möglich zu halten.

Je geringer die Stichzahl, desto weniger Wellen. Die kann man schon bei der Wahl des Stickmotivs einbeziehen.

Es gibt Stickmotive, die speziell auf Problemstoffe ausgelegt sind. So zum Beispiel unsere Motorcycles. Hier sind normale Dateien mit zwei Farben enthalten. Für Jersey wurden die Farblagen mehrfach aufgeteilt, womit die Umrandung nicht durch die Verdrängung der Maschen verschoben wird. Stickmuster, die auf Jersey ausgelegt sind, können Sie auch prima für Kunstleder verwenden.

Das Ziel: Weniger Garn pro cm² Fläche

Diese Motive stammen aus der gleichen Kollektion. Allerdings besteht das erste aus drei Farblagen, wobei sich blau und schwarz teilweise überlappt, gelb dann komplett darüber liegt. Beim zweiten Motiv gibt es nur eine Farbe mit vielen Lücken.

Letzteres ist daher besser für das Sticken auf Kunstleder geeignet.

Sofern Sie eine Sticksoftware besitzen, schauen Sie sich Ihr Motiv dort vor dem Sticken mal genauer an.

Der Steppstich füllt eine große Fläche. In der Stickansicht können Sie die Struktur noch genauer erkennen.

Es soll unbedingt dieses Motiv sein?

Stichdichte hin oder her, Sie wollen unbedingt dieses Motiv auf Kunstleder sticken. Dann können Sie es ein bisschen anpassen. Das kann mit einer Software gemacht werden oder auch direkt in der Stickmaschine. Verwechseln Sie die Stichdichtenreduzierung aber nicht mit der Skalierung. Die meisten Stickmaschinen können Motive verkleinern, dies ist in der Regel beschränkt auf 20%. Hierbei ändert sich aber nicht die Stichanzahl, ihr Motiv wird eher noch kompakter. Umgekehrt würde es daher sogar etwas bringen, wenn Sie so Ihr Motiv vergrößern, denn die Lücken zwischen den Stichen werden größer.

Eine Stichanzahlreduzierung ist derzeit nur mit einigen Modellen von Bernina möglich, wie das genau funktioniert, können Sie hier nachlesen:

Mit einer Sticksoftware, mit der Sie auch digitalisieren können, lassen sich die einzelnen Farblagen einer Stickerei nachträglich bearbeiten. Eher wir Ihnen dies an einem Beispiel zeigen, noch ein kurzer Hinweis zum Verändern von Stickdateien:

(Wir gehen hier immer von der privaten Nutzung einer Stickdatei aus, für Gewerbestickerei informieren Sie sich bitte selbst.)

Es herrscht oft Unsicherheit, was das Verändern von gekauften Stickdateien angeht. Kaufen Sie eine Datei, ist dort notiert, ob Sie sie verändern dürfen. Lesen Sie diese Anweisung genau. Bei unserer Beispieldatei steht in den Nutzungsbedingungen:

Es ist nicht erlaubt, die Datei zu verändern, Teile zu löschen oder zu ergänzen und sie dann als die eigene auszugeben.

Man darf die Datei also verändern, nur nicht im Anschluss als eigene ausgeben.

Warum schließen andere Ersteller das Verändern kategorisch aus?

Weil sich die Designer beim Erstellen etwas Bestimmtes vorstellen. Die Designs sind für bestimmte Stoffe und Projekte ausgelegt. Oft sind die geeigneten Stoffe auch noch erwähnt, in den Beispielen sieht man nur Filz oder Webware.

Dann stickt das jemand auf Kunstleder, reduziert die Stichdichte und das Motiv wird nicht schön. Das wird dann im Netz gezeigt und der Ersteller steht da, als könne er nicht richtig Digitalisieren.

Wenn Sie also eine gekaufte Datei ändern, können Sie nicht erwarten, dass das Ergebnis perfekt und so wie auf den Katalogbildern wird. Tun Sie dann dem Designer den Gefallen und behalten Sie Ihr Projekt für sich.

Ist die Veränderung nicht ausgeschlossen, oder so wie in unserem Fall auf etwas anderes bezogen, seien Sie trotzdem fair. Zeigen Sie Ihr Projekt, notieren Sie dazu, dass Sie es zugunsten des Kunstleders angepasst haben.

Unser Beispiel:

Wir verwenden eine Datei aus der Serie Rubber Stamps von Kreations by Kara.

Hier das zuerst ausgesuchte Motiv auf Kunstleder:

Es wurde nichts an der Datei angepasst. Als Vlies wurde MADEIRA Cotton Soft in schwarz verwendet, das Kunstleder mit ODIF DK 505 Sprühkleber befestigt.

Sie sehen sowohl die Wellen, als auch den Verzug zwischen dem Kreis in grau und Iila und den Konturen in gelb und lila. Einen Teil der Wellen konnte wir durch Erwärmen etwas reduzieren. 

Was kann man tun?

Stichanzahl reduzieren

Eine Veränderung der Stichanzahl gelingt am besten mit den Softwaredateien. Was der Unterschied zwischen Software- und Maschinendateien ist, können Sie in diesem Beitrag nachlesen, es gilt nicht nur für die Sticksoftware HATCH.

Die Softwaredateien für die BERNINA Designer Plus V8 sind die ART-Dateien. In unseren Freebies sind übrigens teilweise die ART-Dateien enthalten, damit können Sie in der V8 mit unseren Stickmotiven frei arbeiten. Trotzdem gilt noch der Hinweis:

Diese Stickdatei darf ausschließlich zu privaten Zwecken und nur unter Angabe des Urhebers (www.naehpark.com) verwendet werden. 
Weitergabe oder Veröffentlichung (auch teilweise) der Datei selbst, ist ausdrücklich untersagt und wird bei Missachtung strafrechtlich verfolgt.

Meist haben Sie das Motiv jedoch in einer Maschinendatei auf dem PC, dann sind die Möglichkeiten etwas eingeschränkt. Zum Auflockern reicht es aber oft.

Beispiel: Bei einer Softwaredatei können Sie die Unterlegstiche bearbeiten, bei einer Maschinendatei nicht.

Wir ändern hier die Stichdichte bei blau und schwarz. Dafür werden die jeweiligen Farben ausgewählt und in den Objekteigenschaften der Stichabstand von 0,5 auf 0,8 erhöht.

Es sollten keine allzu großen Lücken entstehen, der Stich soll ja immer noch die Unterlegstiche und das Material abdecken. Wir haben, um dem Verzug entgegen zu wirken, noch die Stichrichtung bei schwarz um 90 Grad geändert. So sieht das Motiv nun in der Software aus. Und so fertig gestickt:

Die Konturen sind nahezu überall dort, wo sie sein sollten. Das Kunstleder wellt sich nur noch leicht. Es handelt sich hier übrigens um ein nicht geschäumtes Kunstleder mit Gewirkabseite. Das sieht doch schon mal besser aus. Aber das kann man noch optimieren:

Das passende Vlies verwenden

In unserem ersten Beispiel haben wir auf MADEIRA Cotton Soft gestickt. Dieses Vlies ist zwar vielseitig einsetzbar, für dichte Stickereien jedoch zu schwach. Bei der gelockerten Version haben wir das Kunstleder zusätzlich unterstützt, indem wir SULKY Tear Away Plus verwendet haben. Hier handelt es sich auch noch um ein Abreißvlies, aber ein stabileres.

Die Steigerung ist dann Schneidevlies. Auch hier gibt es unterschiedliche Qualitäten, für unseren dritten Versuch haben wir uns für MADEIRA Weblon Plus entschieden.

Es gibt für Kunstleder kein Vlies für alle Fälle, auch hier müssen Sie passend zum Projekt wählen. Je höher die Dichte Ihrer Stickerei, desto stabiler sollte auch Ihr Vlies sein.

Dabei sollten Sie überlegen, ob Sie ein Klebevlies verwenden möchten. Denn diese Vlies gibt es nur als Abreißvlies oder als wasserlösliches Vlies, nicht zum Abschneiden.

Eine Übersicht zum Thema Stickvliese finden Sie auch hier:

Richtig einspannen

Klar, eigentlich spannt man ja Kunstleder nicht ein. Die Stickrahmen hinterlassen dabei oft Abdrücke auf dem Kunstleder. Dann fehlt dem Ganzen aber wieder Stabilität.

Grundsätzlich ist es die schonenste Variante für das Kunstleder, wenn Sie nur Sprühkleber verwenden oder ein Klebevlies. Gerade dünne und dehnbare Kunstleder brauchen für ein optimales Ergebnis aber guten Halt. Um Abdrücke zu vermeiden, können Sie mit einem Stickpassepartout arbeiten, wie im Beitrag zum Besticken von Jersey gezeigt.

Haben Sie für Ihre Stickmaschine Magnetrahmen, versuchen Sie es doch mal damit. Hier sehen Sie einen Magnetrahmen für PFAFF in der Größe 13 x 18 cm. Auch HUSQVARNA VIKING bietet Rahmen in dieser Art an, beide in verschiedenen Größen. 

Die passende Nadel

Wie auch beim Nähen gibt es für Kunstleder nicht die EINE perfekte Nadel. Über die passende Nadel haben wir bereits geschrieben.

Da aber beim Sticken viel mit Kleber gearbeitet wird, ist immer eine Nadel zu empfehlen, die nicht verschmiert, also eine Antiglue von ORGAN oder die Superuniversal von SCHMETZ. Unsere Beispiele wurden alle mit einer Superuniversal in Stärke 90 gestickt.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen aufzeigen, woher die Schwierigkeiten beim Besticken von Kunstleder kommen und wie Sie sie erfolgreich umgehen können. 

Unser Beispiel wurde mit der BROTHER Innov-is 2600 gestickt.

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Kunstleder besticken – unsere Tipps

Es gibt viele Materialien, die man besticken kann. Eines, das immer wieder zu Problemen führt, ist Kunstleder. Doch wo liegen die Probleme und wie kann man sie vermeiden?

Wir haben hier zwei Beispiele für Sie auf wirklich schwierigem Kunstleder (sehr steif, porös, bricht schon beim Wenden nach dem Nähen). Trotzdem bekommt man mit ein paar Kniffen auch hier ein passables Stickergebnis hin. Diese möchten wir Ihnen hier zeigen. 

Kunstleder ist nicht gleich Kunstleder

Es gibt dieses Material in verschiedenen Stärken und Qualitäten. Die einen sind steif, ähnlich wie dickes Leder, andere weich und dehnbar wie Sweat. Daher gibt es auch keine Universallösungen für das Sticken auf Kunstleder. 
Ehe Sie mit dem Sticken beginnen, betrachten Sie Ihr Kunstleder genau. Ist es dehnbar? Dann muss es besonders stabilisiert werden. Ist es hart? Dann darf die Stichdichte nicht zu hoch sein. Die Herstellung von Kunstleder ist vielfältig. Es werden verschiedene Oberschichtmaterialien verwendet. Teils sind die Kunststoffe geschäumt, manchmal kompakt aufgetragen.

Schauen Sie sich auch die Rückseite an. Manche Kunstleder haben hinten eine Abseite wie Filz, diese lassen sich daher auch gut besticken. Kunstleder mit Wirkseite, also die aussehen wie Jersey, entwickeln manchmal den Effekt, dass die Stiche verschoben werden. Dies macht sich besonders bei Geradstichlinien bemerkbar.

Jeder Einstich hinterlässt ein Loch

Im Gegensatz zu Filz, Webstoffen oder Gewirken bleibt ein Loch ein Loch. Sie haben also nur eine Chance beim Besticken, Fehlstellen können nur überstickt werden, nicht aufgetrennt. Auch ein Heftrahmen kann nicht verwendet werden. Daher ist es wichtig, schon vor dem Sticken einen guten Plan zu haben. Wenn Sie noch unerfahren im Sticken sind, machen Sie am besten eine Probestickerei.

Das größte Problem: Die Stickerei wellt sich

So ein Bild kennt wohl fast jeder, der schon mal Kunstleder bestickt hat:

Das Kunstleder wellt sich. Was tun?

Manche Kunstleder legen sich wieder flach hin, wenn sie erwärmt werden. Viel Hitze vertragen sie allerdings nicht. Versuchen Sie es mal mit der Transferpresse, diese können Sie genau einstellen. Testen Sie an einem Probestückchen, wie viel Hitze das Kunstleder verträgt. Es wird nicht gleich schmelzen, aber oft leidet die Prägung unter der Erwärmung.

Besser ist es jedoch, von vornherein dafür zu sorgen, dass keine Wellen entstehen. Denn durch diese Verschiebung passiert es dann auch, dass Konturen nicht da landen, wo sie hingehören. Doch wie vermeidet man das Wellen?

Ein weiteres Problem ist ausgerissenes Kunstleder. Auch das passiert, wenn die Stichdichte zu hoch ist, meist bei Satinstichen am Rand. Für dieses Problem gelten die gleichen Tipps wie für das Wellen.

Worin liegen die Probleme beim Sticken auf Kunstleder?

Je mehr Stiche pro cm², desto schneller wird sich das Motiv wellen. Während bei Stoffen oder Filz von vornherein ja Lücken im Gewebe oder zwischen den Fasern sind, die vom Garn aufgefüllt werden, ist Kunstleder kompakt. Sie erhöhen also beim Sticken die Dichte.

Wenn wir uns diese Materialien mal theoretisch vorstellen, wird es vielleicht besser erkennbar. Bei den drei Vergleichsstoffen kann man die „Luft“ deutlich erkennen.

Legt man darüber nun eine Stickerei, kann man sich denken, wie das Garn des Stickmusters die Lücken von Stoffen oder Filzen füllt, bei Kunstleder ist jedoch kein Platz dafür. Ist Ihr Kunstleder geschäumt, haben Sie noch Platz, ist die Rückseite gewirkt, auch noch ein bisschen. Diese Kunstleder sind dann aber wieder dehnbar, was (wie wir vom Jersey wissen), ja auch wieder zu Problemen führt. Ziel sollte es also sein, die Garnmenge gerechnet auf das Volumen des Kunstleders so gering wie möglich zu halten.

Je geringer die Stichzahl, desto weniger Wellen. Die kann man schon bei der Wahl des Stickmotivs einbeziehen.

Es gibt Stickmotive, die speziell auf Problemstoffe ausgelegt sind. So zum Beispiel unsere Motorcycles. Hier sind normale Dateien mit zwei Farben enthalten. Für Jersey wurden die Farblagen mehrfach aufgeteilt, womit die Umrandung nicht durch die Verdrängung der Maschen verschoben wird. Stickmuster, die auf Jersey ausgelegt sind, können Sie auch prima für Kunstleder verwenden.

Das Ziel: Weniger Garn pro cm² Fläche

Diese Motive stammen aus der gleichen Kollektion. Allerdings besteht das erste aus drei Farblagen, wobei sich blau und schwarz teilweise überlappt, gelb dann komplett darüber liegt. Beim zweiten Motiv gibt es nur eine Farbe mit vielen Lücken.

Letzteres ist daher besser für das Sticken auf Kunstleder geeignet.

Sofern Sie eine Sticksoftware besitzen, schauen Sie sich Ihr Motiv dort vor dem Sticken mal genauer an.

Der Steppstich füllt eine große Fläche. In der Stickansicht können Sie die Struktur noch genauer erkennen.

Es soll unbedingt dieses Motiv sein?

Stichdichte hin oder her, Sie wollen unbedingt dieses Motiv auf Kunstleder sticken. Dann können Sie es ein bisschen anpassen. Das kann mit einer Software gemacht werden oder auch direkt in der Stickmaschine. Verwechseln Sie die Stichdichtenreduzierung aber nicht mit der Skalierung. Die meisten Stickmaschinen können Motive verkleinern, dies ist in der Regel beschränkt auf 20%. Hierbei ändert sich aber nicht die Stichanzahl, ihr Motiv wird eher noch kompakter. Umgekehrt würde es daher sogar etwas bringen, wenn Sie so Ihr Motiv vergrößern, denn die Lücken zwischen den Stichen werden größer.

Eine Stichanzahlreduzierung ist derzeit nur mit einigen Modellen von Bernina möglich, wie das genau funktioniert, können Sie hier nachlesen:

Mit einer Sticksoftware, mit der Sie auch digitalisieren können, lassen sich die einzelnen Farblagen einer Stickerei nachträglich bearbeiten. Eher wir Ihnen dies an einem Beispiel zeigen, noch ein kurzer Hinweis zum Verändern von Stickdateien:

(Wir gehen hier immer von der privaten Nutzung einer Stickdatei aus, für Gewerbestickerei informieren Sie sich bitte selbst.)

Es herrscht oft Unsicherheit, was das Verändern von gekauften Stickdateien angeht. Kaufen Sie eine Datei, ist dort notiert, ob Sie sie verändern dürfen. Lesen Sie diese Anweisung genau. Bei unserer Beispieldatei steht in den Nutzungsbedingungen:

Es ist nicht erlaubt, die Datei zu verändern, Teile zu löschen oder zu ergänzen und sie dann als die eigene auszugeben.

Man darf die Datei also verändern, nur nicht im Anschluss als eigene ausgeben.

Warum schließen andere Ersteller das Verändern kategorisch aus?

Weil sich die Designer beim Erstellen etwas Bestimmtes vorstellen. Die Designs sind für bestimmte Stoffe und Projekte ausgelegt. Oft sind die geeigneten Stoffe auch noch erwähnt, in den Beispielen sieht man nur Filz oder Webware.

Dann stickt das jemand auf Kunstleder, reduziert die Stichdichte und das Motiv wird nicht schön. Das wird dann im Netz gezeigt und der Ersteller steht da, als könne er nicht richtig Digitalisieren.

Wenn Sie also eine gekaufte Datei ändern, können Sie nicht erwarten, dass das Ergebnis perfekt und so wie auf den Katalogbildern wird. Tun Sie dann dem Designer den Gefallen und behalten Sie Ihr Projekt für sich.

Ist die Veränderung nicht ausgeschlossen, oder so wie in unserem Fall auf etwas anderes bezogen, seien Sie trotzdem fair. Zeigen Sie Ihr Projekt, notieren Sie dazu, dass Sie es zugunsten des Kunstleders angepasst haben.

Unser Beispiel:

Wir verwenden eine Datei aus der Serie Rubber Stamps von Kreations by Kara.

Hier das zuerst ausgesuchte Motiv auf Kunstleder:

Es wurde nichts an der Datei angepasst. Als Vlies wurde MADEIRA Cotton Soft in schwarz verwendet, das Kunstleder mit ODIF DK 505 Sprühkleber befestigt.

Sie sehen sowohl die Wellen, als auch den Verzug zwischen dem Kreis in grau und Iila und den Konturen in gelb und lila. Einen Teil der Wellen konnte wir durch Erwärmen etwas reduzieren. 

Was kann man tun?

Stichanzahl reduzieren

Eine Veränderung der Stichanzahl gelingt am besten mit den Softwaredateien. Was der Unterschied zwischen Software- und Maschinendateien ist, können Sie in diesem Beitrag nachlesen, es gilt nicht nur für die Sticksoftware HATCH.

Die Softwaredateien für die BERNINA Designer Plus V8 sind die ART-Dateien. In unseren Freebies sind übrigens teilweise die ART-Dateien enthalten, damit können Sie in der V8 mit unseren Stickmotiven frei arbeiten. Trotzdem gilt noch der Hinweis:

Diese Stickdatei darf ausschließlich zu privaten Zwecken und nur unter Angabe des Urhebers (www.naehpark.com) verwendet werden. 
Weitergabe oder Veröffentlichung (auch teilweise) der Datei selbst, ist ausdrücklich untersagt und wird bei Missachtung strafrechtlich verfolgt.

Meist haben Sie das Motiv jedoch in einer Maschinendatei auf dem PC, dann sind die Möglichkeiten etwas eingeschränkt. Zum Auflockern reicht es aber oft.

Beispiel: Bei einer Softwaredatei können Sie die Unterlegstiche bearbeiten, bei einer Maschinendatei nicht.

Wir ändern hier die Stichdichte bei blau und schwarz. Dafür werden die jeweiligen Farben ausgewählt und in den Objekteigenschaften der Stichabstand von 0,5 auf 0,8 erhöht.

Es sollten keine allzu großen Lücken entstehen, der Stich soll ja immer noch die Unterlegstiche und das Material abdecken. Wir haben, um dem Verzug entgegen zu wirken, noch die Stichrichtung bei schwarz um 90 Grad geändert. So sieht das Motiv nun in der Software aus. Und so fertig gestickt:

Die Konturen sind nahezu überall dort, wo sie sein sollten. Das Kunstleder wellt sich nur noch leicht. Es handelt sich hier übrigens um ein nicht geschäumtes Kunstleder mit Gewirkabseite. Das sieht doch schon mal besser aus. Aber das kann man noch optimieren:

Das passende Vlies verwenden

In unserem ersten Beispiel haben wir auf MADEIRA Cotton Soft gestickt. Dieses Vlies ist zwar vielseitig einsetzbar, für dichte Stickereien jedoch zu schwach. Bei der gelockerten Version haben wir das Kunstleder zusätzlich unterstützt, indem wir SULKY Tear Away Plus verwendet haben. Hier handelt es sich auch noch um ein Abreißvlies, aber ein stabileres.

Die Steigerung ist dann Schneidevlies. Auch hier gibt es unterschiedliche Qualitäten, für unseren dritten Versuch haben wir uns für MADEIRA Weblon Plus entschieden.

Es gibt für Kunstleder kein Vlies für alle Fälle, auch hier müssen Sie passend zum Projekt wählen. Je höher die Dichte Ihrer Stickerei, desto stabiler sollte auch Ihr Vlies sein.

Dabei sollten Sie überlegen, ob Sie ein Klebevlies verwenden möchten. Denn diese Vlies gibt es nur als Abreißvlies oder als wasserlösliches Vlies, nicht zum Abschneiden.

Eine Übersicht zum Thema Stickvliese finden Sie auch hier:

Richtig einspannen

Klar, eigentlich spannt man ja Kunstleder nicht ein. Die Stickrahmen hinterlassen dabei oft Abdrücke auf dem Kunstleder. Dann fehlt dem Ganzen aber wieder Stabilität.

Grundsätzlich ist es die schonenste Variante für das Kunstleder, wenn Sie nur Sprühkleber verwenden oder ein Klebevlies. Gerade dünne und dehnbare Kunstleder brauchen für ein optimales Ergebnis aber guten Halt. Um Abdrücke zu vermeiden, können Sie mit einem Stickpassepartout arbeiten, wie im Beitrag zum Besticken von Jersey gezeigt.

Haben Sie für Ihre Stickmaschine Magnetrahmen, versuchen Sie es doch mal damit. Hier sehen Sie einen Magnetrahmen für PFAFF in der Größe 13 x 18 cm. Auch HUSQVARNA VIKING bietet Rahmen in dieser Art an, beide in verschiedenen Größen. 

Die passende Nadel

Wie auch beim Nähen gibt es für Kunstleder nicht die EINE perfekte Nadel. Über die passende Nadel haben wir bereits geschrieben.

Da aber beim Sticken viel mit Kleber gearbeitet wird, ist immer eine Nadel zu empfehlen, die nicht verschmiert, also eine Antiglue von ORGAN oder die Superuniversal von SCHMETZ. Unsere Beispiele wurden alle mit einer Superuniversal in Stärke 90 gestickt.

Wir hoffen, wir konnten Ihnen aufzeigen, woher die Schwierigkeiten beim Besticken von Kunstleder kommen und wie Sie sie erfolgreich umgehen können. 

Unser Beispiel wurde mit der BROTHER Innov-is 2600 gestickt.

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