Bernina L860 Display

Die BERNINA L860 im Test bei der Redaktion

Das dritte Modell in der 8er-Overlocker-Reihe fügt sich in der Mitte ein. Als Basis die mechanisch einstellbare L850, oben die voll ausgestattete Coverlock L890.

Die BERNINA L860 ist eine reine Overlock mit Display. Die Erwartungen sind entsprechend hoch, hier in Deutschland musste man ja fast ein Jahr beobachten, wie die Amerikaner komfortabel overlocken durften.

Hier in der Redaktion stand bereits die L890 zum Testen und die L850 wird dauerhaft benutzt.

Daher besteht der Testbericht nicht so sehr aus den Grundlagen, sondern baut auf den Erfahrungen zur L850 auf. Werfen Sie daher auch noch einen Blick in diese Testberichte:

Auspacken, aufstellen

Wie gewohnt, alles hat seinen Platz im Karton. Beim Wegräumen der Verpackung fällt positiv auf, dass BERNINA eine Zeichnung auf der Klappe hat, auf der zu erkennen ist, welches Styroporteil und Maschinenteil wohin gehört. Das Verkürzt die Zeit des Nähmaschinen-Tetris.

Weiterer Pluspunkt: Der kleine Anschiebetisch (die Freiarmabdeckung) ist auch dabei, bei der L850 fehlt der leider und muss extra gekauft werden.

Das Zubehör der L850 kann an der L860 verwendet werden. Nähfüße von der L890 passen nicht an die L860.

An der Seite haben wir uns erst über das erhabene Plastikteil gewundert, spontan dachten wir, der USB-Eingang sei verlegt worden. Aber es ist die Stifthalterung. Finden wir im Gegensatz zu den Nähmaschinen gut gelöst. Dort ist die Stelle für den Stift nur aufgemalt und hat nicht so viel Zug.

Der USB-Eingang zum Aktualisieren der Overlock befindet sich auch hier auf der Rückseite.

Für die Displayschutzfolie hätten wir uns eine Zuglasche gewünscht. Man möchte ja nicht gleich mit den Fingernägeln oder Werkzeug die Ecke rauspuhlen.

Spielereien

Wie man es schon von den Nähmaschinen kennt, kann man die BERNINA L860 auch am Display personalisieren.

Im Auslieferungszustand ist der Expertenmodus lila, das haben wir gleich mal auf grün geändert. Und dazu den Begrüßungstext. Hier sieht man auch, dass die L860 aus der Schweiz kommt: Kein scharfes S vorhanden.

Erste Nähte

Wie immer muss gleich am aktuellen Projekt weitergenäht werden. Und daher ging es direkt mit einer eingenähten Verstärkung für die Schulternaht los. Wie das geht, lesen Sie hier: Bandführung im Standardfuß bei Overlockern.

 


Die Frage ist bei einer „digitalen“ Overlock wohl eher, wie man dorthin gelangt.

Rechts tippt man auf das Naht-Symbol und sucht die entsprechende Naht aus. Es kann auch auf eine Textliste gewechselt werden. Im Expertemodus zeigt die L860 dann nur eine Übersicht, welche Einstellungen vorgenommen werden müssen. Das bestätigt man mit dem grünen Haken.

Dann wird der Stich in den Standardeinstellungen geladen und kann eventuell angepasst werden. Lädt man ihn über den Nähberater, sind die Einstellungen teilweise schon verändert, aber dazu später mehr.

Ist man sich bei der Probenaht nicht sicher, wo man etwas verändern muss, kann man den Stichoptimierer der Overlock verwenden, das Daumen-hoch-Symbol im Display.

Er zeigt an, welche Probleme es gibt und wenn man darauf tippt, wird eine Lösung vorgeschlagen. Passt alles, kann man den Stich gleich abspeichern. Praktisch: Auch die manuellen Einstellungen lassen sich sichern. Wenn man also die Schnittbreite oder den Nähfußdruck verändert hat, kann man dies beim erneuten Laden ablesen.

Wichtig: Die Maschine startet nach dem Ausschalten immer mit dem letzten Stich. Ist der verändert worden, werden diese Einstellungen allerdings zurückgesetzt. Nur, wenn Sie den Stich speichern, wird er mit diesen Veränderungen geladen.

So ist zum Eingewöhnen ein einfaches Shirt aus Single-Jersey entstanden.

Der Nähberater

Darauf folgte ein Raglan-Hoodie Nr. 38 (Lillesol & Pelle) aus Selanik von Stoffonkel. Hier haben wir gleich mal getestet, wie gut der Nähberater funktioniert.

Man erreicht ihn über die Home-Taste und dann die Schneiderbüste. Erst sucht man den Stoff aus (Strick-dick, zweite Reihe, drittes Symbol von links) und dann die Nahtart. Hier B für Zusammennähen. Da man kein A sieht, merkt man schon, dass die Maschine für diese Stoffart gleich eine Naht ausgeschlossen hat. Wenn man sich nicht sicher ist, für was die Bilder stehen, drückt man einfach auf das Fragezeichen und dann auf das Symbol, für das man eine Info benötigt.

Die L860 zeigt dann an, was eingestellt werden muss und schlägt Nadel und Garn vor. Alles, was gelb hinterlegt ist, weicht von den entsprechenden Standardwerten ab.

Unser Tipp: 

Wenn Sie sich von den Vorteilen des Display vor dem Kauf überzeugen wollen, laden Sie sich doch den Simulator herunter. Das geht bei der Overlock genauso wie auch bei der Nähmaschine: Der BERNINA Simulator.

Die Einstellungen waren okay, aber nicht perfekt. Wir haben die Spannung insgesamt nochmal erhöht. Aber noch im Rahmen dessen, was wir sonst an anderen Overlockern auch korrigieren, wenn möglichst wenig vom Garn auf der rechten Seite bei Zug zu sehen sein soll. Daher haben wir auch diesen Stich gleich mal abgespeichert. Wir haben allerdings auch mit einer bunten Mischung an Garnen genäht, da wir keine vier gleichen in Petrol da hatten.

Die Schnittbreite haben wir für die Kapuzennähte auf 8,5 erhöht. Hier wurden Streberstreifen angenäht und mit der Schnittbreite der Overlock bestimmt man die Breite des Streberstreifens.

Die Kordel für den Tunnelzug haben wir aus Jersey genäht, wie in diesem Testbericht beschrieben:

Die BERNINA L890 im Test

Am Bündchen wollten wird den bunten Jersey wiederholen und haben daher in die Bruchkante eine Paspel eingesetzt. Wie das geht, sieht man hier an der L850:

Der Paspelfuß für die BERNINA L850

Die Overlock hat alle Nähte am Hoodie zuverlässig gemeistert, auch über die Nahtkreuzungen mit Paspel oder Streberstreifen.

Wählbarer Nadelstopp

Im Anschluss folgte noch ein Kleid aus Interlockjersey, das wir hier aber noch nicht zeigen können. Zu diesem Schnitt gehört ein Beleg mit einer starken Kurve, der versäubert werden muss. Diesmal haben die Einstellungen vom Nähberater zur mittelschweren Wirkware gleich gepasst.

Für die enge Kurve war der Kniehebel eine Erleichterung, der Nähfuß kann immer wieder angehoben werden, um dem Stoff zu drehen. Das Plus der L860 ist hier aber der Nadelstopp unten. Schon die L850 hält immer mit der Nadel oben an und kann Halbstiche über den Fersenkick nähen, aber die L860 hat dazu eben noch die Möglichkeit, den Stopp umzuprogrammieren. Sobald man vom Pedal geht, bleibt die Nadel unten und man kann mit dem Kniehebel den Nähfuß anheben und den Stoff immer ein Stückchen weiter drehen. Fast wie bei der Nähmaschine (nur eben nicht so weit, weil ja noch die Kette da ist).

Kindershirt mit Flachnaht

An diesem Shirt haben wir mit gelb drei verschiedene Nähte verwendet, die am Saum stammt allerdings von der JANOME Cover Pro 3000P. Die Ärmel hat die BERNINA L860 gestaltet. Beide Nähte sind die selbe Flatlocknaht, nur von verschiedenen Seiten genäht und alle Fäden sind MADEIRA Aerofil. 

Wir wussten zwar schon, dass es eine 2-Faden-Flatlocknaht werden soll, aber hätten trotzdem gerne gewusst, welche Anpassung der Nähberater vorschlägt. Bei der Auswahl zur mittelschweren Strickware waren wir uns aber dann nicht so ganz sicher, ob „I“ wirklich die gewünschte Naht ist. Also die Hilfe benutzt. Die war jetzt auch nicht so hilfreich. Der Begriff Dekonaht wird wohl verwendet, weil bei anderen Stoffen auch die 3-Faden-Flachnaht aktiviert werden kann.

Entscheidet man sich dann allerdings für „I“, wird unten die Naht angezeigt und es handelt sich tatsächlich um die 2-Faden-Flachnaht mit der linken Nadel. Nur noch die rechte Nadel ausbauen, Konverter hochklappen (die Greiferabdeckung ist fest am Greifer verbaut) und Probenaht machen.

Wieder werden alle abweichenden Werte gelb dargestellt. Wir haben nach der Probenaht nur noch die Spannung der linken Nadel von 2.5 auf 2.9 erhöht.

Für die Ärmelteilung liegt der Leiterstich außen, am Bündchen der Greiferfaden. Beide Garne sind MADEIRA Aerofil, also ein normales Nähgarn.

Da das Bündchen auf Zug angenäht wurde, liegt der Greiferfaden hinterher nicht mehr so gleichmäßig, aber das war zu erwarten. Wir haben uns auch entschieden, das Bündchen vor dem Schließen der Seitennaht anzunähen. Der Nähfuß der L860 ist mit 5 Zentimetern ja doch eher lang. Dann noch die Seitennähte schließen, hier befindet sich MADEIRA Aeroflock in den Greifern.

Nach ein paar Nähten hat sich gezeigt, dass bei der 4-Faden-Sicherheitsnaht für uns die Spannung der Nadeln besser auf 5 steht statt auf 4.

Hier zeigt sich dann schon der Vorteil des Speicherns. Besonders, wenn man oft die Modelle wechselt oder gemeinsam an einer Maschine näht, hilft ein digitaler Speicher gegenüber den manuellen Stellrädern schon. Keine Notizen, kein Nachdenken, was die bevorzugten Einstellungen sind.

Raffungen in Viskosejersey

Bei diesem Schnittmuster von Burda muss das geteilte Vorderteil auf unterschiedliche Maße gerafft werden. Dafür haben wir den Differenzial benutzt. Die inneren Schnittkanten werden mit erhöhtem Differenzial und der Drei-Faden-Naht versäubert.

Dann zieht man den Nadelfaden heraus und kann die Stoffkante auf diesem Faden hin und her schieben, um exakt das im Schnitt angegebene Raff-Maß zu erreichen.

Das Nähen mit dem stark erhöhtem Differenzial auf diesem dünnen Viskosejersey war allerdings Überwindungssache. Der Stoff hat sich bereits unter dem Nähfuß in kleine Falten gelegt und man muss sich ständig beherrschen, den Stoff nicht glatt zu ziehen.

Die Fältchen müssen ja aber sein. Nachdem die Raffung auf Maß gezogen ist, wird sie kurzzeitig mit wasserlöslichem Heftgarn und wasserlöslichem Vlies fixiert, dann kann man beide Vorderteile mit der Overlock zusammennähen. Damit das Shirt die Länge behält, haben wir einen Streifen Transparent-Elastic eingenäht. Das geht wie oben gezeigt, mit dem Standardfuß. Das Band ist eigentlich einen Millimeter zu breit, aber das war kein Problem für die L860.

Mit den ersten Projekten haben wir uns schon sehr an die BERNINA L860 gewöhnt und möchten noch weiter testen, wie gut der Nähberater funktioniert und wir vielleicht doch irgendwann mal an ihre Grenzen stoßen. Aber bis jetzt sieht es aus, als wäre die L860 die perfekte Overlockmaschine für jeden, vom Anfänger bis zum absoluten Näh-Freak.

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Katja testet für uns den Brother SDX1550. Ihr bisheriger Plotter stand meist nur rum, es sieht so aus, als würde sich das jetzt ziemlich ändern 😁
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