Janome 230 DC Testbericht Titel

Die JANOME 230 DC im Test bei der Redaktion

Diesmal steht eine eher kleine Nähmaschine im Nähzimmer der Redaktion und muss zeigen, was sie kann. Andere hat sie schon überzeugt: Die JANOME 230 DC ist Preisleistungssieger im letzten Nähmaschinenvergleich bei Stiftung Warentest geworden.

Den Testsieger, die BROTHER Innov-is F400 haben wir hier schon beschrieben:

Die JANOME 230 DC hat zwar weniger Komfortfunktionen, aber diese sind zum Nähen ja nicht unbedingt notwendig. Was wir an dieser Nähmaschine schon mal gut finden:

  • Verstellbarer Nähfußdruck
  • Vernähtaste
  • Versenkbarer Transporteur
  • Geschwindigkeitsregler
  • Elastikstich
  • Integrierter Nadeleinfädler
  • Anschiebetisch inklusive

Was haben wir getestet?

Erster Eindruck

Gleich nach dem Auspacken durfte die JANOME 230 DC live gehen, und zwar auf Instagram. Man konnte online dabei sein, während wir uns die Nähmaschine das erste Mal genauer angesehen haben:

Die JANOME 230 DC auf IGTV

Die Bedienungsanleitung ist (leider) dreisprachig. Dabei landet Deutsch immer auf der Rückseite, wenn Bilder vorhanden sind. Wir finden, dass sind teilweise die Auslöser dafür, dass man kaum noch in eine Anleitung sieht. Tun Sie es trotzdem! Egal, wie lange man schon näht, eine neue Maschine bietet immer eine Funktion, auf die man von alleine nicht kommt. Oder es liegen Teile dabei, die man noch nicht kennt. Man muss sie ja nicht auswendig lernen, aber sie sollte zumindest immer griffbereit sein.

Da die Fädelwege aufgezeichnet sind, war das Aufspulen des Unterfadens ganz einfach. Die 230 DC braucht normale CB-Spulen. Die Anleitung vermittelt etwas den Eindruck, dass die Maschine bei voller Spule von selbst anhält, dem ist aber nicht so. Sie dreht sich lediglich nicht mehr, der Spulmotor läuft weiter. Zwar soll er nach zwei Minuten von alleine ausgehen (haben wir nicht getestet), aber wir raten hier einfach zum Spulen mit dem Pedal. Oberfaden einfädeln klappte problemlos, auch hier ist der Fädelweg markiert.

Hat man die Spule eingelegt, muss der Unterfaden manuell hochgeholt werden.

Für den Anfang nehmen wir uns immer ein Stück Webware, eine Universalnadel, MADEIRA Aerofil und nähen erst mal drauf los. Der Stoff wird gut transportiert, die Fadenspannung scheint etwas locker. Ehe wir uns diesem Thema widmen wollten, wurden erst mal die verschiedenen Stiche durchprobiert.

Stichauswahl

Die Stiche sind vorne auf dem Gehäuse aufgezeichnet und werden über das LC-Display ausgesucht. Rechts neben dem Display befinden sich Cursortasten. Mit den seitlichen Tasten wird ausgesucht, welcher Wert verändert wird, mit den beiden anderen wird dieser Wert im Anschluss verändert.

Pluspunkt für die Redaktion:

Der Elastikstich. Bei der 230 DC Stich Nr. 5 und 6. Mit ihm lassen sich dehnbare Stoffe zusammennähen. Wir haben zu diesem Stich hier schon mal was geschrieben: 

Da wir diesen Stich natürlich auf Jersey ausprobiert haben, kam auch gleich das Thema Nähfußdruck ins Spiel. Standardmäßig soll er auf 6 stehen, laut Anleitung kann er für dehnbare Stoffe bis auf 1 reduziert werden. Dies hat genau den gewünschten Effekt erzielt:

Oben im Bild auf Druck 6, unten auf 1. Dem Vernähen von Jersey steht also nichts mehr im Weg.

Los geht’s mit dem Nähen

Zum Einarbeiten wurde aber erst mal ein Quilt-Top fertig genäht. Die kleinen Stücke waren schon zusammengesetzt, nur noch die einzelnen Bahnen mussten genäht werden. Dies hat die 230 DC ohne Probleme geschafft. Da der Geradstich seitlich angepasst werden kann, war das Einhalten der Nahtzugabe ebenfalls einfach.

Dann blieb es doch erst mal bei Webware, die kleine Janome durfte Viskosesatin vernähen. Natürlich mit der passenden Nadel, einer Microtex von SCHMETZ. Allerdings ist es gerade bei so rutschigen Stoffen doch eine Umstellung, wenn man ohne Kniehebel und Transporteurversenkung arbeiten muss. Der Transporteur ist bei der Janome zwar versenkbar, aber bei dem vorher benutzten Modell gelingt das über den Kniehebel, man hat also beide Hände frei, um den Stoff unter dem Nähfuß zu platzieren.

Bluse aus Viskose

Auf der Stichplatte befinden sich Markierungen für die Nahtzugabe (sogar mit Winkeln), aber beim Nähen von Bekleidung bevorzugen wir die Stichführung von CLOVER. Beim Viskosesatin wurde viel mit Heftfaden gearbeitet, auch diesen kann mit mit der 230 DC sehr gut vernähen (MADEIRA Wash Away). Da die kleine Janome mit normalen CB-Spulen bestückt wird, konnte hier einfach die Spule mit dem Heftfaden aus einer BROTHER Nähmaschine verwendet werden.

Zwar ist der Blindstichfuß gut zum knappkantigen Absteppen geeignet, aber wenn man entlang einer Stelle mit mehreren Lagen näht, ist der Satinstichfuß auch hilfreich. Hier wurde die Blende des Ärmelschlitzes festgesteppt.

Hier noch was zum Anschiebetisch: Die Gummifüße sind höhenverstellbar, so dass der Tisch optimal angepasst werden kann. Sie sollten regelmäßig gereinigt werden. Der Tisch hat keine Befestigung an der Maschine und mit gut haftenden Füßen bleibt er immer auf seinem Platz. Nach dem Anschiebetisch kommt allerdings eine kleine Stufe, an der die Stoffklammern gerne mal hängen bleiben. Hier hebt sich die Stichplatte ein bisschen zu sehr vom Gehäuse ab.

Bis auf die Versäuberungen wurde die Bluse komplett mit der JANOME 230 DC genäht und dazu gehören dann auch zwei Knopflöcher. Hier gibt es gar nichts zu bemängeln, die Größe passt, die Raupe ist schön und auch die Rückseite kann sich sehen lassen.

Dann war es Zeit für Jersey

Wir wollten wissen, wie gut sich der anpassbare Nähfußdruck macht. Für normale Nähte zum Zusammennähen und zum Säumen hat die Verstellbarkeit gereicht, Probleme gab es allerdings bei der Versäuberungsnaht. Die Naht Nr. 9 soll es mit dem Nähfuß G ermöglichen, in einem Arbeitsgang zusammenzunähen und zu Versäubern. Allerdings hat sich dabei der Stoff doch gewellt. Hier im Beispiel sehen Sie normalen Baumwolljersey, bei dünneren Jerseys oder gar Viskose oder Modal wird das Wellen wohl noch stärker.

Wir haben das Versäubern der JANOME 230 DC dann von der Overlock abnehmen lassen. Für die Schulternähte war es ohnehin geplant, die Nahtzugaben auseinander zu bügeln, also kam da auch gleich METTLER Seraflex zum Einsatz. Ohne jegliche Anpassungen hat die 230 DC dieses Spezialgarn einwandfrei vernäht.

Der untere Saum wurde mit dem Leiterstich genäht (Anleitung dazu HIER), die Ärmelsäume mit dem Stich Nr. 22, weil er uns optisch einfach zu den Kringeln auf dem Stoff gefallen hat.

Das nächste Einsatzgebiet war dann der sogenannte Streberstreifen. Hier haben wir den Fußdruck auf 1 gestellt, die Stichlänge auf 3 und so hat das Annähen problemlos geklappt.

(Das Tutorial dazu finden Sie am Ende dieses Testberichts)

Wieviele Lagen Jeans schafft die Janome 230 DC?

Wie in unserem Beitrag zum Thema Lagenanzahl erwähnt, ist das keine exakte Leistungsangabe. Es war zwar gerade eine Jeans in Arbeit, aber aus Spezialstoffen und noch weit entfernt vom Saum, daher wurde ausnahmsweise mal eine Nähsituation simuliert.

Hier handelt es sich um den Reflektorjeans von Zuleeg, der ist nicht gerade dünn.

Für einen Saum wurde eine Röhre genäht, die Kanten mit dem Zickzack versäubert. Dann haben wir einen Saum eingeschlagen und ihn extra NICHT gebügelt.

Die 230 DC hat den Saum solide genäht. Wir haben zwar den schwarzen Knopf getestet, nötig war es aber noch nicht.

Normaler Zweck also erfüllt. Aber da ja immer gefragt wird …

Also den Saum nochmal eingeschlagen.

Eine Lage mehr, kein Unterschied. Nochmal einschlagen.

Jetzt rutscht der Nähfuß nach der Stufe den Berg hinunter und es entsteht ein längerer Stich.

Nach einem weiteren Einschlag (also 6 Lagen plus NZG) kam der erste Fehlstich. Mit Bügeln und einer Hebamme wäre das sicher noch machbar. Wir finden, da schlägt sich die kleine JANOME gut. (wir nähen hier mit einer Superuniversalnadel in 90).

Das „Hosenbein“ haben wir dann zerschnitten und immer wieder unter den Nähfuß gelegt. Bei 14 Lagen wurde der Faden dann nicht mehr verschlungen, die Nadel kam aber noch durch den Stoff. Allerdings stößt dann die Nadelhalterung an den Nähfuß, es ist also aus technischen Gründen einfach kein Platz mehr.

Kunstleder und Leder

Dann kam noch Kunstleder dran, hier ein eher steifes. Ab Lage 5 gab es Aussetzer. Zum Vergleich: Die JUKI Kirei NX7 schafft davon 10, die BERNINA B790 plus mehr als 12 Lagen.

Und zu guter Letzt noch Echtleder. Hier handelt es sich um mittleres Puschenleder. Erstaunlicherweise ging hier erst mal gar nichts. Selbst bei zwei Lagen fand keine Verschlingung statt. Wir haben diverse Nadeln getestet, den Fußdruck verstellt, den Nähfuß getauscht. Eine Naht kam erst zustande, als wir den Stich gewechselt haben. Am Anfang hatten wir den Geradstich mittig. Mit dem Geradstich linksseitig hat die 230 DC dann bis vier Lagen gut gearbeitet, ab der fünften Lage setzte sie aus.

An der aktuellen Jeans durfte die 230 DC dann doch noch ein paar Nähte erledigen. Mit der Kombination aus Jeans und abriebfesten Stoff hatte sie beim Durchstechen zwar keine Probleme, aber der Stoff ist sehr rutschig und musste daher extrem geführt werden. Mit hohem Nähfußdruck wurde er geschoben, mit niedrigem rutschte das Projekt weg. Machbar, aber anstrengend. Die Steppnähte hat sie mit MADEIRA Aerofil 35 zwar genäht, aber dabei quietschte etwas in der Oberfadenspannung.

Quilten

Das Zubehör  zum Quilten ist zum größten Teil nicht im Lieferumfang enthalten. Für ersten Projekte wäre es jedoch möglich, ganz normal mit dem Standardnähfuß und dem Transporteur zu quilten.

Mit dem optionalen Paspelfuß gab es dann ein gequiltetes Kissen. Hierfür wurden Stoffstücke in 20 Grad Abschnitten vorbereitet und in die Mitte eine Kordel eingenäht.

Diese wurden dann wie bei Quilt-as-you-go auf ein Vlies und einen Rückseitenstoff genäht, frei gestaltet als Welle.

Die Seitenteile sind appliziert und die Kante sollte mit dem Blindstichfuß angenäht werden. Dieser kam jedoch nicht so schön über die Stufen der Paspelierung.

Also durfte ein weiterer optionaler Nähfuß ran. Der Raupennahtfuß hat einen anbaubaren Aufsatz, der die gleiche Funktion hat wie der Blindstichfuß. So konnte ganz knapp an der Kante genäht werden und durch die Raupen kam die 230 DC schön über die Stufen. Im Prinzip ähnlich wie ein Obertransportfuß, aber etwas kleiner und schneller montiert. Da bei der JANOME Nähmaschine die Nadel-Stopp-Position programmiert werden kann, ist Nähen von Kurven ganz einfach. Einmal auf die Taste gedrückt, hält sie immer mit der Nadel unten an. So kann beim Drehen nichts verrutschen.

Sie finden dazu einen Beitrag hier auf dem nähRatgeber: Der Raupennahtfuß von JANOME.

So sieht das Kissen am Ende aus. Eine Anleitung folgt demnächst.

Danach gab es ein Sandwich aus zwei Lagen Baumwollwebware mit Style-Vil dazwischen, die mit dem Dreifach-Zickzack abgesteppt wurden. Dies hat die JANOME 230 DC problemlos (mit gesenktem Nähfußdruck) erledigt.

Dieses Sandwich wurde zu einem Täschchen weiter verarbeitet.

Hier gab es den Vergleich zwischen Annähen mit dem Bandeinfasser am Raupennahtfuß und normalem Annähen. Sowohl beim Absteppen des Schrägbands als auch beim Annähen auf dem Reißverschluss zeigte sich der Stainstichfuß als hilfreich, um genau an der Kante zu nähen.

Diese Amy von Das mach ich nachts ist dann daraus entstanden. Die JANOME 230 DC hat hier ordentlich gearbeitet. Deshalb gab es auch gleich noch eine zweite Amy. Bei dieser haben wir mit dem Pailletten-Nähfuß eine Kordel aufgenäht.

Freihandquilten haben wir auch getestet, dieser Nähfuß ist aber ebenfalls nicht im Lieferumfang enthalten. Die 230 DC hat ohne viel Anpassungen ein schönes Stichbild erzeugt und auf dem Anschiebetisch war das Bewegen des Quilts natürlich bequem. Sehr groß war er allerdings nicht, ca. 40 x 40 cm.

Unser Fazit:

Klein, aber fein. Die JANOME 230 DC bietet solide Leistung in ihrer Preisklasse. Der verstellbare Nähfußdruck sorgt dafür, dass verschiedenste Stoffe verarbeitet werden können, ohne dass man gleich auf optionales Zubehör zurückgreifen muss. Obwohl die Auswahl ja wirklich reichhaltig wäre (wir haben davon im Test auch einiges verwendet).

Die handliche Maschine ist schnell aufgebaut und kann mit der Haube sicher transportiert werden. Der Anschiebetisch erweitert die Nähfläche, was viele Nähprojekte wirklich erleichtert. Und auch der integrierte Einfädler beschleunigt die Vorbereitungen.

Das Nähgeräusch ist in allen Geschwindigkeiten angenehm, allerdings fängt sie bei dicken Lagen leicht an zu klackern.

Mit den passenden Nadeln und dem richtigen Stich ist das Nähen von den gängigsten Stoffarten möglich. Bei sehr dünnen Stoffen ist das Stichbild allerdings nicht immer optimal und lässt sich auch über die Fadenspannung nicht wesentlich verbessern. Bei extrem dicken Stoffen ist dann irgendwann Schluss mit der Stichbildung, aber erst in einem Bereich, der für diese Preisklasse vollkommen akzeptabel ist.

Wir haben in der Redaktion gerne mit der JANOME 230 DC genäht und können sie sowohl für Anfänger als Hauptmaschine als auch für Fortgeschrittene als Zweitmaschine zum Mitnehmen empfehlen. 

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