Zwillingsnadel Schmetz

Nähen mit der Zwillingsnadel

Zwillingsnadeln erhalten Sie bei uns in verschiedenen Ausführungen und Breiten. Welche Zwillingsnadel ist für welchen Einsatzzweck geeignet? Was mache ich, wenn eine Wulst zwischen den Reihen entsteht? Darf ich die Zwillingsnadel in meiner Nähmaschine überhaupt verwenden?

Diese und weitere Fragen rund um die Zwillingsnadel möchten wir hier klären.

Darf man bei dieser Nähmaschine eine Zwillingsnadel verwenden?

Es gibt Nähmaschinen mit einem sogenannten „Zwillingsnadelmodus“. Hat man dann ein Modell ohne so eine Taste oder ein Programm, fragt man sich schon, ob man diese Nadeln dann überhaupt verwenden darf.

Grundsätzlich können Sie bei jeder normalen Haushaltsnähmaschine eine Zwillingsnadel einsetzen, die mit dem Nadelsystem 130/705 arbeitet. Wichtig hierfür ist ein zweiter Garnrollenhalter.

Nur mit einem zweiten Halter kann das Garn optimal ablaufen. Ein zusätzlicher Halter ist entweder in der Nähmaschine integriert oder liegt dem Zubehör bei. Je nach Modell mal stehend oder auch liegend. Hier sehen Sie zwei liegende Halter bei der JUKI UX8.

Bei der 7er Serie von Bernina ist der zweite Halter zum hochklappen. Damit sich die stehende Spule gut drehen kann, sollte ein Schaumstoffteller untergelegt werden.

Den Mega Spool Stand von HUSQVARNA VIKING können Sie auf viele stehende Garnrollenhalter stecken und so läuft der Faden perfekt ab.

Solange Sie den Geradstich mittig nähen, ist die Zwillingsnadel für keine Nähmaschine ein Problem.

Wofür dient dann der Zwillingsnadelmodus?

Diese Funktion kann je nach Modell auf verschiedene Arten aktiviert werden.

Mal gibt es eine Taste, wie bei diesen beiden Modellen. Mal findet man ihn im Menü. Dort sogar noch mit der Auswahlmöglichkeit verschiedener Breiten.

Dieser Modus begrenzt die seitliche Bewegung der Nadelstange, so dass die Nadel nicht versehentlich auf die Stichplatte kommt.

Wie breit darf die Zwillingsnadel sein?

In vielen Anleitungen finden Sie den Hinweis „Verwenden Sie nur Zwillingsnadeln in Breite 2 mm“. Dies ist vor allem bei Nähmaschinen mit Zwillingsnadelmodus ohne weitere Einstellmöglichkeit der Fall. Das kommt daher, dass der Maschine über den Zwillingsnadelmodus mitgeteilt wird, dass sie die volle Stichbreite nicht mehr nutzen darf.

Geht man von einer Stichbreite von 7 mm aus, geht eine Zwillingsnadel mit 2 mm Breite immer einen Millimeter außerhalb der Mitte nach unten. Der Zwillingsnadelmodus begrenzt die Stichbreite dann auf 5 mm. Man kann also im Geradstich nicht mehr ganz nach rechts oder links und bei Zierstichen wird nur noch mit einer Breite von 5 mm genäht, was durch den seitlichen Versatz der Zwillingsnadel dann wieder 7 mm ergibt.

Besteht die Wahl bei der Breite, passt die Maschine die maximale Stichbreite passend zur gewählten Zwillingsnadel ein. Ihre Nähmaschine vermeidet so also Nadelbruch. Aber das können Sie ja auch selbst. Wenn Sie eine Zwillingsnadel mit 4 mm Breite einsetzen und Ihre Nähmaschine eine maximale Stichbreite von 7 mm hat, dürfen Sie die seitliche Position höchstens um 1,5 mm verändern.

Damit Sie nicht immer nachrechnen müssen, können Sie die Nadel auch einfach montieren und mit den Handrad langsam nach unten drehen. Sie darf an der Stichplatte oder darunter nichts berühren.

Wozu braucht man bei einer Zwillingsnadel überhaupt seitliche Bewegung?

In den meisten Fällen näht man mit einer Zwillingsnadel zwei parallele, gerade Linien. Aber man kann damit auch hübsche Ziernähte nähen!

Je nach Nähmaschine geht das in verschiedenen Breiten. Bei 9 mm Stichbreite sind natürlich breitere Muster möglich. Am besten werfen Sie dazu einen Blick in die Anleitung Ihrer Maschine.

Hier sehen Sie vier Zierstichreihen, genäht mit der BERNINA B790 PLUS.

1. Stich Nr. 308

2. Stich Nr. 308 mit der Zwillingsnadel 4,0 mm.

3. Stich Nr. 501 mit der Zwillingsnadel 4,0 mm.

4. Stich Nr. 501

Aktivieren Sie die Zwillingsnadel, wird die Breite begrenzt. Dabei zeigt die Maschine in diesem Fall sogar die Doppelnaht im Display an.

Die Länge bleibt allerdings gleich und dann würde der Stich gedehnt aussehen, wir haben daher die Stichlänge reduziert.

Die unteren Reihen sind mit dem Quertransport genäht, auch das ist mit der Zwillingsnadel möglich. Durch die Überlappung entsteht ein toller Effekt.

Einfädeln für die Zwillingsnadel

Das gründliche Studieren der Bedienungsanleitung gilt auch für das Einfädeln, denn das ist je nach Modell immer etwas anders. 

Bei vielen Modellen wird darauf hingewiesen, einen Faden rechts und einen Faden links der Spannungsscheibe vorbeizuführen.

Hier zu sehen bei der BERNINA B790 PLUS. Bei der JUKI UX8 dagegen werden beide Fäden ab dem Einfädelpunkt B gemeinsam nach unten geführt.

Über der Nadel ist es dann wieder bei fast allen Nähmaschinen gleich, der Faden der linken Nadel wird hinter den Bügel (6) gelegt, der Faden der rechten Nadel nicht. Aber gerade bei solchen Feinheiten ist die Anleitung zu Ihrem Modell ausschlaggebend und sollte in jedem Fall befolgt werden.

Denn bei BERNINA zum Beispiel werden beide Fäden zusammen durch die letzte Führung gezogen.

Vernähen mit der Zwillingsnadel

Sie können mit der Zwillingsnadel auch vernähen. Da jedoch doppelt so viel Faden verwendet wird, sollten Sie einfach etwas vorsichtig sein. Beim Vernähen auf der Stelle am besten nicht so viele Stiche verwenden wie sonst, denn das ergibt ein Knäuel auf der Unterseite. Beim Vernähen mit Rückwärtstichen maximal zwei Stiche rückwärts nähen.

Sie können die Anfangs- und Endfäden aber auch einfach hängen lassen und bei Bedarf verknoten, falls Sie nicht ohnehin nochmals über diese Stelle nähen.

Einstellen der Fadenspannung

Die richtigen Fadenspannung für die Zwillingsnaht ist ein Thema, über das oft diskutiert wird. Hier sei schon mal angemerkt: Der ursprüngliche Zweck der Zwillingsnadel war das Nähen von Biesen.

Der Unterfaden zieht dabei die Oberfäden zusammen und der Stoff dazwischen wird nach oben gedrückt. Aktuell wird die Zwillingsnadel jedoch oft zum Säumen verwendet, meist bei dehnbaren Stoffen. Hier möchte man natürlich keine Wulst zwischen den Nähten und am besten noch eine dehnbare, strapazierfähige Naht.

Bildet Ihre Nähmaschine auf der Rückseite eine schöne Zickzacklinie, können Sie die weiteren Einstellungen an der Oberfadenspannung vornehmen. Gegen eine Wulst kann diese noch reduziert werden.

Wird jedoch viel Oberfaden auf die Rückseite gezogen oder bildet der Unterfaden fast eine gerade Linie, müssen Sie an der Unterfadenspannung nachstellen.

Sie sehen hier einen Vergleich auf Single-Jersey zweilagig. Bei der Zwillingsnadel mit nur 2 mm Breite sind kaum Unterschiede zu erkennen, bei der mit 4 mm Breite jedoch schon.

A: Reduzierte Unterfadenspannung

B: Standardeinstellungen

C: Erhöhte Oberfadenspannung

Wie Sie die Fadenspannungen einstellen, können Sie hier nachlesen: Die Fadenspannung richtig einstellen – aber wie?

Bei Bernina geht es etwas anders, das erklären wir hier: Zwillingsnadel auf Jersey – geht auch bei Bernina!

Deutlicher wird es, wenn man schon mal am Stoff gezogen hat:

Die Naht mit der reduzierten Unterfadenspannung (links) bildet auf Zug weniger Wulst als die beiden anderen, während beim schmalen Abstand kaum etwas zu sehen ist.

Je schmaler der Abstand also ist, desto leichter kann mit der Zwillingsnadel auch Jersey gesäumt werden.

Wenn Sie oft mit der Zwillingsnadel säumen und nicht ständig an der Unterfadenspannung einstellen möchten, besorgen Sie sich eine zweite Spulenkapsel. Eine dient dann zum normalen Nähen, eine wird für die Zwillingsnadelnaht gelockert.

Eine Wulst bildet sich zwischen den beiden Reihen

Wie oben erwähnt, soll das ja eigentlich auch so sein, eine Biese erhebt sich nun mal nach oben. Wollen Sie Säumen, müssen Sie dann die Spannungen lockern. Reicht das nicht, können Sie noch mit Vlies arbeiten.

Legen Sie wasserlösliches Vlies (oder Folie) oben auf die Naht. Das Vlies stabilisiert die Fäden, die Naht bekommt mehr Faden und der Stoff wird nicht nach oben gedrückt. Schneiden Sie das Vlies knapp zurück, es löst sich bei der ersten Wäsche vollständig auf. Auch wenn die Versuchung groß ist, die dünne Folie einfach abzureißen, dabei zerren Sie an den Fäden und die Naht kann sich dadurch unschön verschieben.

Am besten nähen Sie bei dehnbaren Stoffen nicht zu knapp an der Kante. Auch der Versuch, die Kante mit dem Unterfaden zu verdecken, ergibt meist eine Wulst oder unruhige Naht. Wenn Sie genug Zugabe haben, schlagen Sie den Saum 0,5 bis 1,0 cm weiter um und schneiden den Überstand nach dem Säumen mit einer Applikationsschere zurück.

Sehr weicher Stoffe wie dieser Viskosestrick lassen sich meist leichter verarbeiten, wenn der Saum doppelt eingeschlagen wird. So franst er nicht aus und der Saum ist schön stabil.

Biesen nähen mit der Zwillingsnadel

Biesen sind dekorative Nähte, die sich vom Stoff abheben und können auf verschiedene Arten verwendet werden. Nicht nur bei Bekleidung, auch beim Quilten oder bei Heimdeko kommen Sie zum Einsatz.

Hier können Sie die Fadenspannung umgekehrt nutzen. Je höher die Spannung, desto mehr tritt die Wulst hervor. Dabei können je nach Modell sogar direkt Schnüre eingearbeitet werden.

Wie man Biesen nähen kann, zeigen wir Ihnen in diesem Beitrag: Tutorial von Selbermachen-macht-glücklich – Biesen nähen

Bild: Susanne Menne

Auch beim Quilten erzeugt die Zwillingsnadel interessante Effekte. Sie kann beim Freihandquilten verwendet werden, um die Linien zu betonen. Beim Absteppen von Stylevil entsteht ein gegenteiliger Effekt, die Nähte gehen nach innen.

Steppnähte mit der Zwillingsnadel

Mit einer Zwillingsnadel können ganz einfach parallele Linien genäht werden, das Absteppen von Nähten zur Stabilisierung liegt also auf der Hand. Es gibt sogar eine spezielle Zwillingsnadel für Jeans in der Stärke 100. Diese benötigen Sie jedoch nur bei echtem Denim. Für die aktuell oft verwendeten, eher dünnen Jeansstoffe mit Elasthan reicht eine normale Zwillingsnadel.

Bei der JUKI UX8 finden Sie den Hinweis, nur Garne „kleiner als Nr. 60“ zu verwenden. Diese Bezeichnung ist auch wieder etwas verwirrend. Kurze Erklärung: Je höher die Zahl (bei Angabe Nr. oder No.), desto feiner das Garn. Normales Nähgarn liegt hier bei Nr. 100 oder Nr. 120.

Wenn wir also, wie oben im Bild, mit GÜTERMANN Denim No. 50 nähen, ist das eigentlich nicht mehr anzuraten. Die UX8 hat es trotzdem problemlos verarbeitet und es entsteht eine schöne Naht in der Optik einer industriellen Kappnaht. Wie sich in anderen Tests auch schon gezeigt hat, ist Denim No. 50 im Gegensatz zu anderen Jeansgarnen oder reißfesten Garnen fast immer leichter zu verarbeiten.

 

Nun sollten Sie keine Angst mehr haben, ab und an eine Zwillingsnadel zu verwenden, sei es für dekorative Zwecke oder für Bekleidung. Lesen Sie dazu auch unsere weiteren Beiträge unten. Zu den speziellen Zwillingsnadeln (Sticken, Metallic) sind Beiträge in Arbeit. 

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