Stickschrift Stickmaschine sticken

Schriften sticken – was ist möglich mit der Stickmaschine?

Rund um das Thema „Stickschriften“ gibt es viele Fragen und Probleme. Ein Teil davon entsteht, wenn man nicht einkalkuliert, dass Sticken nicht wie Plotten oder Drucken funktioniert. Wir möchten hier erklären, wo die Beschränkungen beim Umsetzen von Stickschriften liegen und natürlich auch aufzeigen, mit welchen Tricks das Ergebnis besser aussieht.

Wo liegen die Grenzen beim Sticken von Buchstaben?

Dafür gibt es keinen fest definierten Wert. Denn es kommt darauf an, um welche Schrift es sich handelt und mit welchem Stich sie digitalisiert wurde. Auch der Untergrund entscheidet mit über das Ergebnis. Begibt man sich auf die Suche nach fertigen Stickschriften, findet man von einer drei Millimeter kleinen Schrift etwas, bis hin zu 20 Zentimeter hohen Buchstaben. Möglich ist viel, wenn man gut Digitalisieren und Sticken kann. 

Mit der Zeit werden Sie einen Blick dafür entwickeln. Wenn Sie viel mit Texten arbeiten möchten, sollten Sie sich mit einer Sticksoftware beschäftigen. Vorgefertigte Buchstaben sind in den Anpassungsmöglichkeiten begrenzt.

Sticken ist wie Schreiben mit Stiften

Mit einem Drucker oder Plotter ist viel möglich bei Schriften. Das sieht man schon, wenn man die Zutatenliste auf einer Lebensmittelverpackung lesen möchte. Klein, oder?

Sticken dagegen ist eher wie Schreiben mit der Hand, aber mit einem Filzstift. Das Schreiben geht mit einem Kugelschreiber, Bleistift oder Füller gut, solange man sich innerhalb einer bestimmten Größe bewegt. Schreiben Sie jedoch mit einem Filzstift das Gleiche, wie mit einem Bleistift, sieht es hinterher ganz anders aus. Sie müssen größer schreiben, damit man es noch lesen kann.

Oder versuchen Sie mal, mit einem Filzstift große Buchstaben mit über fünf Zentimetern Höhe zu malen. Dann wechseln Sie schnell auf Kontur und Ausmalen. Und je nach Papier fängt das dann schon mal an, sich zu wellen.

Integrierte Stickschriften in der Stickmaschine

Jede aktuelle Stickmaschine bringt bereits Stickschriften mit. Hier ist die Auswahl unterschiedlich groß. Falls die integrierten Schriften kaufentscheidend sind: Je nach Marke oder Modell kann man sich die Schriften (wie hier) im Simulator ansehen oder es befindet sich eine Liste in der Bedienungsanleitung. Diese Schriften werden dann immer in einer vorgegebenen Größe geladen. Teilweise (z.B. bei JANOME, PFAFF oder HUSQVARNA VIKING) gibt es eine Schrift auch in verschiedenen Größen.

Tipp vom nähRatgeber:

Bei HUSQVARNA VIKING und PFAFF finden Sie aktuell auf der deutschen Homepage kein Stickdesignbuch. Wenn Sie trotzdem einen Blick auf die enthaltenen Motive werfen möchten, wechseln Sie rechts oben die Ländereinstellung auf Amerika/USA/Englisch, dann finden Sie beim jeweiligen Modellen das “Sampler Book”.

Schriften hinzufügen

Es ist (bis jetzt) bei keinem Hersteller möglich, weitere Schriften in das Schriftenmenü zu laden. Kaufen oder digitalisieren Sie also eine Schrift, muss diese wie eine normale Stickdatei Buchstabe für Buchstabe geladen werden und kann nicht mit dem Funktionen der Maschine (wie z.B. Biegen) bearbeitet werden. Wenn Sie das machen möchten, brauchen Sie eine Sticksoftware. Aber auch hier gibt es Unterschiede. Die Bearbeitungsmöglichkeiten sind je nach Leistungsumfang verschieden. Das würde hier allerdings den Rahmen sprengen, weiterführende Beiträge dazu finden Sie ganz unten verlinkt.

Der Satinstich

In den meisten Fällen sind integrierte Stickschriften im Satinstich erstellt. Das ist gut zu erkennen, wenn man etwas näher herangeht.

Wären Schriften mit einem Geradstich erstellt, wären sie einheitlich dünn, was das Erstellen von großen Buchstaben verhindert, aber auch die lebendige Optik von Schreibschriften durch dicke und dünne Stellen. Gerade dieser Satinstich sorgt aber oft für eine unruhige Optik, weil die Umrandung dann schnell fransig wirken kann.

In einem Bereich von 15 bis 35 mm kommt man mit einem Satinstich gut aus. Der Schriftzug auf dem Bild ist 18 mm hoch und auf einem eher festen Wolljersey gestickt.

Hier sehen Sie eine Schrift, die mit einer JANOME-Stickmaschine gestickt wurde. Sie ist in drei Größen enthalten und wurde auf Wolljersey mit Abreißvlies gestickt. Die drei Schriftzüge haben dabei eine Größe von 32, 21 und 13 Millimetern. Betrachtet man das Wort GROSS, kann man verstehen, warum es die Schrift nicht noch größer gibt, die Satinstiche würden einfach zu lang werden.

Und wie man sehen kann, wird es bei der kleinsten Größe schwierig, der Stoff beginnt, sich zu wellen und das Wort wirkt unruhig.

Die Höhe beim Wort in pink beträgt nur 11 Millimeter (im Gegensatz zu „klein“ mit 13 mm), jedoch lässt es sich trotzdem besser lesen. Bei gleicher Stichart kann also die Art der Schrift einen Unterschied ausmachen. Würde die Schrift aber noch kleiner, wäre der Satinstich an den schmalen Stellen einfach zu eng, empfindliche Stoffe würden dann schon reißen. Bei dehnbaren Stoffen ist die Verwendung von wasserlöslichem Vlies auf der Oberseite sinnvoll, damit die Stiche nicht versinken. Auch das erhöht die Lesbarkeit.

Der Geradstich

Einige Stickmaschinen bieten die Möglichkeit, Nähschriften in den Stickmodus zu übertragen, es gibt Sticksoftware mit integrierten Schriften im Geradstich und man findet auch Kaufalphabete in dieser Stichart.

Im Geradstich kann, je nach Material und Garn, sehr klein gestickt werden. Unsere Serie „Noch näh-Schrift“ beinhaltet drei Größen (5, 10 und 15 mm), Mysewnet geht noch etwas weiter. Dort finden Sie eine Stickschrift, die mit einem Bereich ab 3 mm angegeben wird.

Allerdings heißt die Bereichsangabe nicht automatisch, dass das auch immer gut lesbar ist. Dazu müssen auch die anderen Komponenten passen (Vlies, Garn, Stoff), aber zumindest bietet die Software die Möglichkeit, es mit wenigen Klicks zu versuchen.

Hinweis:

Sticksoftware enthält meist fertige Stickschriften, aber auch die Möglichkeit, eigene TrueType-Schriften in Stickmuster umzuwandeln. Ein Geradstich kann jedoch nicht automatisch anhand von TrueType erzeugt werden, es handelt sich hier immer um Füllflächen.

Andere Füllstiche

Es muss ja nicht immer der Satinstich sein.

Dass dieser Stich beim Sticken Probleme bereiten wird, ist ja schon abzusehen. Viele Stickmaschine weigern sich ohnehin, zu lange Satinstiche zu sticken und wandeln sie in mehrere Etappen um (bei BERNINA können Sie diesen Wert selbst verändern).

Hier sehen Sie bei der Software WILCOM Hatch Digitizer 3 verschiedene Füllstiche, die nicht nur für weniger Verzug sorgen, sondern auch gut aussehen.

Wenn Sie die Sticheigenschaften weiter anpassen (Dichte reduzieren), klappt das auch besser auf schwierigen Stoffen.

Mysewnet bietet eine große Auswahl an Schriften, die bereits mit interessanten Füllungen versehen sind.

Wenn die Buchstaben sehr groß werden sollen, kann man auch mit Applikationen arbeiten. Hier gibt es ebenfalls bereits fertige Schriften in der Software, oder die Stickmaschine bietet dazu eine spezielle Funktion an (PFAFF Creative Icon – Applikationsassistent). 

Diese Schriften kann man auch ohne Füllung verwenden, die reine Umrandung spart Stickdichte. 

Was sonst noch über das Ergebnis entscheidet

Die Schriftart

„Nimm eine Schrift ohne Serifen!“ Auch schon mal gehört? Was sind Serifen und warum haben sie Einfluss auf das Stickbild?

Serifen sind die kleinen Enden an den Buchstaben.

Das Thema Satinstich hatten wir ja schon und wenn man sich das Bild näher ansieht, kann man auch hier schon erahnen, dass die spitz zulaufenden Stellen mit einem Satinstich für Unruhe im Stichbild sorgen werden. Auch gerade Serifen können beim Sticken Probleme bereiten, das Vlies reißt an diesen Stellen gerne mal ein.

Aber es ist nicht alles Serife, was Schwierigkeiten macht. Die angehängten Kreise und Verdickungen der oberen Schrift können auf dünnen Stoffen auch für Wellen oder Löcher sorgen. Die Schrift darunter hat nur angedeutete Verbreiterungen, wird sich aber mit Sicherheit leichter sticken und lesen lassen.

(Stickschriften Mysewnet)

Der Stoff

Ob man eine kleine Schrift noch lesen kann, hängt auch vom zu bestickenden Material ab. Webware, Wirkware, Leder, der gleiche Buchstabe kann hier sehr unterschiedlich aussehen.

Auf Kunstleder mit vliesartiger Rückseite ist die Darstellung meist sehr gut.

Stickschriften: Cyncopia Scribble, nähPark Noch-näh-Schrift

Sticken Sie auf Jersey, sollten Sie die Oberseite mit wasserlöslicher Folie abdecken, um das Versinken der Stiche im Stoff zu vermeiden. Die Stricktechnik von Stoffen wie Jersey, Lycra oder Sweat kann unruhige Kanten erzeugen, da die Maschen oft in verschiedene Richtungen verdrängt werden.

Dabei ist es aber auch nicht bei allen gestrickten Stoffen gleich. Hier auf Sommersweat sind kaum Unterschiede zu sehen.

Auf einem dünnen Single-Jersey dagegen schon. Oben wurde mit wasserlöslichem Vlies auf der Oberseite gestickt. Auf der Rückseite haben wir mit selbstklebendem Vlies gearbeitet, was für die Stabilität nicht gerade optimal ist, wie rechts am K zu erkennen. Und stellenweise kommt der Unterfaden hoch (für den Test extra in schwarz statt weiß). Es ist also immer eine Kombination aus den verschiedenen Eigenschaften. Für ein perfektes Ergebnis müssen alle Parameter stimmen.

Stickschrift Mesa, enthalten in der HUSQVARNA VIKING Designer Ruby 90

Selbst bei ähnlichen Stoffen sind Unterschiede zu erkennen. Hier sehen Sie Webware, beides Baumwoll-Leinenmischung. Der gröbere Stoff hat 17 Fäden pro Zentimeter, der feinere 25. Die untere Schrift ist mit MADEIRA Rayon gestickt, die obere mit dem dünneren MADEIRA Sensa Green. Die Buchstaben selbst haben eine Größe von nicht mal 5 Millimetern.

Das Garn

Damit wären wir auch beim Thema Garn. Stickgarn ist eben nicht Stickgarn. Die meisten Stickgarne werden mit No. 40 angegeben, aber wie wir in unserem Garn-Beitrag erwähnen, müssen sie deswegen noch nicht gleich dick sein. Aber es dient als Anhaltspunkt.

Hier sehen Sie wieder den Vergleich zwischen Sensa Green (oben) und Rayon (unten) von MADEIRA. Beide sind mit No. 40 angegeben, aber Sensa Green ist durch das Material und das Spinnverfahren etwas dünner als Rayon.

Manche Stickgarne erhalten Sie auch in der Stärke 60, also dünner (z.B. BRILDOR PB 60). Wenn Sie extrem klein sticken möchten, sollten Sie sich mit dieser Stärke (und der passenden Nadel, dem passenden Unterfaden) beschäftigen. Machen Sie auf den meist verwendeten Stoffen am besten selbst Vergleiche und legen Sie sich eventuell einen kleine Vorrat an 60er Garnen für Schriften zu. Wenn Sie selbst digitalisieren, testen Sie auch, ob es sinnvoll ist, für 60er Garne die Stichdichte beim Satinstich zu erhöhen, damit die Kanten nicht fransig wirken.

Ändern der Größe bei einer Stickschrift

Die meisten Stickmaschinen bieten mittlerweile die Möglichkeit, Motive und Schriften um bis zu 20 Prozent zu vergrößern und verkleinern.

Das heißt nicht, dass das Ergebnis dann auch immer gut aussieht. Denn die Stichdichte wird in diesem Fall (anders als bei einer Software-Vollversion und dem Maschinenformat) nicht angepasst.

Wir haben eine integrierte Schrift in Orginalgröße auf Wolljersey gestickt und direkt darunter die verkleinerte Version. Diese Schrift ist in der JANOME M17 in drei Größen enthalten (S, M und L). Das ergibt einen Wechsel von 30 mm auf 24 mm. In dieser Größe ergibt das noch ein gutes Stichbild.

Betrachtet man dagegen die gleiche Schrift in der kleinsten Größe, erzeugt das weitere Verkleinern um 20 Prozent schon einige Probleme (10 auf 8 mm).

Zumal das Bearbeiten auch kombiniert werden kann. Theoretisch kann man diese Texte an der Maschine erstellen (mit verkleinerten Schriften) und dann in einer App nochmals verkleinern (Beispiel JANOME M17 mit E-link-App).

Wenn Sie also eine Schrift in der Stickmaschine verkleinern, denken Sie daran, dass die Anzahl der Stiche nicht angepasst wird. Es werden folglich mehr Stiche pro Quadratzentimeter gestickt. Die Ausnahme bilden hier einige Stickmaschinen von BERNINA, die zusätzlich zur Veränderung der Größe auch eine Veränderung der Stichdichte berechnen können.

Umgekehrt gilt das natürlich auch für das Vergrößern. Die Stichdichte ist dann geringer und der Satinstich kann schnell fransig wirken.

Stickschriften – ein Kapitel für sich

Sie sehen also, Schriften sticken ist neben dem Sticken von Motiven ein ganz spezielles Thema. Aber mit ein paar Probestickereien werden Sie schnell den optimalen Weg finden. Sieht die Schrift nicht gut aus, betrachten Sie folgende Punkte:

  • Stichart
  • Stichdichte
  • Größe
  • Stoff
  • Vlies
  • Garn

Für eine Korrektur sollte immer nur ein Parameter geändert werden.

Mit der Zeit werden Sie ein Gefühl dafür bekommen, was möglich ist und was nicht. Wenn es gar nicht stickbar ist, gibt es ja immer noch andere Möglichkeiten (Plotter) oder vielleicht finden Sie auch Gefallen daran, sich in eine Sticksoftware einzuarbeiten und händisch Ihre ganz persönliche Stickschrift zu entwerfen.

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