Saum Covermaschine

Erste Schritte an der Covermaschine

Was das Nähen angeht, beobachtet man meist die Anschaffung von drei Maschinentypen. Ganz am Anfang steht die Nähmaschine, mit der Zeit kommt oft noch eine Overlock dazu. Nach dieser folgt dann bei vielen Hobbyschneidern der Wunsch nach einer Covermaschine.

Bei der „Drittmaschine“ gibt es dann immer wieder mal Einstiegsprobleme. Aber warum?

Covern ist nicht nähen und nicht overlocken

Die meisten Hobbynäher haben schon einiges an Erfahrungen gesammelt, wenn die Cover dazu kommt. Wo man bei der Overlock vielleicht noch ehrfürchtig davor saß, weil sie ja auch ganz anders aussieht als die Nähmaschine, wirken viele Covermaschinen wie Nähmaschinen, andere wie Overlocker. Aber halt schon bekannt.

Also ran und los, aber was hinten raus kommt, sieht nicht wie gewünscht aus?

Damit Ihnen das nicht passiert, haben wir hier mal die Grundlagen zum Covern gesammelt. Zum Lesen, wenn Sie vielleicht gerade über einen Kauf nachdenken oder die Maschine gerade unterwegs zu Ihnen ist. Oder zur Problemlösung, wenn die Cover schon da steht.

Los geht’s – mit der Anleitung

Auch wenn die meist nur ein paar Seiten umfassen, lesen Sie sie! Da gibt es bei dem einen oder anderen Modell Einstellmöglichkeiten, die man so noch nicht kennt, die aber große Auswirkung auf das Stichbild haben können.

So gibt es bei der BROTHER CV 3550 zum Beispiel eine kleine Feder mit einem Hebel daneben, die je nach Stoff mal nach oben oder unten gestellt werden muss. Und bei JANOME je nach Modell die Feineinstellung für den Greiferfaden, beim Modell 2000CPX ist es der Hebel links neben dem Rädchen für die Greiferfadenspannung.

Die Grundeinstellung

Fädeln Sie die Maschine aus (viele kommen voreingefädelt) und neu ein. Regelmäßiges Einfädeln macht sicher und Sie werden Fehler schneller erkennen. Vor allem bei den Modellen von JUKI sollten Sie das Einfädeln des Greiferfadens immer wieder mal üben und nicht Anknoten und Durchziehen. Beachten Sie, dass der Nähfuß zum Einfädeln angehoben sein muss.

Verwenden Sie verschiedene Farben und testen Sie dann auf den Stoffen, die Sie am häufigsten verwenden. Was passiert, wenn Sie die Spannungen verändern? Drehen Sie dabei ruhig mal ganz hoch und ganz runter. Sind die Fädelwege farbig markiert, verwenden Sie genau diese Farben. So können Sie die Veränderungen ganz leicht zuordnen.

Auch die Stichlänge, den Nähfußdruck und das Differenzial sollten Sie einfach mal verstellen. Wenn vorhanden, auch die Greiferfeineinstellung.

Hier haben wir erst verschiedene Fadenspannungen getestet und in den letzten Reihen noch das Differenzial ganz hoch und ganz runter gestellt. So kann man auch gut erkennen, dass man bei gleicher Stichlänge schon unterschiedliche Ergebnisse bekommen kann. 

Das Differential

Man kennt die Funktion ja meist schon von der Overlock. Wenn Sie diesen Regler bei Ihren Probenähten testen, werden Sie schnell sehen, wie es wirkt. Vor allem bei dehnbaren Stoffen wir es genutzt, um Wellenbildung zu vermeiden. Das erreicht man durch Erhöhen der Zahl (hier beschrieben).
Aber nutzen Sie auch den negativen Differenzial, um mehr Garnlänge in die Naht zu bekommen. Dies erhöht die Dehnbarkeit der fertigen Naht. 

Dann stellen Sie Ihre Cover so ein, dass Ihnen das Nahtbild auf Ihrem Stoff gefällt und diese Einstellung notieren Sie sich als Ihre Grundeinstellungen. Und wenn dabei die Spannung an den Nadeln nicht auf 4 steht, dann ist das eben so. Der Hersteller arbeitet mit bestimmten Garnen und Stoffen und stellt die Maschine auf einen Mittelwert ein. 

Ist Ihr Garn dünner, fester oder glatter und nähen Sie mit anderen Stoffen, kann es mit einer anderen Zahl eben besser aussehen. Die Einstellung muss auch nicht bei allen Nadeln und dem Greifer gleich sein.

Thema Nadeln

Da Sie ja einen Blick in die Anleitung geworfen haben, haben Sie sicher auch die Nadelempfehlung gesehen. Diese sind nicht zwingend, aber: Sobald Ihre Naht nicht aussieht wie gewünscht, machen Sie einen Vergleich mit den empfohlenen Nadeln.

Beispiel 1:

Sie nähen einen sehr dünnen Jersey mit der JANOME Cover Pro 2000CPX, verwenden daher vorsichtshalber ELx705 SUK in Stärke 65 und es gibt Fehlstiche. Dann testen Sie zum Vergleich einfach Stärke 80, wie empfohlen. In der Regel bekommt der Stoff davon keine bleibenden Löcher, denn das ist abhängig von der Spitze der Nadel, nicht von der Stärke.

Beispiel 2:

Sie nähen Strickstoff mit der BROTHER CV 3550 mit ELx750 SUK 90 und an der Nahtkreuzung setzt der Deckstich aus. Dann wechseln Sie auf normale Jersey- oder Stretchnadeln, denn für diese Cover ist das Nadelsystem 130/705 ausgewiesen.

Sie können also die Nadelsorte wählen, die Ihnen passt, bei Problemen müssen Sie aber immer zuerst das empfohlene System und die notierte Stärke zum Vergleich benutzen. Lassen Sie sich nicht einreden, es gäbe DIE perfekte Nadeln zum Covern. Vor allem, wenn das Modell noch nicht genannt wurde. Eine Nadel mag perfekt für ein bestimmtes Modell sein, das gilt dann aber nicht grundsätzlich für alle Covermaschinen.

Nahtanfang und -ende

Leider wird dieses Thema in den Anleitungen oft schlecht erklärt, was schnell zu Frust führen kann. Dabei ist es bei der Cover eigentlich ganz einfach.

Es gibt aber auch viele verschiedene Varianten. Welche für Sie am besten geeignet ist, zeigt sich mit der Zeit. Wichtig ist dabei nur, dass Sie wissen, wie die Naht sicher beendet wird und wie man sie auftrennen kann.

Direkt nach dem Einfädeln

Nach dem Einfädeln des Greiferfadens schieben Sie den Greifer an seine Position (oder er tut es von selbst) und lassen Sie das Ende des Garns einfach gute 10 cm im Innenraum hängen.

Achten Sie darauf, dass es sich nirgends verheddert. Beginnen Sie dann langsam auf einem Reststück mit dem Nähen, die Cover holt den Faden dann selbst nach oben, bzw. an die Unterseite des Stoffes.

Wie es dann weiter geht, kommt auf Ihr Projekt an. Entweder beginnen Sie an der Stoffkante (wie bei der Overlock) oder innerhalb des Stoffes. Dies müssen Sie beim Beenden der Naht beachten, denn Anfang und Ende sind voneinander abhängig.

Nahtanfang an der Stoffkante

Sie haben also auf einem Reststück begonnen. Von dort nähen Sie einfach auf das richtige Projekt.

Am Ende der Naht legen Sie wieder ein Reststück unter und nähen darauf.

Es gibt Covermaschinen, mit denen man rausketteln kann. Allerdings reibt dann der Transporteur am Nähfuß, was den Verschleiß erhöht. Überlegen Sie daher, ob es nicht besser ist, mit Stoffresten zu arbeiten.

Die Reste oder die Fäden lassen Sie am Stoff (Reste zurückschneiden), in der Regel wird die Covernaht ja nochmals überkreuzt mit einer anderen Naht.

Hier zum Beispiel wie bei einem Ärmel, die Seitennaht überkreuzt die Covernaht.

Selbst wenn der Ärmel gedehnt wird, geht die Covernaht nicht auf.

Nahtanfang innerhalb des Stoffes

Das ist eigentlich ganz einfach, der Nähfuß muss nur abgesenkt werden und Sie können losnähen. Allerdings nur, wenn Sie den vorherigen Stoff entfernt haben, es befindet sich ja immer noch das Reststück unter dem Nähfuß.

Ende der Covernaht

Um den Stoff unter dem Nähfuß hervor zu bekommen, muss man die Naht ordentlich beenden. Heben Sie den Fuß an und ziehen den Stoff einfach raus, ist meist entweder der Stoff zusammengezogen, der Faden gerissen oder Sie haben ein Knäuel unten am Stoff.

Daher beenden Sie die Naht wie in diesem Beitrag erklärt: Anfang und Ende der Covernaht.

Kurz: Heben Sie den Nähfuß an, holen die Fäden unter dem Nähfuß nach vorne, schneiden Sie durch und ziehen dann den Stoff mit einem kleine Ruck nach hinten.

Der Greiferfaden zieht dabei die Nadelfäden durch den Stoff, die Naht ist gesichert und geht nicht auf.

Stehen die Nadeln beim Anhalten nicht oben, müssen Sie das Handrad auf sich zu drehen, bis sie ganz oben stehen. Und hier kommt der wichtige Punkt betreffend „sicheres Nahtende“. Drehen Sie die das Handrad nach hinten (eine Umdrehung), ist die Naht nicht mehr gesichert und sie kann leicht aufgetrennt werden.

Alle Fäden sind befreit und Sie können den nächsten Stoff unter den Nähfuß legen.

Die Deckstichnaht

Bei diesen Maschinen kommt nur noch hinzu, dass Sie den Faden für den Deckstich vorher durchtrennen, zur Seite legen und noch ein oder zwei Stiche ohne diesen Faden nähen.

Auftrennen einer Covernaht

Muss ab und zu auch mal sein und dafür haben wir bereits einen Beitrag für Sie: Auftrennen einer Covernaht.

Alles hängt fest?

Kann passieren, aber jetzt bloß nicht am Stoff zerren! Hängen Sie einfach den Greifer aus. Sie haben ja beim Einfädeln gelernt, wie das geht. Versuchen Sie vorher, die Nadeln in die höchste Position zu drehen.

Ist der Greifer ausgeklappt, lassen sich in der Regel schon die Fäden aus dem Stichloch ziehen.

Säume

Die Aufgabe, für die die Cover eigentlich gemacht wurde: Dehnbare Säume. Eigentlich auch nur eine einfache Naht, aber hier gibt es viele Wege, zum Ziel zu kommen.

Seitennaht vorher schließen oder nicht?

Das ist Geschmackssache. Vor allem bei den Ärmeln entscheidet aber meist der Platz über die Technik. Hat Ihre Cover einen Freiarm? Dann geht das Säumen von Ärmeln noch relativ leicht. Hat sie keinen oder ist der Ärmel zu eng für den Freiarm, geht es ja noch andersrum: Säumen ohne Freiarm.

Wenn Sie einen Säumer montieren möchten, ist es meist sinnvoller, zuerst zu Säumen und dann erst die Seitennähte zu schließen. Da in der Hobbyschneiderei aber oft individuell angepasst werden soll, wird doch eher am Ende gesäumt, also in der Runde.

Dann sollten Sie die Kante ordentlich einbügeln, vor allem die Nahtkreuzungen. Damit dort keine große Stufe entsteht, kann man die Nahtzugaben in verschiedene Richtungen legen:

Hierzu die Overlocknaht an der Bruchstelle einschneiden  und die Nahtzugaben umklappen. 

Dann können Sie die Overlocknaht in unterschiedliche Richtungen legen und die Stufe wird länger, aber flacher.

Oder die Nahtzugaben (ohne Einschneiden) gegeneinander verschieben. Die Overlocknahtliegt also in beiden Fällen nach hinten, aber nach dem Umklappen wir der Saum um die Breite der Naht nach vorne verschoben. Das geht besonders ab einer Saumtiefe von 2,5 cm und mehr sehr gut. 

Wohin mit der Stoffkante?

Eine oft diskutierte Frage beim Saum ist auch, ob die Stoffkante vom Greiferfaden verdeckt werden soll oder nicht.

Natürlich sieht es innen schick aus, wenn man mit dem Greiferfaden genau die Kante einschließt (unten im Bild).

Allerdings muss dazu exakt umgeschlagen werden (klappt gut mit einem Säumer), die Stoffkante sollte sich nicht einrollen. Die Schnittkante sollte gerade sen. Und eine Nadel sticht dabei nur durch eine Lage, die andere durch zwei. Nicht nur, dass für diesen Fall eventuell die Spannung angepasst werden muss, es kann sich auch auf der Vorderseite im Stichbild bemerkbar machen. Vor allem, wenn man dann doch mal etwas aus der Spur kommt und mit beiden Nadeln auf zwei Lagen näht.

Unser Tipp:

Schlagen sie 0,5 cm mehr um und nähen dann ganz bequem auf zwei Lagen. Ist Ihnen der Überstand hinterher zu groß, kann er ganz einfach mit der Applikationsschere zurückgeschnitten werden. 

Nähen über Stufen

Es kommt immer mal wieder vor, dass man mit der Covermaschine über eine Stufe nähen muss, zum Beispiel an den Seitennähten. Ist diese Stelle gebügelt, ist sie in der Regel kein Grund für Fehlstiche. Aber man sieht doch des Öfteren mal verkürzte Stiche vor der Kreuzung, da sie sich vor dem Nähfuß erst mal staut.

Um das zu vermeiden, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Wasserlösliches Vlies auflegen

Vor allem bei dünnen und dehnbaren Stoffen wie Viskosejersey wird der Stoff vor dem Nähfuß gequetscht, weil er kaum Widerstand bietet. Legen Sie ein Stück Vlies auf die Nahtkreuzung, dann wird sie einfacher transportiert. Hier lohnt es sich aber auch oft erst mal, vom Kunststofffuß zum Metallfuß zu wechseln, dieser gleitet besser über solche Materialien. Bei Problemen mit festen Stoffen und Nahtkreuzungen legen Sie das Vlies unter den Stoff, denn die unterschiedlichen Höhen werden dann nicht immer optimal vom Transporteur erreicht.

Hebamme verwenden

Zum Thema Hebamme haben wir bereits einen Beitrag für Sie: Wofür braucht man beim Nähen eine Hebamme?

Die schnelle Hebamme

Diese Technik funktioniert ähnlich wie die Hebamme, aber Sie haben Sie immer dabei: Ihr Daumen!

Wenn die Spitze des Nähfußes die Erhöhung der Stufe erreicht hat, drücken Sie sie mit dem Daumen nach oben. Das ist (besonders bei einer Deckstichcover) eine ungewohnte Situation, denn man spürt regelrecht die Bewegung der Nähfußhalterung, aber wenn Sie sich mal überwunden haben, geht es ganz einfach. Halten Sie die Spitze oben und nähen Sie weiter, bis die Kreuzung knapp hinter den Nadeln ist. Dann können Sie loslassen.

Ziernähte

Die Arbeit, für die die Cover eigentlich nicht gedacht war, aber wofür Sie im Hobbygebrauch sehr oft genutzt wird:

Hier muss man zuerst unterscheiden, ob für die Ziernähte auf links gecovert wird oder mit dem Deckstich:

Hier sehen Sie den Vergleich. Die waagrechte Naht ist mit dem Deckstich genäht, die senkrechte ist die Greifernaht (also von links).

Für den Look mit der hellen Naht auf dem grauen Bündchen oben müssen Sie auf links nähen, sehen also während des Nähens nicht, wie die Naht wirklich aussieht. Vor allem beim Absteppen sollte der Stoff daher gut vorbereitet sein, die Kante also zur Seite gebügelt werden. Die Ziernähte auf dem weißen Shirt dagegen konnten von rechts gecovert werden, da mit der Deckstichnaht gearbeitet wurde.

Sollen diese Nähte dann auch noch nur auf einer Stofflage genäht werden, ist die Verwendung von Vlies sehr zu empfehlen. Sonst entstehen sehr schnell Wülste. Eine Lage Stoff bietet der Covernaht zu wenig Widerstand. Praktisch ist hier ein wasserlösliches Vlies, nach der ersten Wäsche ist es einfach verschwunden. Mit der Deckstichcover gelingt das leichter, da der fünfte Faden die Naht stabilisiert und so kann teilweise sogar auf Vlies verzichtet werden. 

Das passende Garn

Mit welchem Garn covert ihr? Diese Frage liest man immer wieder. Es hat sich so ein bisschen das Overlockgarn etabliert, vermutlich wegen des hohen Verbrauches beim Greifer. Aber man kann mit jedem guten Nähgarn covern. Es sollte wie immer knötchenfrei und stabil sein, viele Infos zum Garn finden Sie in unserem Beitrag: Woran erkenne ich gutes Nähgarn?

Und viele Beispiele haben wir hier gesammelt: Garne zum Covern.

Zum Schluss

Das waren nun einige Tipps zum Einstieg ins Covern. Haben Sie keine Angst vor Neuland und lassen Sie sich vor allem nicht zu viel einreden. Finden Sie es selbst heraus! 

Was das Thema Zubehör angeht, möchten wir Ihnen nahe legen: Beschäftigen Sie sich zuerst intensiv mit der Maschine, verwenden Sie dann Zubehör. Sie sollten die Grundeinstellung ihrer Cover kennen, damit Sie eventuelle Probleme sofort erkennen. Nach ein paar genähten Teilen können Sie auch besser beurteilen, ob eher ein Säumer für Sie Sinn macht, oder ein Bandeinfasser. Und wenn es doch noch Fragen gibt, hier finden Sie viele Beiträge zum Thema Covermaschine:

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